Wirtschaft

Nach Tod von Thomas Wagner Unister meldet Insolvenz an

Vor wenigen Tagen starb mit Thomas Wagner einer der schillerndsten deutschen Internetunternehmer. Der Unister-Chef beschäftigte mehr als 1000 Mitarbeiter - die nun um ihre Jobs bangen müssen.

Wenige Tage nach dem tödlichen Flugzeugabsturz von Internet-Millionär Thomas Wagner hat die Internet-Holding Unister Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Leipzig habe für den Eigentümer von Internet-Portalen wie "ab-in-den-urlaub.de" und "fluege.de" Lucas Flöther als Insolvenzverwalter eingesetzt, teilte Flöthers Kanzlei mit. Er versucht die operativen Gesellschaften aus der Insolvenz herauszuhalten. "Die vorläufige Insolvenz bietet vor allem kurzfristige finanzielle Sicherheit", erläuterte der Insolvenzverwalter. Es gehe darum, die Einheit des Unternehmens zu erhalten. "Auf dieser Grundlage kann sich die Unister Holding dann langfristig wieder stabil aufstellen."

Unister betreibt unter anderem die Reise-Portale Ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de. Foto: Peter Endig

Unister betreibt unter anderem die Reise-Portale Ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de. Foto: Peter Endig

Zu Unister gehören mehr als 40 Internetportale, unter anderem Fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1000 Mitarbeiter. Über die Pleite hatten zuerst Medien berichtet, darunter die "Mitteldeutsche Zeitung".

Wagner war am vergangenen Donnerstag mit einem Privatflugzeug in Slowenien abgestürzt. In der gecharterten Piper 32 starben auch Unister-Gesellschafter Oliver Schilling, ein Banker und der Pilot. Die sechssitzige Maschine war auf dem Rückflug von Venedig nach Leipzig.

Venedig-Reise bleibt rätselhaft

Der Anlass der Reise, von der offenbar kaum einer Kenntnis hatte, bleibt größtenteils ein Rätsel. Weder das Unternehmen, noch die Polizei vor Ort kommentierten bislang die Hintergründe sowie Berichte über einen ominösen Geldkoffer, der angeblich an der Absturzstelle gefunden wurde. Laut "Bild" soll beim Flugzeugwrack viel Bargeld gefunden worden sein. Unister-Mitbegründer Daniel Kirchhof, mit dem sich Wagner im vergangenen Herbst überworfen hatte, sagte dazu nur: "Davon weiß ich nichts."

Er gehe davon aus, dass Wagner geschäftlich unterwegs gewesen sei. Unternehmenssprecher Dirk Rogl bestätigte dies: "Herr Wagner und Herr Schilling befanden sich in Venedig in Gesprächen mit potenziellen Investoren." Darüber, was es mit den Millionen Euro auf sich hat, die angeblich gefunden wurden, lässt sich somit nur spekulieren.

Das Unternehmen gilt seit einiger Zeit als finanziell angeschlagen. Es soll hoch verschuldet sein. Die Gruppe wird seit einiger Zeit umstrukturiert. Schon 2014 wurde die Travel-Sparte ausgegliedert und später in eine AG umgewandelt. 200 Mitarbeiter wurden entlassen. Mitte 2015 strich der Konzern weitere 150 Stellen. Für das "Effizienzsteigerungsprogramm" Unister 3.0 sollten 30 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Jüngst hatte das Unternehmen das Portal Geld.de verkauft.

Reisende, die mit einer der Unister-Firmen auf Reisen sind, müssen sich nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen nicht sorgen. "Die Insolvenz bezieht sich nur auf die Holding, aber nicht auf Töchter wie Travel24", sagte Rechtsexpertin Beate Saupe. Travel24.com ist börsennotiert. Auch wer eine Reise mit "ab-in-den-urlaub.de" oder "fluege.de" gebucht habe, könne diese nach derzeitigem Stand noch antreten. Und falls die Töchter doch pleitegingen, springe eine Versicherung ein, die für jede in Deutschland gebuchte Pauschalreise gelte.

Quelle: ntv.de, dsi/AFP/rts

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