Wirtschaft

Bergungsversuch gescheitert Suezkanal könnte noch Wochen blockiert sein

236455786.jpg

Schlepper beteiligen sich an der Freisetzung des riesigen Countainerschiffs.

(Foto: picture alliance/dpa/Suez Canal Authority)

Die Befreiung des Riesen-Frachters aus seiner misslichen Lage im Suezkanal könnte noch viel länger dauern als vorerst angenommen. Unternehmen reagieren prompt und schicken ihre Frachter bereits auf die weitaus längere Tour um Afrika herum. Das hat vor allem für die Autoindustrie drastische Folgen.

Die Freigabe des Containerschiffs, das im Suezkanal feststeckt, könnte noch Tage oder sogar Wochen dauern. Das Schiff sei zu schwer für Schlepper allein, warnte das Bergungsunternehmen Bos in der "New York Times". Bos ist an der derzeit laufenden Operation beteiligt. Das enorme Gewicht des Schiffes laste auf dem Sand auf beiden Seiten des Kanals, erklärte Bos-Chef Peter Berdowski. "Möglicherweise müssen wir mit einer Kombination aus Gewichtsreduzierung arbeiten, indem wir Container, Öl und Wasser vom Schiff holen, Schlepper einsetzen und Sand ausbaggern." Und das Ausbaggern könnte zusätzliche Ausrüstung erfordern.

Die japanische Zeitung "Nikkei" berichtete unter Berufung auf den Schiffseigner Shoei Kisen hingegen, der Frachter könne bereits "morgen Nacht japanischer Zeit" aus der misslichen Lage befreit werden. Eine Sprecherin des Eigners äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zurückhaltender. Es werde versucht, das Container-Frachtschiff an diesem Samstag flottzubekommen. Sollte dies nicht klappen, sei geplant, am Sonntag zwei weitere Schlepper einzusetzen. "Wir haben keine Prognose, wann die Arbeit erfolgreich sein wird."

Zahlreiche Schiffe stecken wegen des festgefahrenen Frachters im Stau und warten auf die Weiterfahrt. Zehn große Schlepper kämpfen währenddessen gegen das Gewicht des riesigen Schiffes an und Bagger arbeiten daran, Sand und Schlamm zu beseitigen. Ein Versuch am Donnerstagmorgen, das Schiff zu bergen, scheiterte bereits, wie der technische Leiter des Schiffs, Bernhard Schulte, mitteilte.

Globale Reedereien haben nun damit begonnen, Fracht aus dem Suezkanal umzuleiten, wie der "Guardian" berichtete. Die weltgrößte Container-Reederei Maersk prüfte nach eigenen Angaben, ob sie ihre Schiffe um die Südspitze Afrikas schicken sollte, bei einer zusätzlichen Fahrdauer von bis zu sechs Tagen. Es steckten Waren im Wert von schätzungsweise 9,5 Milliarden Dollar in den riesigen Staus.

Ölpreise schnellen in die Höhe

Mehr zum Thema

Die Sperrung des Suezkanals in Ägypten trifft die europäische Autoindustrie am stärksten, wie die Ratingagentur Moody's berichtete. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich zeitweise um 1,7 Prozent auf 62,99 Dollar je Barrel.

"Die Autoindustrie in Europa arbeitet mit Just-in-time-Lieferungen und hält kaum eigene Lagerbestände vor", schreibt Analyst Daniel Harlid in einem Kommentar. Selbst wenn das Problem innerhalb der nächsten 48 Stunden gelöst werde, seien Störungen der ohnehin schon beeinträchtigten Lieferketten und Staus in den Häfen unvermeidbar.

Quelle: ntv.de, spl/dpa/DJ/rts

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.