Wirtschaft

Finanzierung von Emirates & Co. US-Airlines ließen Golf-Rivalen durchleuchten

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Die Golf-Fluglinien bestehen darauf, alle Wettbewerbsregeln einzuhalten. Finanzberichte veröffentlichen Qatar Airways und Etihad aber nicht.

(Foto: dpa)

Die staatlichen Fluglinien der Golfstaaten hängen bei ihrer Expansion die Konkurrenz weltweit ab. Wie machen die das? Mit massiver, versteckter Staatshilfe, glauben mehrere US-Airlines und setzen Finanzermittler auf die Araber an.

Als Emirates Airlines, Etihad Airways und Qatar Airways vor zwei Jahren massiv in den USA expandierten, stellte der US-Rivale Delta Air Lines Finanzermittler ein, um mehr über die Finanzierung der Golf-Gesellschaften herauszufinden. Alle drei befinden sich im Staatsbesitz; Etihad und Qatar veröffentlichen außerdem keine Finanzberichte.

Später schlossen sich außerdem die American Airlines Group und United Continental Holdings den Ermittlungen an. Gemeinsam reichten die drei US-Gesellschaften im Januar eine Wettbewerbsbeschwerde bei der US-Regierung ein. Angeblich zeigen Dokumente, dass das Golf-Trio seit 2004 42 Milliarden Dollar an Subventionen und anderen unfairen Hilfen erhalten habe. Etihad habe 17 Milliarden Dollar erhalten, Qatar 16 Milliarden. Die Golf-Airlines geben vor, keine staatlichen Subventionen zu erhalten.

Etihad ist Großaktionär bei der verlustreichen Fluggesellschaft Air Berlin und hat bereits hunderte Millionen Euro in die Sanierung der deutschen Hauptstadtfluglinie investiert. Auch Air France und die Deutsche Lufthansa fordern von ihren Regierungen und der EU einen strengeren Umgang mit den Golf-Airlines.

Die Ermittler, die die Fluggesellschaft nicht namentlich nennen wollten, suchten in fast 30 Staaten nach Hinweisen. Ihr Dossier besteht vor allem aus Dokumenten aus Großbritannien, Singapur, Australien, Indien, Belgien und Irland, sagt Jill Zuckman, Sprecherin der Koalition der drei US-Airlines, die sich "Partnership for Open & Fair Skies" nennen. Außerdem nutzten sie Anleiheprospekte der Golf-Airlines und ihrer Regierungen.

Regelmäßige Milliardenverluste

Insgesamt bleibe das Bild jedoch unklar, sagt Zuckman, da die Regierungen, Airlines, Flughäfen und Luftfahrtdienstleister in der Golfregion oft eng zusammenarbeiteten. Die US-Koalition, will ihre gesamten Dokumente am Dienstag veröffentlichen, wodurch die Golf-Airlines erstmals die Gelegenheit haben werden, darauf zu reagieren.

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Die Herrscher von Dubai und ihre Airline. Subventionierten die Al Maktoums Emirates?

(Foto: Reuters)

Die US-Airlines berichten, dass sie 44 Dokumente mit insgesamt 1021 Seiten zusammengetragen hätten. Das Wall Street Journal hat viele davon eingesehen. KPMG etwa segnete die Bilanz von Etihad aus dem Jahr 2013 ab, obwohl das Unternehmen zum Dezember jenen Jahres 3,76 Milliarden Dollar Verlust angehäuft hatte. KPMG hat nach eigenen Aussagen die Bilanz für 2013 darauf basierend vorbereitet, dass die Regierung von Abu Dhabi 2014 weitere 3,5 Milliarden Dollar zuschießen werde.

Die US-Gesellschaften, die sich auf Etihad-Bilanzen von mindestens neun Jahren beziehen, sagen, dass solche Finanzierungsrunden Teil der 17 Milliarden Dollar an staatlichen Subventionen seien, die Etihad seit 2004 erhalten habe.

Etihad entgegnet, dass das Unternehmen Kapitalinvestitionen und Kredite von der Regierung erhalten habe. Zu bestimmten Vorwürfen könne das Unternehmen jedoch nicht Stellung nehmen, da es noch nicht die komplette Dokumentation der US-Airlines gesehen habe.

Zinsfreie Staatskredite

In der Bilanz von Qatar Airways aus dem Jahr 2009 stellte der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young fest, dass die Verluste des laufenden und des vorherigen Jahres 50 Prozent des Gesellschaftskapitals überschritten hätten. Im selben Jahr wurde eine Sondersitzung einberufen, bei der unter anderem die Option durchgespielt wurde, das Unternehmen aufzulösen. Die Aktionäre entschieden sich stattdessen, die Verbindlichkeiten von Qatar Airways zu tragen.

Im selben Bericht schrieben die Wirtschaftsprüfer, dass die Staatskredite zinsfrei waren, dass keine bestimmten Rückzahlungsbedingungen festgelegt waren und dass sie in Aktien umgewandelt werden konnten, da eine Rückzahlung nicht absehbar war.

Emirates hat seine Bilanzen der vergangenen 13 Jahre veröffentlicht und stellt nach und nach auch ältere Bilanzen zur Verfügung. Doch die US-Fluggesellschaften behaupten, sie hätten auch Beweise dafür entdeckt, dass die Airline seit 2004 mindestens fünf Milliarden Dollar an Subventionen erhalten habe.

Schutz des US-Markts gefordert

Emirates, Etihad und Qatar Airways beteuern, dass sie sich an die vorgeschriebenen "International Financial Reporting Standards" halten. Alle drei Unternehmen sagen außerdem, dass sie sich ihre wachsende Kundenzahl mit einem besseren Service und verschiedenen neuen Zielen erarbeitet haben. KPMG, PricewaterhouseCoopers und Ernst & Young wollten sich zu ihren Kunden nicht äußern.

Die US-Fluggesellschaften wollen, dass die amerikanische Regierung ihre existierenden Luftfahrtverträge mit Katar und den Vereinten Arabischen Emiraten überarbeitet, um den angeblichen Staatssubventionen Rechnung zu tragen. Außerdem wollen die US-Firmen, dass die Regierung neue Verbindungen für Golf-Airlines in die USA vorerst einfriert - rückwirkend ab Januar.

Die Golf-Airlines und ihre Abkommen für einen offenen Luftraum werden dagegen meist von amerikanischen Luftfracht-Gesellschaften, Discount-Airlines wie JetBlue Airways und amerikanischen Flughafenbetreiber- und Tourismusverbänden unterstützt.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ

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