Trotz Trumps Konflikt mit FedUS-Börsen schließen auf Rekordständen

US-Präsident Trump erhöht den Druck auf den Fed-Chef, an der Wall Street sorgt das aber nur kurz für Irritationen. Als die Schlussglocke ertönt, stehen die US-Börsen im Plus. Die Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank haben aber Auswirkungen auf den Preis von Gold und Silber.
Nach einem unruhigen Handelsstart hat die Wall Street am Montag mit Rekorden geschlossen. Im Fokus der Anleger stand eine Eskalation im Streit der US-Regierung mit der Notenbank Fed. "Die Marktteilnehmer sind an ein ständiges Hin und Her bei angekündigten Maßnahmen und möglichen Politikänderungen gewöhnt", konstatierte Jordan Rizzuto, Chefanleger bei Gammaroad Capital Partners. "Erst wenn es konkrete Schritte gibt, wird der Markt darauf auch spürbar reagieren." Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,2 Prozent auf 49.590 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,3 Prozent auf 23.734 Zähler vor und der breit gefasste S&P 500 legte 0,2 Prozent auf 6977 Stellen zu. Für ihn wie für den Dow waren dies Rekordstände.
Das US-Justizministerium droht Fed-Chef Jerome Powell mit einer Anklage. Anlass sind dessen Aussagen vor dem Kongress zu den auf rund 2,5 Milliarden Dollar gestiegenen Renovierungskosten am Hauptsitz der mächtigsten Zentralbank der Welt in Washington. Powell sieht darin einen Vorwand, um Einfluss auf die Zinspolitik zu nehmen. Kritiker sehen den Schritt als den jüngsten Angriff von US-Präsident Donald Trump auf Powell und die Fed, von der er drastische Zinssenkungen fordert. Trumps Sprecherin zufolge gingen die Ermittlungen nicht von dem Präsidenten aus.
Eine Aushöhlung der Unabhängigkeit der Zentralbank könne die Attraktivität von US-Vermögenswerten für globale Investoren verringern. Damit könnte sich auch Gold weiter verteuern. Am Montag übersprang der Preis für das gelbe Metall zeitweise die Schwelle von 4600 Dollar je Feinunze, um später 1,9 Prozent höher bei 4596 Dollar zu liegen. Auch Silber war mit mehr als 86 Dollar je Feinunze zeitweise so teuer wie noch nie. Später betrug das Plus mehr als sechs Prozent bei 85,06 Dollar.
An den Devisenmärkten geriet der Dollar unter Druck. Der Dollar-Index fiel um 0,3 Prozent auf 98,894 Punkte. Die Reaktionsfunktion der Zentralbank dürfte sich grundlegend und langfristig verändern, wenn es dem Weißen Haus gelänge, die Kontrolle über die Geldpolitik zu erlangen, sagte Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Der Chefökonom von Goldman Sachs, Jan Hatzius, sagte unterdessen, dass die Drohung mit einer strafrechtlichen Anklage die Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank zwar verstärken würde. Er gehe aber davon aus, dass die Fed weiterhin datenbasierte Entscheidungen treffen werde.
Einzelhändler haben's schwer
Bei den Einzelwerten setzte ein trüber Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft die Aktien der Einzelhändler unter Druck. Die Titel von Abercrombie & Fitch brachen nach einer Prognosesenkung 17,7 Prozent ein. Die US-notierten Papiere des deutschen Sandalenherstellers Birkenstock gaben nach einem verhaltenen Umsatzausblick knapp 1,1 Prozent nach. Gegen den Trend legten die Aktien von Lululemon um 2,5 Prozent zu. Der kanadische Sportmode-Anbieter erwartet, dass Umsatz und Gewinn im Schlussquartal 2025 am oberen Ende der bisherigen Prognose liegen werden.
Die Aktien von Walmart stiegen um drei Prozent und gaben damit dem S&P 500 und dem Nasdaq Auftrieb. Hintergrund ist die für den 20. Januar geplante Aufnahme des Einzelhandelsriesen in den Index Nasdaq-100. Der Schritt dürfte Käufe von passiven Indexfonds in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Walmart hatte seine Börsennotierung im vergangenen Monat von der NYSE an die Nasdaq verlegt.