Wirtschaft

Der Westen geht, China ist da Taliban sitzen auf riesigem Lithium-Vorkommen

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Die Taliban sind zurück an der Macht.

(Foto: REUTERS)

Die Taliban kontrollieren nach dem Fall Kabuls eine der weltweit größten Lithium-Lagerstätten. Damit können sie Zugriff auf einen der begehrtesten Rohstoffe erlangen, der auch für die Elektromobilität entscheidend ist. China hat bereits ein Auge auf das Vorkommen geworfen.

Afghanistan besitzt einen besonders kostbaren Schatz: Lithium. Nach ihrer Machtübernahme haben die Taliban nun die Möglichkeit, ihn zu heben - und damit Zugriff auf einen begehrten Rohstoff, ohne den es weder Akkus für Smartphones und Laptops noch Batterien für E-Autos gibt.

Die weltweiten Lithium-Vorkommen sind in wenigen Lagerstätten konzentriert. Chile verfügt über die insgesamt größten nachgewiesenen Reserven, mit dem Salzsee Salar de Uyuni liegt in Bolivien das größte einzelne Lithium-Vorkommen. Und die Reserven in Afghanistan sollen der US-Behörde United States Geological Survey (USGS) in etwa so umfangreich sein wie in Bolivien. Das US-Verteidigungsministerium feierte Afghanistan deswegen als das "Saudi-Arabien des Lithiums".

Schon 2010 wurde die USGS-Studie veröffentlicht, doch seitdem wurde in Afghanistan kein Lithium gefördert. Und das, obwohl die Nachfrage nach dem Metall kräftig steigt und der Internationalen Energieagentur zufolge bis 2040 regelrecht explodieren wird. Doch Kämpfe, weit verbreitete Korruption, fehlende staatliche Strukturen sowie nicht vorhandene Infrastruktur haben die Förderung bisher verhindert.

Die Frage ist, ob den Taliban das gelingt, was die Regierungen Afghanistans seit elf Jahren nicht geschafft haben. Die Aufgabe ist herausfordernd. Die neuen Machthaber müssen ein stabiles Umfeld schaffen, das ausländische Investitionen ermöglicht und schützt - und das ist in einem von fundamentalistischen Gotteskriegern beherrschten, von Stammeskonflikten geprägten und von Korruption durchzogenen Land durchaus ambitioniert.

Rohstoff-Fluch droht

Fest steht, dass es lange dauern dürfte, bis tatsächlich Lithium aus der Erde geholt wird. Es braucht Jahre, bis die entsprechende Industrie und die notwendige Infrastruktur aufgebaut sind. Ohne ausländische Technologie und ohne ausländisches Kapital wird das nicht funktionieren. Dass westliche Firmen angelockt werden können, ist zwar äußerst unwahrscheinlich. Aber China steht in den Startlöchern - und auch andere Länder haben Interesse, in Afghanistan Rohstoffe zu fördern.

China ist bereits seit vielen Jahren in Afghanistan im Rohstoffbereich aktiv und hat den Taliban signalisiert, das Engagement hochzufahren. Zugleich zeigt das Beispiel Chinas allerdings, wie problematisch Investieren in Afghanistan ist. Knapp drei Milliarden Dollar hat die Volksrepublik 2007 in eine Förderlizenz für das weltweit größte unangetastete Kupfervorkommen gesteckt, das 40 Kilometer entfernt von Kabul liegt. Gefördert wurde bisher aber nichts. Die Begründung: angespannte Sicherheitslage und fehlende Infrastruktur.

Ein weiteres Problem dürfte der sogenannte Rohstoff-Fluch werden, der Entwicklungsländer heimsucht - in Form von Korruption und Gewalt. Vom Rohstoff-Reichtum profitieren nur wenige, der Großteil der Bevölkerung hat davon nichts. Und in dem seit Jahren von Machtkämpfen zerrissenen Afghanistan dürfte der Streit um Anteile am Rohstoff-Kuchen intensiv werden.

Das liegt auch daran, dass die Taliban keine homogene Gruppe sind. Es handelt sich um grundverschiedene Stammesangehörige aus den ländlichen Gebieten Afghanistans. Die Taliban sind hauptsächlich Paschtunen, die wiederum in Stämme gegliedert sind. In dem Vielvölkerstaat gibt es aber auch beispielsweise Tadschiken, Usbeken und Turkmenen. Einige der Ethnien und der Stämme Afghanistans sind miteinander verfeindet.

Die Probleme wachsen

Das macht Investitionen in Afghanistan nicht gerade risikoarm. Aber die potenziellen Gewinne sind offensichtlich hoch genug, um zumindest ein paar Risiken einzugehen. China hat den Weg bereits beschritten.

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Für die Volksrepublik gibt es neben den Profiten womöglich noch einen anderen Grund, in Afghanistan beispielsweise Seltene Erden und Lithium zu fördern: China will den Abbau im eigenen Land herunterfahren. Die bei der Förderung entstehenden Umweltschäden würden dann nicht mehr in China, sondern anderswo angerichtet, zitiert das US-Medium "Quarz" Nick Crawford vom Thinktank International Institute for Strategic Studies.

Die Zerstörungen kommen zu den Umweltproblemen hinzu, unter denen Afghanistan bisher schon leidet - Wassermangel, Luftverschmutzung und durch den Klimawandel ausgelöste extreme Wetterphänomene. Das schlimmste Problem ist allerdings die Herrschaft der Taliban.

Quelle: ntv.de

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