Wirtschaft

Erst Garantien, dann MilliardenTrump hat seine Rechnung ohne die US-Ölmultis gemacht

08.01.2026, 16:44 Uhr IMG_4708Von Juliane Kipper
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Das Interesse am venezolanischen Ölmarkt hält sich auch angesichts der weltweiten Überproduktion und dem relativ niedrigen Ölpreis von rund 60 US-Dollar pro Barrel derzeit in Grenzen. (Foto: picture-alliance / dpa)

Trump will venezolanisches Öl rasch auf den US-Markt bringen - doch Chevron, Exxon & Co. fordern zuerst rechtliche und finanzielle Garantien, bevor sie Milliarden in die marode Infrastruktur pumpen. Der US-Präsident kann die Forderungen der Ölmultis nur schwer ignorieren.

US-Präsident Donald Trump stellt es sich ganz einfach vor. Amerikanische Ölkonzerne sollen nach der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro Milliarden in die marode Öl-Infrastruktur des Landes investieren und fette Gewinne erzielen. Doch noch bevor sich Trump am morgigen Freitag mit den drei größten US-Ölkonzernen Chevron, ConocoPhillips und Exxon Mobil im Weißen Haus trifft, zeichnet sich ab: Die US-amerikanischen Ölmultis fordern von der Regierung in Washington erst einmal ernsthafte Garantien für umfangreiche Investitionen in Venezuela. Die Manager dringen auf starke rechtliche und finanzielle Absicherungen, bevor sie Kapital zusagen, wie die "Financial Times" berichtet.

Besonders eine Vorgeschichte prägt laut dem Öl-Analysten Nils Müller von der Hamburger Commercial Bank (HCOB) die aktuelle Skepsis gegenüber einem neuen Engagement in Venezuela. Die Verstaatlichung zahlreicher ausländischer Ölprojekte ab 2007 hat gerade für ExxonMobil und ConocoPhillips milliardenschwere Verluste bedeutet. Beide Unternehmen führen bis heute internationale Schiedsverfahren und fordern Milliardenbeträge für die damalige Enteignung.

"An erster Stelle steht für die Ölkonzerne rechtliche Klarheit", sagt Müller ntv.de. Chevron und Co. würden demnach vermutlich verbindliche Zusagen erwarten, dass US-Sanktionen aufgehoben oder langfristige Sondergenehmigungen erteilt werden. Ebenso wichtig dürften der Schutz vor erneuten Enteignungen sein sowie die Möglichkeit, bestehende Forderungen aus früheren Enteignungen durchzusetzen. "Ohne diese Garantien bleibt das Risiko, Milliardeninvestitionen zu verlieren, sehr hoch", so Müller.

Zu den gewünschten finanziellen Absicherungen könnten laut dem Rohstoff-Experten "Garantien für Entschädigungen bei politischen Risiken und gegebenenfalls Abnahmeverträge gehören, die Absatz und Preisstabilität gewährleisten" gehören. Solche Mechanismen seien in Märkten mit hoher Unsicherheit durchaus üblich, um Investitionen kalkulierbar zu machen. Unabhängig davon könnten die Unternehmen laut Müller wahrscheinlich auch Schutz für ihre Mitarbeiter und Anlagen angesichts der anhaltenden Sicherheitsprobleme, schwacher Infrastruktur und politischer Unsicherheit im Land fordern.

Neue Marktteilnehmer zögern allerdings nicht nur wegen fehlender Beziehungen, Personal und logistischer Kapazitäten, Milliarden in die marode Infrastruktur zu investieren. Laut Analysten dürfte es Jahre dauern, um die Produktion wieder deutlich zu steigern. Hinzu kommt: Das Interesse am venezolanischen Ölmarkt hält sich auch angesichts der weltweiten Überproduktion und dem relativ niedrigen Ölpreis von rund 60 US-Dollar pro Barrel derzeit in Grenzen. Analysten zufolge liegt die Gewinnschwelle bei durchschnittlich 80 US-Dollar.

