Wirtschaft

Zehn Prozent unter dem Kurswert Thiele-Erben verkaufen Lufthansa-Aktien

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Die Familiengesellschaft KB Holding bleibt voraussichtlich weiterhin zweitgrößter Lufthansa-Aktionär nach dem Bund.

(Foto: picture alliance/dpa)

Paukenschlag bei Lufthansa: Die Erben des verstorbenen Großaktionärs Heinz Hermann Thiele treten knapp die Hälfte ihres Aktienpakets ab. Der Abschlag ist dabei ungewöhnlich groß. Das Papier gibt prompt nach und dürfte noch weiter unter Druck geraten.

Knapp drei Monate nach dem Tod des Münchner Selfmade-Milliardärs Heinz Hermann Thiele haben sich seine Erben von gut der Hälfte ihres Lufthansa-Aktienpakets getrennt. Die Familiengesellschaft KB Holding erlöste mit dem Verkauf von 33 Millionen Lufthansa-Aktien am Donnerstagabend innerhalb weniger Stunden 323 Millionen Euro, wie die mit der Platzierung beauftragte Investmentbank mitteilte. Der Preis lag mit 9,80 Euro um zehn Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs von 10,87 Euro - ein ungewöhnlich großer Abschlag.

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Die KB Holding reduziert damit ihren Anteil an der Lufthansa von zuletzt 10,04 auf etwa 4,5 Prozent, dürfte aber immer noch deren zweitgrößter Aktionär nach dem Bund sein. Thiele hatte die Rettung der Lufthansa in der Corona-Krise im Sommer 2020 zur Zitterpartie gemacht, weil er sich als Großaktionär bis zum letzten Moment weigerte, die Bedingungen der Teilverstaatlichung zu akzeptieren. Er war erst während der Pandemie auf Schnäppchenjagd bei der Lufthansa eingestiegen und hielt zeitweise mehr als 15 Prozent.

Lufthansa-Aktien gaben im Späthandel um 3,4 Prozent auf 10,44 Euro nach. Der Konzern dürfte aber noch weiter unter Abgabedruck geraten. Thieles Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen sollen bis zum Jahresende in eine Stiftung eingebracht werden, wie aus seinem Testament hervorgeht. Bei seinen Mehrheitsbeteiligungen am Münchner Lkw- und Bahn-Zulieferer Knorr-Bremse und am Bahntechnik-Konzern Vossloh hatte die Familie betont, die Anteile blieben vollständig in den Händen der Familie. Der Stiftung und Thieles Tochter Julia Thiele-Schürhoff gehören dann zusammen 59 Prozent an Knorr-Bremse und 50,1 Prozent an Vossloh. Zur Lufthansa-Beteiligung der KB Holding gab es ein so konkretes Bekenntnis nie.

Thiele hatte bei Knorr-Bremse 1969 als Patent-Sachbearbeiter begonnen, kaufte seinen Arbeitgeber in der Krise 1985 und baute den Mittelständler zum Weltmarktführer für Lastwagen- und Zug-Bremsen aus. 2018 brachte Thiele den Konzern an die Börse. 2011 stieg er bei Vossloh aus dem sauerländischen Werdohl ein. Das "Manager Magazin" zählte ihn zuletzt mit seiner Familie zu den acht reichsten Deutschen, mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, mdi/rts

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