Knapp 15 Jahre nach FukushimaTepco schließt weltgrößtes AKW wieder ans Netz an

Japan treibt den Ausbau seiner Atomenergie voran. Dafür werden auch stillgelegte Reaktoren wieder hochgefahren. Der Konzern Tepco, der an der Nuklearkatastrophe von Fukushima beteiligt war, schließt seine wichtigste Anlage wieder an.
Der japanische Energiekonzern Tepco hat erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor knapp 15 Jahren wieder einen Reaktor hochgefahren. Das Unternehmen nahm den Reaktor Nr. 6 im weltgrößten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa nach Abschluss von Inspektionen wieder in Betrieb, wie Tepco mitteilte.
Die Bedeutung des Neustarts sei "aus Sicht der Steuerung von Stromangebot und -nachfrage, der Stromtarife und der Sicherung dekarbonisierter Energiequellen" gestiegen, erklärte der japanische Regierungssprecher Minoru Kihara. Der kommerzielle Betrieb des Reaktors solle bis Ende Februar aufgenommen werden und die Stromversorgung im Großraum Tokio verbessern.
Der Neustart ist nach Einschätzung von Experten ein "wichtiger Wendepunkt" für die Regierung. "Er signalisiert das Ende des atomaren Stillstands nach Fukushima und bekräftigt die Bedeutung von Atomkraft für eine stabile Stromversorgung", kommentierte Analyst Filippo Pedretti von Japan NRG. "Wenn sogar Tepco, der am Desaster von Fukushima Daiichi beteiligte Versorger, seine wichtigste Anlage wieder hochfahren kann, können andere Anlagen folgen."
Bau neuer Reaktoren
Nach Rückschlägen beim Ausbau der Offshore-Windkraft und dem Kostendruck durch importierte fossile Brennstoffe setzt Japan wieder verstärkt auf Kernenergie, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Ministerpräsidentin Sanae Takaichi treibt den Bau neuer Reaktoren voran.
Mit der Wiederinbetriebnahme des Reaktors in Kashiwazaki-Kariwa sind in Japan nun 15 der 33 nach der Fukushima-Katastrophe noch betriebsfähigen Reaktoren am Netz. Der Schritt gilt als wichtiger Test für die gesamte Branche, da sechs weitere Reaktoren anderer Betreiber auf die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme warten. Die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA ordnete diesen Monat an, dass der Versorger Chubu Electric einen detaillierten Bericht über gefälschte seismische Daten vorlegen muss. Die Prüfung des Antrags auf Wiederinbetriebnahme von dessen einzigem Atomkraftwerk Hamaoka wurde ausgesetzt.