Wirtschaft

Mehr als 40 Milliarden Dollar US-Banken knapp unter Rekordprofit

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So sehen Boomphasen aus: Die US-Bankenbranche verdient derzeit so gut wie selten zuvor.

(Foto: REUTERS)

Die Gewinne sind gewaltig - und der Markt scheint das noch nicht erkannt zu haben: In der US-Bankenbranche sprudeln die Gewinne als hätte es die große Krise nie gegeben: Analysten beziffern den Quartalsertrag auf umgerechnet rund 30 Milliarden Euro.

In der US-Bankenbranche sprudeln die Gewinne. Im zweiten Quartal nahmen die Kreditinstitute unter dem Strich 40,24 Milliarden Dollar ein, wie das New Yorker Analysehaus SNL Financial bekannt gab. Umgerechnet entspricht das einem Reingewinn von rund 30,16 Milliarden Euro. Ein Großteil des Geldes dürfte früher oder später an die Aktionäre ausgeschüttet werden - sofern nicht weitere Rücklagen oder größere Investitionen erforderlich werden.

Mit diesem rein rechnerischen Gesamtergebnis über alle maßgeblichen Institute hinweg kommt die Branche in die Nähe einer historischen Rekordmarke. Den am Vorabend veröffentlichten Zahlen zufolge liegen die US-Kreditinstitute mit ihren Profiten nur knapp unter dem 23-Jahreshoch von 40,36 Milliarden Dollar aus dem Auftaktquartal 2013.

Die jüngste Profitflut rangiert damit gerade einmal um 120 Millionen Dollar unter dem bisherigen Rekordwert. Der Gewinnschub kommt umso überraschender, als dass Bankmanager seit längerem darüber klagen, wie ihnen steigende Regulierungskosten die Luft abschnüren.

8 Billionen für neue Kredite

Die Banken mussten weniger Mittel zurückstellen, um sich für faule Kredite zu wappnen. Das gab den Profiten einen zusätzlichen Schub. Zugleich erhöhte sich die Gesamtkreditvergabe im gerade abgelaufenen Quartal so stark wie seit Ausbruch der Finanzkrise nicht mehr. Erstmals seit SNL die Daten im Jahr 1991 erhob, kletterte diese Summe auf mehr als 8 Billionen Dollar.

Die Kreditvergabe an Unternehmen legte im zweiten Quartal um mehr als 12 Prozent zu. Bei den Verbraucherkrediten waren es immer noch 6 Prozent im Vergleich zu einem Plus von 3 Prozent im Vorjahr. Hier gewannen insbesondere Studenten- und Autokaufkredite an Boden.

Freigiebig Geld verleihen

Als die Finanzkrise noch tobte, beschwerten sich einige Abgeordnete, Aufseher und Verbraucher, dass die Geldhäuser den Kredithahn weitgehend zudrehten. Laufende Verbesserungen in der Kreditqualität und der Zahlungsmoral der Schuldner kippten den Trend. Heute verleihen die Banken nicht nur wieder mehr, sondern haben auch ihre Kreditauflagen gelockert.

Die Erholung der US-Konjunktur kommt den Banken zugute, erklärten die Analysten. Die Kreditinstitute können mehr Geld verleihen und ihre Rücklagen für faule Kredite abbauen. Die Rückstellungen gingen im Quartalsvergleich branchenweit um mehr als 1 Milliarde auf knapp 6,6 Milliarden Dollar zurück.

Große Banken lösen einen Teil dieser Reserven derzeit sogar komplett auf, was die Gewinne weiter beflügelt. Die vier größten US-Geldhäuser - JP Morgan, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo - verminderten ihre Reserven um 2,25 Milliarden Dollar, was rund ein Fünftel mehr ist als im ersten Quartal. In der öffentlichen Wahrnehmung des Marktes erkennen die SNL-Experten allerdings ein Missverhältnis zwischen tatsächlichem Erfolg und der Einschätzung durch Anleger.

Gute Gründe zur Vorsicht

Börsianer bleiben den Branchenbeobachtern zufolge auffallend zurückhaltend bei Investitionen in Bankaktien. Grund seien hohe Strafen und Regulierungsdruck durch die US-Behörden bei der Aufarbeitung der Skandale, die zur Finanzkrise führten. So soll beispielsweise der Bank of America wegen dubioser Hypotheken-Deals eine Rekordstrafe von bis zu 17 Milliarden Dollar drohen.

Im Lauf der Krise mussten mehrere große Häuser mit öffentlichen Geldern aus dem Steuertopf vor dem unmittelbaren Zusammenbruch gerettet werden. Die Banken gelten zudem als Hauptadressat und dadurch auch als größter Nutznießer der überaus energischen Krisenpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

EK-Rendite unter 10 Prozent

Die auffällige Zurückhaltung der Aktionäre im Bankensektor hat Experten zufolge gute Gründe. Branchenbeobachter hegen wegen einer Reihe von Problemen Bedenken. Einer dieser Punkte ist zum Beispiel die maue Eigenkapitalrendite, die ausdrückt, wie viel Geld eine Bank bezogen auf das Kapital der Anleger erwirtschaftet.

Analyst Gerard Cassidy von RBC Capital merkte kritisch an: Von den 20 größten Banken, die er beobachte, habe die Median-Eigenkapitalrendite bei 9,3 Prozent gelegen. Das sei im Vergleich zum Vorquartal zwar fast ein Prozentpunkt mehr. Bei dieser Kennzahl sei ein Wert von weniger als 10 Prozent jedoch "eine der größten Hürden auf dem Weg zu höheren Aktienbewertungen".

Daneben zählen weitere Gegendwindfaktoren auf: höhere Regulierungskosten, maue Zinsen, ein Abschwung bei Hypothekenkrediten und weniger Einnahmen im Wertpapierhandel. Diese Themen lasten auch auf anderen Kennzahlen der Bankenbranche. Der KBW-Bank-Branchenindex bröckelte dieses Jahr bisher um 0,9 Prozent ab, während der Leitindex S&P 500 um fast 5 Prozent zulegte.

Schwächer als der Gesamtmarkt

Insgesamt jedoch spiegelt das aufgehellte Bild in der Bankenbranche das Comeback der US-Wirtschaft fünf Jahre nach dem offiziellen Ende der Rezession wider. Die Vereinigten Staaten waren Ende 2007 in die Rezession gestürzt. Im Herbst 2008 war dann die US-Großbank Lehman Brothers zusammengebrochen, was weltweit Schockwellen durch das Finanzsystem jagte.

Die große Angst von damals scheint zu verblassen: Vertreter des Weißen Hauses jubelten jüngst, der US-Arbeitsmarkt habe sich bereits auf rund 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erholt. "Jeder freut sich über die besseren Bankgewinne, die mit dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung einhergehen", zeigte sich auch John Kanas, Chef der BankUnited aus Florida, optimistisch.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/DJ

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