"Der Vorstand muss liefern"VW-Arbeitnehmervertreter drängen Konzernspitze zu Gesprächen

Die Gewerkschaftsvertreter berufen sich beim Streit um das VW-Sparprogramm auf eine Regelung aus einem früheren Tarifvertrag. Damit wollen sie den Vorstand an den Verhandlungstisch zwingen und drohen bei Uneinigkeit, die Schlichtungsstelle einzuschalten.
Die Arbeitnehmervertreter bei Volkswagen pochen angesichts der Sparpläne bei Europas größtem Autobauer auf eine Einhaltung der Tarifeinigung von 2024 und drängen dazu den Vorstand an den Gesprächstisch. Thorsten Gröger, der Verhandlungsführer der IG Metall in Niedersachsen, sagte, die Gewerkschaft habe sich dazu entschieden, eine Regelung aus dem Tarifvertrag von Dezember 2024 zu nutzen. "Wir fordern das Unternehmen auf, an den Tisch zu kommen und uns zu erklären, wie der Tarifvertrag eingehalten wird." Dabei gehe es vor allem um die verbindlich vereinbarten Investitionen in neue Modelle, Zukunftsprodukte und moderne Produktionsverfahren.
Mit dem Ziehen der Klausel sei keine Kündigung der Vereinbarung verbunden, betonte Gröger. Die Gespräche sollten noch in diesem Quartal stattfinden. Kommt es zu keiner Einigung, kann nach Gewerkschaftsangaben die Schlichtungsstelle angerufen werden. Volkswagen kommentierte die Forderung der Gewerkschaft bisher nicht.
VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte, die Aussagen der Vorstandsmitglieder bei den Betriebsversammlungen hätten eher für noch mehr Verunsicherung gesorgt. Die Belegschaften in Zwickau und Emden erfüllten ihre Zusagen, die 2024 zur Bedingung für weitere Fahrzeugprojekte gemacht worden seien. "Diese Verunsicherung kann für unsere Belegschaft an den Standorten nicht weitergehen." Es könne nicht sein, dass ein Vertrag einfach beiseite gewischt werde. "Jetzt muss der Vorstand liefern", sagte Cavallo.
VW gerät durch China-Konkurrenz unter Druck
Zugleich forderte sie die Politik auf, das Unternehmen zu unterstützen. Sie müsse für die Rahmenbedingungen sorgen, damit es einen fairen Wettbewerb gebe. Derzeit würden viele Themen um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf die Sozialpartner abgeladen. "Das ist ein Trugschluss", betonte Cavallo. Die Autobranche konkurriere mit chinesischen Herstellern, die in ihrem Heimatmarkt stark subventioniert würden und deswegen Preise aufrufen könnten, mit denen europäische Hersteller nicht mithalten könnten.
Im Dezember 2024 hatten sich Arbeitnehmer und Vorstand nach monatelangem Ringen auf einen Tarifvertrag geeinigt. Dabei einigten sich beide Seiten auf den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen. Im Gegenzug sagte der Vorstand unter anderem eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2030 und Modelle für die Standorte Emden, Zwickau und Hannover zu. Der Vertrag kann frühestens zum Jahresende 2030 gekündigt werden, enthält allerdings eine Revisionsklausel. Darin ist festgehalten, dass beide Seiten einmal pro Quartal ein Überprüfungsgespräch beantragen können, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geändert haben. Bei Streitfällen kann demnach die Schlichtungsstelle angerufen werden.
Derzeit steht Volkswagen erneut vor dem Abbau zehntausender Arbeitsplätze. Der Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer hatte sich vergangene Woche überraschend auf ein Sanierungskonzept geeinigt, mit dem der Vorstand um Oliver Blume die Rendite bis 2030 auf neun Prozent steigern will. Dabei sollen rund 50.000 Stellen weltweit wegfallen, vier deutsche Werke stehen auf dem Prüfstand. Eine Entscheidung, ob die Fertigung in den Elektrowerken in Emden und Zwickau sowie im Nutzfahrzeuge-Werk in Hannover und in der Audi-Fabrik in Neckarsulm ab 2031 auslaufen soll, wurde jedoch vertagt.