Wirtschaft

Dämpfer im Erholungskurs US-Jobaufbau bremst überraschend ab

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Nur rund 266.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft entstanden im April.

(Foto: REUTERS)

Dank der beschleunigten Impfkampagne macht sich auch am US-Arbeitsmarkt zuletzt Optimismus breit. Doch der Jobaufbau im April enttäuscht auf ganzer Linie. Ökonomen rudern nun zurück: Die große Beschäftigungslücke klafft wohl doch noch eine ganze Weile.

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im April völlig überraschend eingetrübt. So entstanden nur 266.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft und damit weit weniger als erwartet, wie die Regierung in Washington mitteilte. Ökonomen hatten mit 978.000 gerechnet - nach einem Jobaufbau von revidiert 770.000 im März. "Was war denn das? Die meisten Volkswirte hatten schon ihre Bleistifte für das Feiern eines Beschäftigungsanstieges von über einer Million gespitzt, und dann diese Enttäuschung", fragte LBBW-Analyst Dirk Chlench.

Die Finanzmärkte reagierten umgehend auf die unerwartet schlechten Daten. So stieg der Euro zum Dollar, der Goldpreis weitete seine Gewinne aus, und die Renditen zehnjähriger US-Anleihen fielen. Durch das nun wieder verlangsamte Tempo beim Jobaufbau werde es noch länger dauern, "bis die noch große Beschäftigungslücke sich annähernd schließen wird", sagte Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Ulrich Wortberg von der Helaba erklärte, im Vergleich zur Situation vor der Krise fehlten noch immer etwa acht Millionen Jobs.

Mangel an qualifizierten Arbeitskräften?

VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel rechnet aber damit, dass es in den kommenden Monaten "zu einem umso deutlicheren Aufbau von neuen Stellen" kommt. Denn die Schaffung neuer Jobs sei nur aufgeschoben. Dann sei auch ein monatliches Plus von zwei Millionen möglich. US-Firmen hätten derzeit womöglich Probleme, "genügend Arbeitskräfte mit passendem Qualifikationsprofil zu finden", betonte LBBW-Banker Chlench. "Es ist auch kaum zu glauben, dass ausgerechnet bei Kurieren ein Stellenabbau stattgefunden haben soll."

Denn während es in Sektoren wie der Gastronomie, der Freizeitbranche und Erziehung zahlreiche Neueinstellungen gab, gingen Arbeitsplätze bei der Zeitarbeit und bei Kurierdiensten verloren, wie die Behörde für Arbeitsmarktstatistik mitteilte. Insgesamt waren der Statistik zufolge im April rund 9,8 Millionen Menschen in den USA arbeitslos. Die in einer getrennten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote für April betrug 6,1 Prozent nach 6,0 im März. In der Krise gingen in den USA zig Millionen Jobs verloren.

Fed bleibt bei lockerem Kurs

Die US-Notenbank um Fed-Chef Jerome Powell will ihre lockere Geldpolitik fortsetzen, bis spürbare weitere Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war zuletzt auf den tiefsten Stand in der Corona-Krise gesunken.

Die USA befinden sich eigentlich seit Monaten auf einem Erholungskurs von den schweren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Angesichts rascher Fortschritte bei der Impfkampagne und der Lockerung oder Aufhebung der Corona-Beschränkungen machte sich zunehmend Optimismus breit.

Die neuen Zahlen vom Arbeitsmarkt machen allerdings deutlich, dass es auf dem Weg zu einer vollständigen wirtschaftlichen Erholung noch viele Hürden gibt. US-Präsident Joe Biden hatte nach seinem Amtsantritt ein 1,9 Billionen Dollar (1,6 Billionen Euro) schweres Hilfs- und Konjunkturpaket verabschieden lassen, um eine Rückkehr zur Normalität zu beschleunigen.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP/rts

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