Wirtschaft

Vonovia-Chef im Interview "Staat muss bei niedrigen Einkommen helfen"

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Vonovia-Chef Rolf Buch geht davon aus, dass auf viele Mieter und Mieterinnen hohe Nachzahlungen zukommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Geringverdiener müssten zusätzlich entlastet werden, fordert der Vonovia-Chef Rolf Buch. Er prognostiziert: In der Inflation werden auch Mieten noch stärker steigen – und Sanierungsauflagen werden zur Falle für Vermieter.

Der Chef des Wohnungskonzerns Vonovia, Rolf Buch, fordert weitere staatliche Entlastungen bei den Heiz- und Stromkosten. "Wir müssen uns frühzeitig damit beschäftigen, was passiert. Und ich bin fest davon überzeugt, dass der Staat bei den niedrigen Einkommen noch mal helfen muss", sagt Buch im Podcast "Die Stunde Null".

Im kommenden Jahr rechnet Buch damit, dass viele seiner Mieter und Mieterinnen hohe Nachzahlungen für 2022 werden stemmen müssen - in manchen Fällen sogar bis zu zwei Monatskaltmieten. "Zwei Monatsmieten klingt viel, aber es klingt noch viel mehr, wenn man weiß, dass man oft 30 Prozent seines Monatseinkommens für die Miete aufbringt. Das heißt, wir würden in dem Monat das gesamte verfügbare Einkommen erfragen - das geht natürlich nicht", sagte Buch.

Erst vor wenigen Tagen wurden die ersten staatlichen Hilfspakete wegen der dramatisch gestiegenen Strom- und Heizkosten beschlossen. So erhalten alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in diesem Jahr 300 Euro brutto als einmaliges Energiegeld - der Zuschuss muss aber versteuert werden. Weitere Hilfen gibt es für Kinder und Geringverdiener, außerdem werden die Benzinpreise für drei Monate befristet gesenkt.

Rolf Buch erwartet, dass dies nicht ausreichen wird - und der Staat analog zu den Corona-Hilfen länger und stärker Menschen unterstützen muss. Mit über 500.000 Wohnungen allein in Deutschland ist Vonovia der größte Vermieter Deutschlands, er bietet gerade vielen Rentnern und Beziehern niedrigerer Einkommen in den Großstädten ein Zuhause.

Angesichts der steigenden Preise und der hohen Sanierungsauflagen für Mietshäuser forderte Buch eine offene Diskussion über die Entwicklung der Mieten in Deutschland. In den vergangenen Jahren habe Vonovia die Mieten pro Jahr um etwa ein Prozent und damit unterhalb der Inflationsrate erhöht, so Buch. "Bei schnellen Inflationsraten werden wir das dann irgendwann nicht mehr durchhalten. Das muss man ganz offen sagen." Es sei aber vertretbar, die Mieten stärker anzuheben, wenn mit der Inflation auch die Löhne und Gehälter steigen, so Buch weiter. "Dann können sicher auch die Mieten moderat steigen."

Die hohen Sanierungsauflagen würden langfristig den Miet- und Wohnungsmarkt in Deutschland verändern, sagte Buch voraus. Große Konzerne wie Vonovia könnten den Aufwand und die Konditionen der Modernisierungsmaßnahmen wie neue Dächer, Fenster, Heizungsanlagen und Dämmungen gut kalkulieren, für private Vermieter mit nur einer oder einigen wenigen Wohnungen sei das hingegen sehr viel schwerer - jeder Vermieter müsse dringend einen eigenen Fahrplan machen. "Wir haben einen Klimapfad bis 2045 - wer das als Vermieter nicht hat, sollte anfangen zu rechnen."

So sei es beim derzeitigen Sanierungstempo nicht zu schaffen, wie von der EU gefordert, die 15 Prozent der sanierungsbedürftigsten Gebäude bis 2030 zu modernisieren, Buch sprach in diesem Zusammenhang von "stranded assets" - also Immobilien, die keinen oder nur noch einen sehr geringen Wert haben. "Das ist schon dramatisch. Wir haben hier echt eine Herausforderung, und die sollten wir langsam mal annehmen."

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Wie Vonovia Hundertausende Wohnungen bis 2045 klimaneutral machen will
  • Was Rolf Buch bei Immobilienpreisen erwartet
  • Wie der Vonovia-Chef bei sich zu Hause heizt

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de

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