Wirtschaft

"Massive Eskalation"Trumps Iran-Zölle gefährden fragilen Handelsfrieden mit China

13.01.2026, 14:11 Uhr
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Trump, der ein erklärter Fan von Zöllen ist, kann dem Iran nicht mit direkten Strafgebühren drohen, da die USA selbst kaum Handel mit Teheran betreiben. (Foto: Alex Brandon/AP/dpa)

Die USA drohen dem Iran mit Zöllen. Die Ankündigung von Präsident Donald Trump hat das Potenzial, den Handelskonflikt zwischen den zwei weltgrößten Volkswirtschaften wieder zu entfachen.

Sollte US-Präsident Donald Trump die Ankündigung wahrmachen und einen Zoll von 25 Prozent für jedes Land erheben, das Geschäfte mit dem Iran tätigt, dürfte besonders ein Land schwer treffen: China. Gleichzeitig gefährdet der Schritt den fragilen Handelsfrieden, auf den sich US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping nach einem Treffen in Südkorea im vergangenen Oktober geeinigt hatten. Der vorläufige Deal sieht eine Rücknahme der Strafzölle der USA gegen China vor, während Peking seine umfassenden Exportkontrollen für Seltene Erden aussetzte.

Wenn Trump es mit dem Extra-Satz von 25 Prozent ernst meint, "ist das eine massive Eskalation gegenüber den derzeitigen Zollsätzen", zitiert der US-Sender CNBC Deborah Elms, Leiterin der Abteilung Handelspolitik bei der Hinrich Foundation. Sie warnt, dass die Situation leicht zu einer neuen Runde von Vergeltungsmaßnahmen führen könnte. Gleichzeitig würden damit alle Hoffnungen auf die für US-Farmer wichtigen Sojabohnenexporte nach China zunichtegemacht. "Als wir dieses Spiel das letzte Mal gespielt haben, endete es mit einem Zollsatz von 145 Prozent."

Die Volksrepublik ist der größte Handelspartner des Iran. Die iranischen Exporte nach China beliefen sich 2022 auf 22 Milliarden Dollar, die Importe aus China auf 15 Milliarden Dollar. Im Jahr 2025 kaufte China Daten der Analysefirma Kpler zufolge mehr als 80 Prozent des verschifften iranischen Öls - und finanziert damit maßgeblich das von Sanktionen belegte System. Darüber hinaus hat China erhebliche Investitionen im Iran getätigt, wobei chinesische Unternehmen Bau- und Infrastrukturprojekte finanzieren. Zum Vergleich: Die deutschen Exporte in den Iran sanken von Januar bis November 2025 um 25 Prozent auf 871 Millionen Euro.

Peking werde seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Iran trotz Trumps Zollandrohung nicht einschränken, sagte derweil Cui Shoujun, Professor für Internationale Studien an der Renmin-Universität China. "Die Lage im Iran ist zweifellos in eine sehr gefährliche Phase getreten. Wir sollten alle genauer hinschauen", zitiert "CNBC" Cui. Er führte Trumps Interesse am Iran auf die Öl- und Gasresourcen zurück, da der Strombedarf der USA aufgrund der Nutzung künstlicher Intelligenz stark ansteigt.

Trumps knappe Ankündigung lässt bislang noch viele Fragen offen. So ist nicht klar, was genau seine Formulierung zu Ländern, die "Geschäfte mit dem Iran machen", umfasst. Trump sprach zwar von einer "endgültigen Anordnung", die ab sofort gelte. Vom Weißen Haus wurde zunächst aber kein solcher Erlass des Präsidenten veröffentlicht. Trump, der ein erklärter Fan von US-Zöllen ist, kann dem Iran nicht mit direkten Strafgebühren drohen, da die USA selbst kaum Handel mit Teheran betreiben. Deswegen scheint Trump nun auf Zölle zu setzen, die andere Länder von Geschäften mit der Islamischen Republik abhalten sollen. Der US-Präsident hatte am Montag seine Plattform Truth Social genutzt und die Zölle in einem Post mit den Worten: "Mit sofortiger Wirkung wird jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran tätigt, einen Zollsatz von 25 Prozent auf alle Geschäfte mit den Vereinigten Staaten von Amerika zahlen", angekündigt.

Bislang für April ein Treffen zwischen Trump und Xi in Peking geplant. Später soll auch Xi zu Besuch nach Washington kommen. Die China-Direktorin bei der Eurasia Group gibt allerdings angesichts der neuesten Entwicklungen zu bedenken: "Trump untergräbt das schwache Vertrauen, das sich um den Handelsfrieden aufgebaut hat", zitiert "CNBC" Dang Wang. Der US-Präsident werde von der chinesischen Öffentlichkeit und Regierung bereits weithin als inkonsequent angesehen. Die USA und China haben in der Vergangenheit vor wichtigen diplomatischen Treffen immer wieder Druck ausgeübt, um sich Vorteile zu verschaffen. "Bis zum Treffen im April wird es wahrscheinlich mehrere Runden ähnlicher Vergeltungsmaßnahmen geben", prophezeit Wang. Sie hält es für möglich, China könne mit Sanktionen gegen US-Firmen reagieren, die mit Waffenverkäufen an Taiwan in Verbindung stehen, oder mit kartellrechtlichen Untersuchungen gegen amerikanische Technologieunternehmen, die in China tätig sind.

Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben inzwischen eine landesweite Dimension angenommen. Trump hatte den Demonstranten öffentlich den Rücken gestärkt und die iranische Regierung vor einer brutalen Niederschlagung der Proteste gewarnt.

Quelle: ntv.de, jki

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