Wirtschaft

Provision ade? Tinder rebelliert gegen Google

Tinder will ab sofort alle Zahlungen innerhalb der App selbst abwickeln.

Tinder will ab sofort alle Zahlungen innerhalb der App selbst abwickeln.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Wenn viel getindert wird, freut sich auch Google. Denn der Internetriese verdient an den In-App-Käufen durch seinen Play Store kräftig mit. Das will Tinder nicht länger hinnehmen und wagt einen riskanten Schritt.

Was für Android-Nutzer bequem ist, ärgert so manchen App-Anbieter: Sind einmal die Kontodaten im Play Store eingegeben, werden alle Käufe in der App über das zentrale Bezahlsystem von Google abgewickelt. Das kostet die App-Entwickler einen erheblichen Anteil ihres Umsatzes. Denn Google behält eine Provision von bis zu 30 Prozent für App-Käufe und auch Zahlungen in der App in seinem Play Store ein. Dagegen lehnt sich nun Tinder, eine der umsatzstärksten Anwendungen, auf und will ab sofort alle Zahlungen innerhalb der App selbst abwickeln, berichtet "Bloomberg".

Nutzer des beliebten Dating-Portals, die etwa "Tinder Gold" abonnieren wollen, sollen ihre Kontodaten künftig direkt in der App speichern. Die Möglichkeit mit dem Google-Konto zu bezahlen, werde gar nicht mehr angeboten. Das verstößt allerdings gegen die Nutzungsbedingungen des Internetriesen. Im schlimmsten Fall könnte die App aus dem Play Store fliegen. Besitzer eines Android-Smartphones könnten Tinder dann nur noch über Umwege nutzen.

Wie Google auf den Verstoß reagieren will, ist bislang unklar. Fest steht, dass der Play-Store-Betreiber dadurch größere Verluste hinnehmen muss. Schließlich spülte Tinder im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 497 Millionen Dollar in die Kassen von Google und Apple.

Die digitalen Vertriebsplattformen von Apple und Google, auf denen sich vor allem Smartphone-Nutzer Apps herunterladen können, gibt es seit 2008. Seitdem haben sich die App Stores für die beide Unternehmen zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Einer Studie zufolge wurden über den Google Play Store und den App Store bereits im ersten Quartal diesen Jahres 130 Millionen Dollar umgesetzt.

Ob Tinder künftig auch Apples App Store umgehen will, ließ die Konzernmutter Match Group gegenüber "Bloomberg" unbeantwortet. Apple verlangt für seinen App Store ähnlich hohe Provisionen. Entwickler haben es jedoch deutlich schwerer, das Bezahlmonopol zu umgehen. Denn im Gegensatz zu Android-Nutzern können iPhone-Besitzer Anwendungen nur aus dem App Store herunterladen.

Der Widerstand wächst

Tinder ist die erste App, die eine eigene Bezahlmethode innerhalb ihrer Anwendung einführt. Allerdings nicht die einzige, die sich gegen die hohen Abgaben wehrt. In den vergangen Monaten ist die Kritik an der Umsatzbeteiligung der App Stores immer stärker geworden. Während kleinere Entwickler auf die Reichweite von Google und Apple angewiesen sind, haben mehrere Branchengrößen bereits die Reißleine gezogen.

So ist es zum Beispiel nicht mehr möglich, ein Netflix-Abo in der iOS-App abzuschließen. Um dies zu tun, müssen Nutzer seit Anfang des Jahres direkt auf die Seite des Streaminganbieters gehen. Der Spielehersteller Epic Games weigert sich, seinen erfolgreichen Online-Shooter Fortnite im Play Store anzubieten. So können Android-Besitzer das Spiel nur noch über Umwege auf ihr mobiles Gerät laden.

Auch Spotify lehnt sich gegen Apples geforderte Provision auf. Sie reichten eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Der Streamingdienst fühlte sich vom Konkurrenten Apple benachteiligt. Durch die Abgaben sorge der Apple-Music-Anbieter dafür, dass das Streaming-Abo von Spotify teurer werde. Die EU-Kommission prüft aktuell noch, ob ein Verstoß gegen das Kartellrecht vorliegt.

Auch wenn mit Tinder der Widerstand gegen Google und Apple wächst, sitzen die Multimilliardenkonzerne bislang am längeren Hebel. Denn Googles Android- und Apples iOS-Betriebssystem dominieren den Smartphone-Markt. Dennoch reagierten die Match-Group-Investoren positiv auf die Ankündigung, einen eigenen Bezahlvorgang einzuführen. Die Aktie des Tinder-Mutterkonzerns stieg um fünf Prozent.

Quelle: n-tv.de

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