Wirtschaft

Hohe Verluste, große Pläne "Tesla ist eine Zocker-Wette"

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Das Model S verkaufte sich im vergangenen Quartal über 10.000 Mal.

(Foto: REUTERS)

Der Umsatz wächst um 50 Prozent, aber der Verlust verdreifacht sich - dennoch scheinen die Tesla-Aktionäre nicht unzufrieden. Woran das liegt, was die Zukunft bringen könnte und ob Tesla eigenständig überleben kann,erläutert n-tv.de Autoexperte Helmut Becker im Interview.

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n-tv.de: Herr Becker, Tesla hat seine Quartalszahlen vorgelegt: Einem Umsatzplus von 50 Prozent steht eine Verlustverdreifachung gegenüber. Wo geht die Reise des Unternehmens hin?

Helmut Becker: Das ist schwer zu sagen. Bisher hat Tesla - egal, womit auch immer - nur Verluste gemacht. Dennoch hat der Aktienkurs seit April wieder deutlich zugelegt. Offensichtlich sind die Aktionäre der Meinung, das Unternehmen sei ein zukunftsträchtiges Investment. Da muss man aber sehr stark an die Zukunft glauben und viel Geduld mitbringen.

Also ist Tesla gewissermaßen eine Wette auf die Zukunft?

Helmut Becker schreibt für ntv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt. Becker war 24 Jahre Chefvolkswirt bei BMW und leitet das "Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK)". Er berät Unternehmen in automobilspezifischen Fragen.

Helmut Becker schreibt als anerkannter Autoexperte und Volkswirt für teleboerse.de und n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt.

Ja, aber ich würde es noch spekulativer ausdrücken: Tesla ist eine Zocker-Wette!

Vom Model S wurden im abgelaufenen Quartal über 10.000 Stück weltweit ausgeliefert. Preis: rund 75.000 Dollar je Auto. In Europa sollen die Preise noch um fünf Prozent angehoben werden. Lässt sich das durchsetzen?

Zunächst: Weltweit ist ja wohl übertrieben, wohl eher nur an das schneearme Kalifornien! Ja, in Europa sind Preiserhöhungen kein Problem: Wenn man nichts verkauft, kann man die Katalogpreise beliebig anheben. Die Motivation zu diesem Schritt sind sicher Wechselkurseffekte, also die Aufwertung des US-Dollar und die damit einhergehende Abwertung des Euro. In Dollar gerechnet, macht Tesla obendrein zu den ohnehin vorhandenen Verlusten zusätzlich noch Währungsverluste. Die will man mit den höheren Preisen im Euroraum auffangen. Das dürfte aus dem genannten Grund auch problemlos gelingen.

Konzernchef Musk gibt an, die gestiegenen Verluste seien dem Wachstumskurs des Unternehmens geschuldet. So soll etwa ein SUV kommen. Wie schätzen Sie dessen Chancen am Markt ein? SUV-Modelle boomen ja derzeit.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Auto in USA Anklang findet. Grundsätzlich wird aber auch dieses Modell mit den Vorurteilen zu kämpfen haben, mit denen Elektroautos begegnet wird, wie etwa der fehlenden Reichweite oder den fehlenden Aufladestationen. Außerdem ist es schwerer, was die Reichweite weiter einengt.

Wie schätzen Sie die Pläne von Tesla zur eigenen Batterieherstellung ein?

Das ist das eigentliche Kerngeschäft, damit fing ja einst alles an. Aber auch da wird sich erst noch herausstellen müssen, ob es ein erfolgreiches, sprich gewinnbringendes Geschäftsfeld werden kann. Mir sieht das eher nach Notlösung aus, da wird ein immer größeres Rad gedreht.

Die Barmittel von Tesla haben sich binnen Jahresfrist von 2,4 Milliarden auf 1,5 Milliarden Dollar verringert. Kann Tesla auf lange Sicht eigenständig überleben?

Die Barmittel kommen von den Anlegern. Das, was Tesla seit Gründung an Kapital verbrennt, hat er sich zuvor an der Börse geholt. Sollte das Geld knapp werden, könnte er sich am Aktienmarkt erneut welches besorgen, also seine Aktionäre erneut zur Kasse bitten. Die muss er allerdings mit immer neuen Geschäftsideen bei Laune halten. Aber Geld gibt es auf der Welt ja genug!

Eine Übernahme durch einen automobilen Großkonzern sehen Sie nicht?

Verrückte in der Automobilindustrie gab es in den letzten Jahrzehnten ja genug, aber im Augenblick scheint Vernunft eingekehrt zu sein. Von daher klare Aussage: Nein. Aber vielleicht gibt es wieder den einen oder anderen übermütigen Großinvestor, der sich an Tesla beteiligen wird.

Mit Helmut Becker sprach Thomas Badtke

Quelle: ntv.de

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