Wirtschaft

"Wir schaffen es kaum" Urlauber überrennen Tui

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Alle 22 Maschinen der verkleinerten Flotte will Tui im Sommer im Einsatz haben.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

Nach den langen Einschränkungen im Kampf gegen Corona zieht es die Menschen in den Urlaub. Der weltgrößte Reiseveranstalter Tui kann nach eigenen Angaben die Anfrage kaum bewältigen. Die verkleinerte Flugzeug-Flotte wird komplett im Einsatz sein. Berichte über eine Kapitalerhöhung weist das Unternehmen zurück.

Beim weltweit größten Reisekonzern Tui steigen die Buchungen am Heimatmarkt Deutschland dank gelockerter Corona-Auflagen seit Wochen kräftig an. "Wir schaffen es kaum, der starken Nachfrage Herr zu werden", sagte der Chef von Tui Deutschland, Marek Andryszak. Seit Mai liege die Zahl der Buchungen sogar über dem Niveau der Vergleichswochen im Vorkrisenjahr 2019. TUI Deutschland biete im Sommer 75 Prozent der Kapazität von vor zwei Jahren an. Gefragt seien vor allem Mallorca, Kreta und Urlaubsziele an der türkischen Riviera. Sobald es Klarheit über die Reisemöglichkeiten gebe, schnellten die Anfragen in die Höhe.

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Steigende Impfquoten, niedrige Infektionszahlen und auch die Aufhebung der Reisewarnung für Corona-Risikogebiete mit einer Inzidenz unter 200 sorgten dafür, dass die Verbraucher ihre Urlaubswünsche in die Tat umsetzten. Mit der ersten Reisewelle an Ostern nach Mallorca und nach Griechenland seien weder in Deutschland noch an den Urlaubsorten die Corona-Fallzahlen gestiegen, erklärte Andryszak. "Der organisierte Tourismus mit hohen Standards beim Testen trägt nicht zum Ausbreiten der Pandemie bei."

Die kritische Diskussion in der Öffentlichkeit über den kleinen Mallorca-Reiseboom hätten die Buchungen rasch versiegen lassen. Dass die Bundesregierung dann eine Testpflicht für heimkehrende Flugreisende einführte, sei dagegen hilfreich gewesen, weil der psychologische Druck auf die sonnenhungrigen Kunden nachgelassen habe.

Testpflicht für Heimkehrer

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben die die Testpflicht für Flugreisende aus dem Ausland bis Mitte September verlängert. Hintergrund ist vor allem die Sorge vor dem Einschleppen von Virus-Varianten. Die Unsicherheit darüber habe sich bisher nicht auf die Erholung des Reisegeschäfts bei TUI ausgewirkt, erklärte das Unternehmen.

Aufgrund der guten Nachfrage baut Tui Flug- und Bettenkapazitäten weiter aus, erklärte Deutschland-Chef Andryszak. Die eigene Airline Tui fly sei im Sommer mit den verbliebenen 22 Flugzeugen komplett im Einsatz. Vor der Corona-Krise hatte die deutsche Tui-Airline 39 Flugzeuge. Über die Verkleinerung und Einsparungen in Reaktion auf die Krise gab es Streit zwischen Management und den Gewerkschaften, vor allem mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

Airline-Chef Oliver Lackmann sagte dem "Handelsblatt", beim Kabinenpersonal seien keine betriebsbedingten Kündigungen dank der Nachfrageerholung notwendig. Auch beim Bodenpersonal ließen sie sich womöglich vermeiden. Aber von den einst rund 500 Piloten seien 120 entlassen worden.

Aktuell keine weitere Kapitalerhöhung

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Der Reisekonzern aus Hannover musste wegen des Geschäftseinbruchs in der Pandemie mit rund 4,3 Milliarden Euro staatlichen Finanzhilfen vor der Insolvenz bewahrt werden. Tui sammelte über eine Kapitalerhöhung Anfang des Jahres mehr als 500 Millionen Euro von seinen Aktionären ein sowie insgesamt 700 Millionen Euro über Anleihen. Ein Tui-Sprecher erklärte, derzeit stehe das Unternehmen vor keiner weiteren Kapitalerhöhung. Alle möglichen Szenarien der Finanzierung würden ständig geprüft.

"Zusätzliche Finanzierungsmaßnahmen sind aktuell nicht entschieden", ergänzte er. "Es sind auch keine Banken mandatiert." Tui reagierte damit auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach der mit staatlicher Finanzhilfe gestützte Touristikkonzern mit Beratern die Option einer Kapitalerhöhung im Volumen von rund einer Milliarde Euro auslote. Der Konzern wolle damit abwarten bis nach dem Sommer, um den Mittelbedarf abzuschätzen, hieß es mit Verweis auf nicht namentlich genannte Quellen. Mit frischem Eigenkapital wolle Tui staatliche Finanzhilfen zurückzahlen. "Wir gehen weiter davon aus, dass wir im vierten Quartal cash-positiv sein werden", erklärte der TUI-Sprecher weiter.

Quelle: ntv.de

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