Auch wenn zunächst niedrige Preise ein Faktor sein könnten, die potenzielle Investoren abschrecken, weil geringe Margen die Rentabilität großer Projekte infrage stellen, gibt Energiestratege Thomas O'Donnell zu bedenken: Seit einiger Zeit testen Ingenieure verschiedene Verfahren, um die Förderkosten deutlich auf etwa 20 Dollar pro Barrel zu senken. "Diese Tests zeigen, dass das Potenzial besteht, auch bei niedrigen Preisen profitabel zu produzieren, wenn die richtigen Methoden und Investitionen eingesetzt werden", sagt O'Donnell auf Anfrage von ntv.de. Der Experte denkt nicht, dass es langfristig ein grundlegendes Problem sein wird, in Venezuela Geld zu verdienen. "Vorausgesetzt, die Förderung wird technisch effizient umgesetzt und die nötigen Investitionen fließen in die richtigen Projekte."

Einem "Bloomberg"-Bericht zufolge erwägt bereits das Unternehmen Citgo Petroleum Corp., eine indirekt im Besitz des venezolanischen Staates befindliche US-Firma, die Wiederaufnahme ihrer Käufe zum ersten Mal seit der Unterbrechung ihrer Lieferungen durch US-Sanktionen im Jahr 2019. Der Handelsriese Trafigura Group und andere wollen laut "Bloomberg" zumindest Gespräche mit der US-Regierung darüber führen, wie sie wieder Rohöl aus Venezuela kaufen und das Land mit Kraftstoff versorgen können, sagte der globale Leiter der Ölsparte des Unternehmens.

Regierungsvertreter stehen derweil laut Informationen der Nachrichtenagentur Dow Jones bereits in Kontakt mit Führungskräften der Ölindustrie und drängen sie, Ideen zu entwickeln, wie sich am besten Geld mit dem Öl Venezuelas verdienen ließe. Erwogen werde unter anderem, venezolanisches Öl an eine Reihe von Händlern und internationalen Energieunternehmen zu verkaufen.

Die Macht der US-amerikanischen Ölmultis in den Gesprächen mit Trump ist laut Öl-Analyst Müller erheblich. Ohne ihre Investitionen lasse sich dessen Wunsch, Venezuelas Ölproduktion schnell hochzufahren, kaum umsetzen. Sollten die Unternehmen ihre Investitionen verzögern oder zurückhalten, würde das den Zeitplan für eine Produktionssteigerung deutlich bremsen. "Die Trump-Administration kann die Forderung nach Garantien deswegen schwer ignorieren", sagt Müller.

Der US-Konzern Chevron, der bis dato mit einer Sondergenehmigung Öl in Venezuela fördert, musste zuletzt wegen Sanktionen seine Exporte in die USA auf rund 100.000 Barrel pro Tag drosseln – zuvor waren es noch 250.000 Barrel. Insidern zufolge verhandelt das Unternehmen bereits mit Washington über eine deutliche Ausweitung seiner Geschäftstätigkeit in Venezuela. Ziel sei es, die Lizenz so zu erweitern, dass Chevron wieder mehr Rohöl aus dem südamerikanischen Land exportieren könne, sagten vier mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Exporte sollen sowohl an eigene Raffinerien gehen als auch an andere Käufer verkauft werden dürfen. Eine erweiterte Lizenz würde es Chevron ermöglichen, zu früheren Exportmengen zurückzukehren.

Die Verhandlungen fügen sich in umfassendere Gespräche zwischen den USA und Venezuela ein. Dabei geht es um die Lieferung von bis zu 50 Millionen Barrel venezolanischen Öls in die USA. Laut US-Energieminister Chris Wright wollen die USA den Verkauf venezolanischen Öls "auf unbestimmte Zeit" in ihre Hand nehmen. Um den Kauf von zuvor sanktioniertem Öl zu ermöglichen, plant die US-Regierung, die Sanktionen gegen Venezuela in den kommenden Tagen selektiv zurückzunehmen.

Quelle: ntv.de

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