Konsumentenlaune "katastrophal"US-Inflation steigt wegen hoher Kraftstoffpreise überraschend stark

Einst versprach Donald Trump der US-Bevölkerung, keine Kriege zu führen und für niedrigere Verbraucherpreise zu sorgen. Passiert ist das Gegenteil. Weil die Inflation immer weiter steigt, wird eine weitere Zinsanhebung wahrscheinlicher.
Die Inflation zieht in den USA kräftig an und setzt die Republikaner von US-Präsident Donald Trump vor den Zwischenwahlen unter Druck. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent, und damit noch einmal stärker als die 3,4 Prozent im August, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nur einen Wert von 3,6 Prozent veranschlagt. Preistreiber ist vor allem der infolge des Iran-Krieges gestiegene Spritpreis.
"Die global angespannte geopolitische Lage belastet die privaten Haushalte in den USA weiterhin", lautete die Einschätzung von NordLB-Analyst Tobias Basse. Sie bekommen dies laut dem Experten insbesondere an der Zapfsäule zu spüren, wo der Benzinpreis zum Vormonat um 9,1 Prozent geklettert sei. Die bei vielen Verbrauchern ziemlich angespannte Finanzsituation dürfte Einsparungen der Haushalte an anderen Stellen erforderlich machen. Dabei präsentiere sich die Konsumentenstimmung zurzeit "fast schon katastrophal schwach", sagte Basse.
Laut Ökonom Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steuert die vom Ölpreisschock befeuerte US-Inflation in den nächsten Monaten auf eine Rate von über vier Prozent zu. Dies sind denkbar schlechte Vorzeichen für Trumps Republikaner für die Zwischenwahlen am 3. November, bei denen sie um ihre Mehrheit im Kongress bangen müssen. Trump steht bei seinen Wählern im Wort: Er war im Januar 2025 mit dem Versprechen ins Weiße Haus zurückgekehrt, die Inflation in den Griff zu bekommen. Zugleich hat er die unabhängige Notenbank immer wieder vergeblich zu Zinssenkungen aufgefordert.
Diese stemmte sich allerdings im September mit der ersten Zinserhöhung binnen rund drei Jahren gegen den anhaltenden kräftigen Preisauftrieb. Aus der Federal Reserve kommen unterschiedliche Signale mit Blick auf den weiteren Kurs. Die Fed könne vor einem weiteren Schritt noch abwarten, wie sich die Finanzmärkte und die Wirtschaft entwickelten, sagte Fed-Direktorin Michelle Bowman. Die Chefin des Fed-Bezirks Boston, Susan Collins, hatte zuvor erklärt, die US-Notenbank müsse ihrer Ansicht nach die Zinsen noch vor Jahresende erneut anheben, um die hohe Inflation zu drücken.
Weitere Zinsanhebung naht
Die Notenbank achtet auch stark auf die sogenannte Kernrate bei der Inflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Lebensmittel und Energie außen vor bleiben. Diese Kennziffer stieg im September auf 2,6 Prozent, nach 2,4 Prozent im August.
"Auch wenn die Kerninflationsrate etwas stärker zulegt, von klaren Zweitrundeneffekten kann bislang immer noch nicht die Rede sein", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Er bezog sich auf eine von Notenbanken gefürchtete Entwicklung, bei der sich Preise und Löhne gegenseitig aufschaukeln und die Inflation verfestigen.
Die Fed hatte ihren Leitzins im vergangenen Monat um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent gehievt. Mehrere Währungshüter äußerten laut den Protokollen der Sitzung die Ansicht, dass der aktuelle Leitzins nicht oder nur geringfügig restriktiv sei - also die Wirtschaft nicht oder kaum bremse. Die meisten Notenbanker schätzten es so ein, dass eine weitere Zinsanhebung bis Jahresende wahrscheinlich angemessen wäre. Dies entspricht auch dem von der Zentralbank veröffentlichten Zinsausblick der Währungshüter. Fed-Chef Kevin Warsh hatte sich allerdings nicht daran beteiligt. Er will, dass sich die Anleger an den Fundamentaldaten ausrichten und somit ein ungefiltertes Signal erhalten.
