Wirtschaft

Einsteigen in der Krise? VW-Aktie lockt Optimisten an

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Schnäppchen oder Fehlkauf?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es ist eine schwarze Woche für die deutsche Automobilindustrie und ihre Aktionäre. Nicht nur die Schummelei von VW drückt die Gewinnprognosen, auch die Zulieferer ElringKlinger und Hella Investoren warnen. Was kommt als nächstes? Und lohnt es sich, jetzt einzusteigen?

Investoren, die gerne einsteigen, wenn eine Aktie am Boden ist, dürfte es in den Fingern jucken: Warum nicht mal ein paar Volkswagen-Aktien ins Depot legen? Schließlich notieren die Vorzugsaktien 55 Prozent unter dem Rekordhoch vom März 2015. Doch Vorsicht! Auch wenn es am Tag nach dem Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn leicht nach oben geht, kann es gut sein, dass die Aktie den Boden noch nicht gesehen hat.

"Wir möchten betonen, dass das volle Ausmaß des Abgas-Skandals wahrscheinlich für eine viel längere Zeit unsicher bleiben wird", schreiben die Analysten der Deutschen Bank. "Die Strafzahlungen werden schmerzhaft, in der Höhe unquantifizierbar und möglicherweise ein Thema für Jahre bleiben." Erfahrungsgemäß seien die ersten Annahmen nach einer Rückrufaktion meist viel zu niedrig. "Volkswagen könnten Strafzahlungen von rund fünf Milliarden Euro bevorstehen", schreiben die Analysten.

Zwar könnte VW damit noch gut umgehen, das Wolfsburger Unternehmen hat 6,5 Milliarden Euro zurückgelegt und verfügt über das Autogeschäft zur Jahresmitte über eine Nettoliquidität von 21,5 Milliarden Euro. Die Sorgenfalten auf die Stirn treibt den Finanzexperten der Deutschen Bank aber der genauere Blick in die Zukunft. "Die Auswirkungen auf das operative Geschäft – genauer gesagt auf den Absatz, die Wiederverkaufswerte, Preise und Kosten – ist noch schwerer zu schätzen und somit das entscheidende Problem", so die Finanzprofis. Gut möglich also, dass sich die Aktie in den nächsten Jahren eher zu einem Sorgenkind, als zu einem Renditebringer für antizyklische Anleger entwickelt.

Gleiches gilt im Übrigen auch für die Porsche Holding. Der Kursrückgang bei VW zieht auch deren Aktie nach unten. Denn die Holding, besser bekannt als Porsche SE, ist mit 90 Prozent an VW beteiligt – das Unternehmen ist also eher VW als Porsche, auch wenn der Name auf etwas anderes schließen lässt.

Was ist mit den Autozulieferern?

Zum aktuellen Skandal um die gefälschten Abgaswerte kommt hinzu, dass der Automarkt in China anhaltend schwächeln könnte und der Preisdruck in den USA wächst. Das spüren neben den anderen Autobauern wie BMW und Daimler auch die Zulieferer. ElringKlinger und Hella haben bereits Gewinnwarnungen herausgegeben. Investoren fragen sich, wie lange das Geschäft bei den Zulieferern noch läuft?

ElringKlinger, der Spezialist für Hitzeschilde und Abgasdichtungen, hat zuletzt die 2015er-Ergebnisprognose erheblich reduziert, weil der Konzern wegen der starken Nachfrage Schwierigkeiten bei der Produktion und Lieferung hat. Entsprechend fielen hohe Sonderkosten an. Der auf Lampen spezialisierte Autozulieferer Hella hat ebenfalls die Gewinnziele zusammengestrichen, weil ein chinesischer Lieferant die Lieferungen eingestellt hat, woraufhin Hella die Lieferkette umorganisieren muss. Dass auch die Aktie des Herstellers von Lackieranlagen, Dürr, den Rückwärtsgang eingelegt hat, obwohl der Konzern die Jahresprognose bekräftigt hat, zeigt, dass sich Investoren zunehmend Sorgen über den gesamten Sektor machen.

Was bedeutet das alles nun für die Anleger? Bei VW gehen nach dem Kurssturz von 60 Prozent vom Rekordniveau viele Optimisten davon aus, dass die zahlreichen schlechten Nachrichten bereits weitgehend eingepreist sind. Wer risikobereit und langfristig orientiert ist, könnte trotz aller Unkenrufe erste Positionen in den Papieren aufbauen. Wer zu kurzfristiger Schlaflosigkeit neigt, sollte lieber abwarten.

Quelle: n-tv.de

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