Wirtschaft

Verbrenner-Verbote nicht gewollt Thinktank: Deutsche Autobauer bremsen Verkehrswende aus

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Auf der IAA Mobility in München präsentierte BMW-Vorstandschef Zipse die neuesten Modelle des Autobauers.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch deutsche Autobauer verschließen sich dem Wandel hin zur E-Mobilität nicht mehr, sondern begleiten ihn aktiv mit. Aber nur auf dem Papier, kritisiert die Organisation Influencemap. In Brüssel treten die Deutschen als größte Bremser in Sachen Wandel auf. Ein Autobauer fällt dabei besonders auf.

Die deutsche Automobilindustrie spielt nach Ansicht eines britischen Thinktanks ein doppeltes Spiel beim Klimaschutz. "Zwischen der grünen Öffentlichkeitsarbeit und dem tatsächlichen Handeln der Unternehmen sehen wir gewaltige Unterschiede", sagte Ben Youriev von der Organisation Influencemap der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Einerseits würden Verbände und Unternehmen klimaneutrale und nachhaltige Mobilität bewerben, andererseits aber bei der EU für schwächere Klimaregeln kämpfen.

Influencemap habe in den vergangenen Monaten unter Verweis auf die EU-Informationsfreiheitsverordnung etliche Dokumente zur Lobby-Aktivität der deutschen Autofirmen in Brüssel angefordert und ausgewertet, heißt es in dem SZ-Bericht. Eine Schlussfolgerung der Studie lautet demnach: "Die deutschen Autohersteller führen den Kampf für schwächere Klimaregeln an." Besonders negativ fielen den Angaben zufolge der Autobauer BMW sowie der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf.

Am deutlichsten kritisiert der Thinktank den VDA, der an die Politik das übermitteln soll, was sich Unternehmen laut nicht zu sagen trauen. Tatsächlich hat der Verband, in dem alle Hersteller Mitglied sind, jüngst seine Automesse zur Blaupause in Sachen Klimaschutz stilisiert. In München erlebte man, wie der Weg zu einer klimaneutralen Mobilität aussehen könnte: mit neuen Antrieben, mit Fahrrädern und Mobilitätsdiensten.

Doch in Brüssel behindern die Autolobbyisten die sogenannte Verkehrswende. 30 Jahre lang habe die EU diese bereits versucht: "Das hat nicht funktioniert", heißt es in einem VDA-Schreiben an die EU aus dem vergangenen Jahr. Man solle sie überhaupt bleiben lassen: Eine Verkehrswende sollte "kein Ziel für sich" sein. Ebenfalls bei der Messe erklärte der Verband, der geplante Abschied von den Verbrennermotoren sei ein klares Signal für die Unterstützung der Pariser Klimaziele. Ein paar Monate zuvor hatte der VDA indes nach Brüssel geschrieben: "Wir lehnen ein Verbrenner-Aus deutlich ab."

BMW glaubt weiter an den Verbrenner

Bei den Herstellern lobbyiere BMW am "aggressivsten" gegen Klimaschutz, sagt Analyst Youriev der "Süddeutschen Zeitung". So habe Vorstandschef Oliver Zipse etwa am 30. Juni EU-Transportkommissar Adina Vălean getroffen und erklärt, dass es "keine Regeln für ein Verbrennerverbot" geben solle, stattdessen sollten alle verfügbaren Technologien verbessert werden - und auch der Verbrenner seine Berechtigung behalten. Dabei erwecke BMW in der Werbung einen ganz anderen Eindruck, so Youriev, etwa wenn der Hersteller bei der Vorstellung der neuen E-Automodelle iX und i4 Sprüche einblende wie "Es gibt keinen Planeten B" oder "Make Earth Cool Again".

Nun muss man den Autoherstellern zugutehalten, dass sie ihre Haltung nicht verheimlichen. Wer nicht nur die Werbung wahrnimmt, findet in den Medien immer wieder Aussagen von Zipse, in denen er die "Technologieoffenheit" beschwört: Im Jahr 2030 soll die Hälfte der BMW-Autos nur mit Strom fahren. Aber es solle weiterhin Fahrzeuge geben, die mit Benzin, Diesel, vielleicht auch synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff betrieben werden. Der Bruch soll nicht zu rasant gehen, weil es sonst enorm viel kostet, Geld und auch Jobs. Das Hauptargument, auch vom VDA: Nicht überall sei die Welt bereit für den Ausstieg.

Der Thinktank verweist laut SZ auch auf die Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow, wo am Mittwoch zwei Dutzend Staaten und sechs große Autohersteller eine gemeinsame Erklärung zum Ende des Verbrennermotors unterzeichneten. Darunter findet sich jedoch weder die Bundesregierung noch die meisten der deutschen Autohersteller. "Wieso unterschreiben sie nicht, wenn Nachhaltigkeit doch ihr Plan ist?", monierte Influencemap.

Quelle: ntv.de, als/AFP

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