Wirtschaft

Prognose kassiert Truck-Sparte verschattet Daimler-Bilanz

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Die Kasse stimmt, doch die Absatz hinkt Zetsches Zielen derzeit hinterher.

(Foto: dpa)

Im vergangenen Quartal verdient Daimler so viel wie noch nie. Doch das Rekordergebnis kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein Problem gibt - vor allem in Nordamerika. Wackeln jetzt auch Jobs in Deutschland?

Eigentlich könnten in Stuttgart die Sektkorken knallen - doch das Nutzfahrzeuggeschäft verdirbt Daimler die Feierlaune. Denn während die Pkw-Sparte Mercedes-Benz von Rekord zu Rekord rast, beschleunigt sich die Talfahrt des Lkw-Absatzes. Und so muss der Dax-Konzern seine Prognosen für das laufende Jahr kassieren: Der Umsatz werde nur noch das Vorjahresniveau von knapp 150 Milliarden Euro erreichen. Bisher hatte Daimler ein leichtes Plus in Aussicht gestellt.

Im dritten Quartal legte das operative Ergebnis der Marke mit dem Stern im Pkw-Geschäft um ein Viertel zu. Doch in der Trucks-Sparte brach das Vorsteuerergebnis um 41 Prozent ein. Der Umsatz sank um ein Fünftel. Die Gewinnprognose von einem "leichten" Anstieg um 2,5 bis 10 Prozent ließen die Schwaben dennoch unverändert. Trotz Schwankungen an Absatz- und Finanzmärkten könne Daimler seine Ergebnisprognosen erreichen, erklärte Finanzvorstand Bodo Uebber. "Nach neun Monaten ist Daimler nach wie vor nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch sehr dynamisch unterwegs." Analysten trauten dem Dax-Konzern zuletzt allerdings nur noch ein Plus am unteren Rand der Spanne von drei Prozent zu.

Den Anlegern stieß die niedrigere Prognose auf. Das Rekordergebnis im dritten Quartal, das noch die Erwartungen übertroffen hatte, rückte am Markt in den Hintergrund. Bei einem Umsatzplus von vier Prozent steigerte Daimler das bereinigte operative Ergebnis um zehn Prozent auf vier Milliarden Euro.

Wie groß wird der Rotstift?

In der Truck-Sparte braut sich das Unheil schon länger zusammen: Vor allem in Nordamerika und Brasilien verkauft der Weltmarktführer für Schwerlaster weniger Nutzfahrzeuge. Zudem verstärke die politische Unsicherheit den Abwärtstrend in der Türkei, erklärte Daimler. Und die einzige Stütze, Westeuropa, verliert ebenfalls an Fahrt, wie die jüngsten Absatzzahlen des Branchenverbandes Acea zeigten. Im September wurden nur noch drei Prozent mehr schwere Lkw in der EU verkauft nach bisher zweistelligen Zuwachsraten.

Die Aussichten für das kommende Jahr sind nach Einschätzung der Analysten von UBS noch trüber. Sie rechnen mit einem weiteren Gewinnrückgang von Daimler Trucks, das gut ein Fünftel des Konzernumsatzes ausmacht. Auch der Rivale Volvo, im dritten Quartal ebenfalls im Rückwärtsgang, sagte als erster Hersteller einen Marktrückgang voraus - und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks.

Daimler steuerte schon mit dem Abbau von Tausenden Stellen in den USA und Brasilien gegen. Jetzt könnte es an den deutschen Standorten wie Wörth und Gaggenau die Leiharbeitnehmer treffen. Über Schichtmodelle, Arbeitszeitkonten und befristet Beschäftigte habe Daimler Trucks einen Spielraum bei der Beschäftigung von 25 Prozent nach oben oder unten. "Wir müssen uns überlegen, Effizienzmaßnahmen im Truck-Bereich umzusetzen", sagte Uebber. Auch das mittelfristige Renditeziel von acht Prozent - Stand per Ende September 6,8 Prozent - wackelt ihm zufolge.

Der Kostenberg wächst

Zugleich türmen sich die Kosten für Forschung und Entwicklung sowie Sachinvestitionen wegen des Umbruchs in der Autoindustrie auch bei Daimler immer höher auf. Für die auf der Automesse in Paris angekündigte Elektroauto-Offensive mit zehn neuen Modellen in den nächsten zehn Jahren müssten die Investitionen hochgefahren werden, erklärte Uebber. Zugleich arbeitet Daimler schon an der nächsten Generation der Kompaktwagen und der Neuauflage der Luxuslimousine S-Klasse.

Die Kraft, das alles zu stemmen, muss Daimler-Chef Dieter Zetsche aus der steigenden Rendite im Pkw-Geschäft schöpfen. Die bereinigte Marge stieg im abgelaufenen Quartal um einen Prozentpunkt auf 11,4 Prozent. Damit hat Daimler nicht nur beim Absatz, sondern auch bei der Profitabilität gute Aussichten, in diesem Quartal die Rivalen BMW und Audi auf der Überholspur abzuhängen. Mercedes verteidigte dank seiner noch immer jüngeren Modellpalette bis Ende September mit knapp 1,54 Millionen Auslieferungen Platz eins unter den Premiumherstellern. BMW verkaufte rund 1,48 Millionen, Audi fast 1,41 Millionen Fahrzeuge.

Der Daimler-Aktie wird das aber nach Einschätzung der Analysten von Evercore ISI nicht auf die Sprünge helfen. Mercedes habe eine außerordentliche Wende geschafft. "Aber das ist nun wohlverstanden und lässt wenig Spielraum für positive Überraschungen oder unentdecktes Gewinnmomentum."

Quelle: ntv.de, mbo/jwu/rts