Wirtschaft

Klares Dementi aus Essen Thyssenkrupp hält am Schiffbau fest

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Die Bundesregierung bemühte sich bislang, die Fertigung von Kriegsschiffen in deutscher Hand zu halten.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Der deutsche Industrieriese Thyssenkrupp will seine Werftensparte nicht an die Franzosen verkaufen. Top-Manager Burkhard dementiert entsprechende Medienberichte. Eine deutsch-französische Kriegsschiff-Schmiede rückt in weite Ferne.

Die Annäherungsversuche im europäischen Rüstungssektor stoßen auf deutscher Seite auf Widerstand: Ein Verkauf der defizitären Thyssenkrupp Marine Systems an die staatliche französische Naval Group kommt für den Mutterkonzern aus Essen nicht infrage. Der verantwortliche Konzernvorstand Oliver Burkhard widersprach ausdrücklich einem Bericht des "Handelsblatts", demzufolge der Dax-Konzern im Fall eines guten Angebots aus Paris "verkaufsbereit" sei.

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Dem ist nicht so, wie Burkhard betonte. Thyssenkrupp investiere in den Marineschiffbau und stelle das Geschäft für den internationalen Wettbewerb stark auf, erklärte Burkhard. "Das in den Medien aufgeworfene Thema einer Konsolidierung mit einem französischen Partner ist deshalb kein Thema für uns." Die Werftensparte von Thyssenkrupp ging aus der Zusammenlegung der beiden Traditionswerften Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel und dem Hamburger Werftenriesen Blohm + Voss Naval hervor.

Im Zusammenhang mit Kooperationsplänen in der deutsch-französischen Rüstungspolitik beim Bau von Kampfpanzern und dem neuen europäischen Kampfjet-Projekt FCAS war in dem "Handelsblatt"-Bericht auch die Rede von einem Vorschlag, den Bau von Fregatten, U-Booten, Korvetten und anderen Kriegsschiffen in Deutschland und Frankreich zusammenzulegen. Die Werften sollten von der "anstehenden Konsolidierung" in der europäischen Rüstungsbranche "nicht ausgeklammert" werden, hieß es.

Die Franzosen bereiteten demnach derzeit nach Jahren einen neuen Anlauf zur Übernahme der deutschen Werften in Kiel, Hamburg und Emden vor. Ein Zusammenschluss hat für Deutschland erhebliche strukturpolitische Konsequenzen: Die Bundesregierung bemühte sich bislang, die Fertigung von Kriegsschiffen in deutscher Hand zu halten - vor allem, um die zahlreichen Hightech-Arbeitsplätze in den oft strukturschwachen Werftenstandorten an der Küste zu halten.

Restlos ausschließen wollte Thyssenkrupp-Manager Burkhard eine Fusion zu einem späteren Zeitpunkt allerdings nicht. "Wir haben immer gesagt, dass wir offen sind für eine Diskussion um eine europäische Konsolidierung des Marineschiffbaus, wenn das wirtschaftlich darstellbar und politisch gewollt ist."

Das Geschäft mit Kriegsschiffen und Unterseebooten war erst kürzlich aus dem Geschäftsbereich Industrial Solutions herausgelöst und direkt dem Konzernvorstand unterstellt worden. Anders als der Aufzugsbau, das Autokomponentengeschäft und der Anlagenbau soll es bei der Konzernteilung Anfang 2020 nicht Thyssenkrupp Industrials sondern Thyssenkrupp Materials zugeordnet werden, in dem das Werkstoffgeschäft gebündelt wird.

Gestützt auf dieses organisatorische Detail wurde in Branchenkreisen mit einem späteren Verkauf der Marinewerften gerechnet. Die Sparte brachte dem Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen operativen Verlust von 128 Millionen Euro ein. Grund war vor allem ein U-Boot-Projekt im Auftrag der Türkei, bei dem die Kosten aus dem Ruder gelaufen waren. Im neuen Geschäftsjahr will Thyssenkrupp aber das Ergebnis in Richtung einer schwarzen Null verbessern.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ

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