Wirtschaft

VW-Jurist belastet Ex-Chef USA erlassen Haftbefehl gegen Winterkorn

imago64631251h.jpg

Eine Auslieferung an die USA hat Winterkorn nicht zu befürchten. Doch auch in Deutschland schreiten die Ermittlungen gegen ihn voran.

(Foto: imago/Sven Simon)

In den USA gilt jetzt ein Haftbefehl für Martin Winterkorn. Aber auch die deutsche Justiz ermittelt gegen den ehemaligen VW-Chef. Einem Bericht zufolge liegt der Staatsanwaltschaft eine Aussage aus dem Konzern selbst vor, die den Manager schwer belastet.

Die amerikanische Justiz hat nach der Anklage gegen Martin Winterkorn Haftbefehl gegen den früheren VW-Chef erlassen. Das bestätigte eine Justizsprecherin der dpa. Die USA wollen den früheren Topmanager des Autobauers wegen Betrugs im Abgasskandal zur Rechenschaft ziehen. Dem 2015 zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden wird außerdem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen, wie aus der Klageschrift hervorgeht, die das zuständige Gericht in Detroit veröffentlicht hatte.

VW Vorzüge
VW Vorzüge 150,10

In Deutschland ermittelt derweil die Staatsanwaltschaft Braunschweig unter anderem wegen Betrugsverdachts weiter gegen Winterkorn. Ein Anwalt des inzwischen 70-Jährigen sagte, man prüfe die Anklage und werde sich "zu gegebener Zeit äußern". Von Winterkorn selbst war keine Stellungnahme zu erhalten.

Einem Bericht des NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hat unterdessen ein Jurist des eigenen Unternehmens den ehemaligen VW-Chef in einer Aussage bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig schwer belastet. Demzufolge gab der Angestellte bei den Ermittlern zu Protokoll, er habe sich mit dem damaligen Konzernchef bereits am 27. Juli 2015 ausführlich über die Betrugssoftware in Dieselmotoren unterhalten.

Bis zu 25 Jahre Gefängnis

Der Jurist, der damals den Rang eines Abteilungsleiters innehatte, gehört wie Winterkorn zu den beschuldigten VW-Mitarbeitern, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Er empfahl seiner Darstellung dem damaligen Konzernchef, dass VW den Betrug gegenüber den US-Behörden selbst offenlegen solle, andernfalls würde diese von selbst dahinter kommen. Experten im Auftrag der Umweltbehörde Carb würden die Abschalteinrichtung finden. Diesen Weg soll das Unternehmen "definitiv" nicht wählen.

Winterkorn hatte bislang betont, vor dem Bekanntwerden der Affäre um weltweit rund elf Millionen Autos mit falschen Abgasdaten in der Öffentlichkeit im September 2015 nichts von illegalem Tun gewusst zu haben. Winterkorn ist der neunte ehemalige oder aktuelle VW-Mitarbeiter, gegen den US-Behörden Strafanzeige stellen.

Justizkreisen zufolge soll sich Winterkorn in Deutschland aufhalten. Deutsche Staatsangehörige würden aber nicht in die USA ausgeliefert, sagte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums in Berlin. Winterkorn drohen in den USA im Extremfall 25 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 275.000 Dollar drohen.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa