Wirtschaft

Doppelgeburtstag bei Eon Uniper geht auf steinigem Weg

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Uniper würde von steigenden Rohstoffpreisen profitieren.

(Foto: dpa)

Nach knapp zwei Jahren Vorbereitung zerlegt sich der bisher größte deutsche Energiekonzern Eon in "alte" und "neue" Energie. Ein mühsamer und teurer Prozess - lohnt sich der Aufwand? Und hat Uniper überhaupt noch eine Zukunft?

Beim Energiekonzern Eon hat eine neue Zeitrechnung begonnen. "Wir freuen uns heute unheimlich über einen doppelten Geburtstag", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Nach rund zwei Jahren Vorbereitung brachte das Unternehmen zu Wochenbeginn sein altes Kerngeschäft mit Großkraftwerken und dem Energiehandel an die Börse. Die Uniper-Aktie feierte zunächst ein ordentliches Debüt. Allerdings liegt der Börsenwert meilenweit vom bisherigen Buchwert im alten Eon-Konzern entfernt. Und die Zukunft des Unternehmens muss man nicht unbedingt so positiv sehen wie Teyssen.

War diese aufwendige und teure Spaltung wirklich notwendig?

Teyssen sagt überzeugt "Ja". Vom Bohrloch in der Nordsee bis zur Photovoltaikanlage auf dem Dach des Privatkunden - diese breite Palette böten auch international immer weniger Energiekonzerne an. Ein reines "Weiter so" als Versorger mit Komplettangebot bedeute langsame Abwicklung.

Aber die "alte Energie" von Uniper will doch kaum mehr einer?

"Unser Geschäft ist die Versorgungssicherheit", sagt Uniper-Chef Klaus Schäfer. Er ist überzeugt, dass die Großkraftwerke mit Gas und Kohle noch jahrzehntelang gebraucht werden, um das schwankende Angebot von Strom aus Sonne und Wind auszugleichen. So gesehen werden die Schornsteine noch lange rauchen.

Zwar verdienten die Anlagen angesichts des Verfalls der Strompreise im Großhandel in den vergangenen Jahren immer weniger - viele mussten abgeschaltet werden. Teyssen glaubt aber, dass beim Börsenstrompreis der Tiefstpunkt hinter der Branche liegt. Auch wenn die Rohstoffpreise wieder steigen, dürfte Uniper davon profitieren. Das Management setzt zudem auf ein Sparprogramm mit Stellenabbau.

Hilft die Politik?

Kritiker bezeichnen Uniper als Wette auf politische Entscheidungen in der Zukunft. So hofft das Management, dass sich die Politik in Deutschland doch noch dazu durchringt, nicht nur die Produktion eines Kraftwerkes, sondern auch den Bereitschaftsbetrieb zu vergüten. Dieser sogenannte Kapazitätsmarkt könnte nach der Bundestagswahl 2017 unter einer neuen Bundesregierung kommen, hoffen Teile der Branche. Für sie wäre es ein Befreiungsschlag. In anderen europäischen Ländern gibt es solche Märkte bereits. In England etwa startet demnächst eine neue Ausschreibung für Bereitschaftskapazitäten.

Wie lief der Börsengang?

"Dafür, dass Uniper von bösen Zungen als Reste-Rampe oder "E-Off" bezeichnet wurde, ist der Börsenstart gut gelungen", sagte Analyst Robert Halver von der Baader Bank. Der erste Kurs lag bei 10,015 Euro. Damit kam Uniper allerdings auf einen bescheidenen Börsenwert von gerade einmal rund 3,6 Milliarden Euro. In den Eon-Büchern stand zuletzt noch ein Wert von 12 Milliarden. Den niedrigen Kurs zum Einstand nutzten dann aber einige Anleger zum Einstieg. Zeitweise kletterte das Papier auf fast 11 Euro.

Was war das Besondere an dem Börsengang?

Es handelte sich nicht um eine klassische Erstnotiz, bei der Aktien an neue Anleger ausgegeben werden. Vielmehr bekamen die Eon-Aktionäre über das Wochenende automatisch für je 10 Eon-Papiere eine Uniper-Aktie in ihr Depot gebucht - also praktisch geschenkt. Mit diesen Papieren können sie dann von Montag an handeln. Eon gibt 53,35 Prozent von Uniper an seine Aktionäre ab, den Rest behält der Konzern zunächst.

Wer interessiert sich für Uniper-Aktien?

Uniper wird kein Wachstumsunternehmen. Investitionen sollen praktisch nur in den Erhalt der bestehenden Anlagen fließen. Punkten will man vielmehr mit einer großzügigen Dividenden-Politik. Entscheidend soll der Cashflow sein - also das, was der Konzern jedes Jahr tatsächlich einnimmt. Davon sollen mindestens 75 Prozent an die Aktionäre fließen. Analysten loben das als Alleinstellungsmerkmal von Uniper. Für das erste Jahr gibt es das Versprechen, 200 Millionen Euro auszuschütten, das sind 55 Cent je Aktie. Runde fünf Prozent gemessen am Einstiegskurs sind in Niedrigzins-Zeiten eine attraktive Rendite.

Was heißt das für Eon?

Eon-Aktien waren am Montag mit einem zweistelligen Verlust der größte Verlierer im Dax. Das war keine Überraschung, schließlich gehört der Uniper-Teil nun nicht mehr zum Konzern. Der Abspaltungsprozess war für Eon bereits extrem schmerzhaft. Seit Ende 2014 summieren sich die Abschreibungen auf rund 17 Milliarden Euro. Da der Börsenpreis für Uniper nun deutlich unter dem bisherigen Buchwert liegt, wird Eon in diesem Jahr um weitere Milliardenabschreibungen wohl nicht herumkommen. Die "neue" Eon hofft, nach etwa zwei Jahren Konsolidierungsphase befreit von der konventionellen Energie durchstarten zu können.

Quelle: ntv.de, Erik Nebel (dpa-AFX) und Rolf Schraa (dpa)