Wirtschaft

Streiks noch nicht vom Tisch Ufo stellt Lufthansa Ultimatum

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Noch sieben Tage werden die Lufthansa-Jets abheben, dann drohen Streiks. Die Schlichtung zwischen Konzernleitung und Flugbegleiter-Gewerkschaft wird eine Jumbo-Aufgabe.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Bei der Lufthansa drohen weiter Streiks - allerdings nicht in den kommenden sieben Tagen. So lange währt eine Frist, die die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo nun dem Konzern gesetzt hat.

Nach der geplatzten großen Schlichtung zwischen der Gewerkschaft Ufo und der Lufthansa haben die Flugbegleiter dem Konzern ein siebentägiges Ultimatum gesetzt. Sollte es bis Donnerstag kommender Woche keine Fortschritte geben, würden weitere Streiks verkündet, erklärte die Gewerkschaft. Die Lufthansa zeigte sich gesprächsbereit.

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Ufo-Vertreter kündigten das Ultimatum am Nachmittag an.

(Foto: dpa)

"Wir werden keine Streiks in den nächsten sieben Tagen verkünden oder durchführen", sagte der Ufo-Vize-Vorsitzende Daniel Flohr bei einer Pressekonferenz. Sollten diese sieben Tage jedoch ergebnislos verstreichen, werde die Gewerkschaft am Donnerstag um 10 Uhr verkünden, wo, wie lange und bei welcher Airline gestreikt werde, fügte Nicoley Baublies, Beauftragter des Ufo-Vorstands, hinzu. Fluggäste könnten sich nicht darauf verlassen, dass die Adventszeit arbeitskampffrei verlaufen werde, sagte Baublies. Die Gewerkschaft glaube allerdings "nicht, dass das der richtige Weg ist".

Die Ufo-Vorsitzende Sylvia De la Cruz appellierte zugleich an die Politik, den beiden Parteien in dem festgefahrenen Konflikt zu helfen. "Wir kommen aus dieser Eskalationsspirale zu zweit nicht raus", sagte sie, nachdem die erst in der vergangenen Woche vereinbarte umfassende Schlichtung zwischen Ufo und Lufthansa am Dienstagabend gescheitert war.

Ufo sprach von "Erpressung"

Die Lufthansa hatte dabei als Grund angegeben, dass es seitens der Gewerkschaft "keine Zusagen zur Friedenspflicht" gegeben habe. Ufo sprach hingegen von "Erpressung" durch die Lufthansa, die "ohne weitere Gegenleistung" einen kompletten Streikverzicht auch bei den vier Lufthansa-Töchtern gefordert hatte. Auch auf der Pressekonferenz am Mittwoch warf der Ufo-Vorstand dem Konzern vor, nicht an einer Annäherung interessiert zu sein. Die Gewerkschaft sei auf die Lufthansa einen Schritt zugegangen und habe einen "wirksamen Streikverzicht" angeboten, sagte Flohr.

Am Dienstag hatte Ufo erklärt, auch bei den Töchtern der Lufthansa bis auf Weiteres auf Streiks verzichten zu wollen. Eine "umfassende Friedenspflicht" sei wichtig, um in der Öffentlichkeit, bei den Lufthansa-Passagieren und den Flugbegleitern selbst Planungssicherheit herzustellen und dem Schlichtungsverfahren überhaupt eine realistische Chance zu geben. Während der Friedenspflicht sind Arbeitskampfmaßnahmen untersagt.

Das Misstrauen sitzt tief

Die Lufthansa signalisierte am Mittwoch, auch weiter an einer großen Schlichtung interessiert zu sein. Ein Unternehmenssprecher sagte, der Konzern begrüße die Möglichkeit, nun innerhalb der von Ufo gesetzten Frist "wieder zu Lösungen kommen zu können". "Wir wünschen uns weiter eine große, umfassende Schlichtung im Sinne der Kabine", sagte der Sprecher. Die Lufthansa sei "weiterhin bereit, diesen Weg gemeinsam mit Ufo zu gehen".

Ufo und die Lufthansa hatten sich erst in der vergangenen Woche auf eine Schlichtung im Tarifstreit bei der Kerngesellschaft geeinigt. Die Streitigkeiten zwischen der Gewerkschaft und den Lufthansa-Töchtern Eurowings, Germanwings, SunExpress und CityLine betrifft dieses Abkommen nicht.

Unternehmen und Gewerkschaft waren tief zerstritten, das Misstrauen sitzt tief. Die Lufthansa zweifelte die Vertretungsbefugnis der Gewerkschaft nach Querelen im Ufo-Vorstand an und sah die "Gewerkschaftseigenschaft" ungeklärt. Ufo organisierte Anfang November einen 48-stündigen Streik bei der Kerngesellschaft, auch um die Airline an den Verhandlungstisch zu bringen. Das Unternehmen musste 1500 Flüge streichen, 200.000 Passagiere waren betroffen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vergeblich versucht, den Streik gerichtlich verbieten zu lassen. Am ersten Streiktag bot er dann Gespräche über eine Schlichtung an.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP