Wirtschaft

KI-Aktien im FokusCisco streicht Stellen, Chip-Neuling Cerebras trumpft auf

14.05.2026, 22:01 Uhr
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Hunderttausende Rechenkerne auf einem einzigen Prozessor, damit macht Cerebras Anlegern den Mund wässrig. (Foto: REUTERS)

Eine angehobene Jahresprognose und Stellenstreichungen, das Gerücht einer Genehmigung und eine innovative Chip-Architektur. Das alles sorgt an den US-Börsen für Kursgewinne. Letztere sogar für den größten Börsengang des Jahres.

Steigende Tech-Aktien und die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Friedensbemühungen im Nahen Osten stützen die US-Börsen. Die beiden großen US-Indizes notierten jeweils gut ein halbes Prozent höher: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte kletterte auf 50.017 Punkte, der breiter gefasste S&P 500 auf 7487 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann etwa genauso viel auf 26.558 Zähler.

Für Aufsehen sorgte vor allem Cisco mit einem Kurssprung von 13,5 Prozent. Der Netzwerkausrüster hob seine Jahresprognose für Aufträge im Bereich KI-Infrastruktur an und will rund 4000 Stellen streichen. Auch die Nvidia-Titel waren gefragt. Sie legten um gut vier Prozent zu. Die USA sollen rund zehn chinesischen Firmen den Kauf von Nvidias zweitstärkstem KI-Chip H200 genehmigt haben. Das berichteten Insider.

"Nvidia profitiert eindeutig - sowohl von der China-Ankündigung als auch vom allgemeinen Trend zur Künstlichen Intelligenz", sagte Chris Zaccarelli, Chefanleger beim Vermögensverwalter Northlight. "Dieser Trend hat Substanz - wir glauben jedoch, dass die Anleger die künftige Entwicklung möglicherweise etwas zu stark einpreisen."

Größter Börsengang des Jahres

Auch das fulminante Börsendebüt des Chipentwicklers Cerebras sorgte für Gesprächsstoff. Die Aktien des kalifornischen Unternehmens notierten zur Eröffnung bei 350 Dollar und damit 89 Prozent über dem Ausgabepreis. Der Kurssprung beim bisher größten Börsengang des Jahres beschert dem Unternehmen einen Marktwert von 106,75 Milliarden Dollar.

Cerebras fordert mit seiner "Wafer-Scale-Engine" die herkömmliche Architektur für KI-Anwendungen heraus. Dabei handelt es sich um Chips von der Größe eines Speisetellers, die die Verarbeitung beschleunigen sollen. Herkömmliche Systeme basieren auf Grafikkarten (GPU) und sind auf Gruppen von miteinander verbundenen Chips angewiesen. Cerebras integriert dagegen Hunderttausende von Rechenkernen auf einem einzigen Prozessor.

Investoren spekulierten zudem, US-Präsident Donald Trump könnte den chinesischen Staatschef Xi Jinping auf ihrem zweitägigen Gipfeltreffen dazu ermutigen, den Iran zu einem Friedensabkommen mit den USA zu bewegen. "Jedes Zeichen einer Annäherung zwischen den Großmächten wird derzeit als positives Signal für die Weltwirtschaft interpretiert", sagte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.

"Wo hohe Erwartungen vorherrschen, gibt es allerdings auch immer ein hohes Enttäuschungspotenzial", warnte Thomas Altmann von QC Partners. Die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran sind ins Stocken geraten. Der Iran hatte einen US-Vorschlag zur Beilegung des Krieges zuletzt abgelehnt. Die Regierung in Teheran dringt unter anderem auf ein Ende der Kämpfe an allen Fronten.

Am Devisenmarkt nehmen die Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed daher zu. Der Dollar-Index rückte um 0,3 Prozent auf 98,790 Punkte vor. Die US-Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent zum Vorjahresmonat. Damit erreichten sie das höchste Niveau seit drei Jahren. Laut CME FedWatch-Tool preisen die Märkte nun eine Wahrscheinlichkeit von 31,8 Prozent ein, dass die Fed die Zinsen im Dezember anhebt. Die Währungshüter versuchen, die Inflation mit straffer Geldpolitik auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.

Auch die jüngsten US-Konjunkturdaten sorgten für Zurückhaltung. Die Einnahmen der US-Einzelhändler stiegen im April um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Von Reuters befragte Experten hatten genau damit gerechnet. Zugleich dürfte die höhere Inflation einen Teil des Anstiegs erklären. "Die Konsumausgaben sind zwar nicht auf Rezessionskurs, aber sie treiben die Wirtschaft auch nicht an", so David Russell, Chefstratege bei TradeStation. 

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Quelle: ntv.de

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