Wirtschaft

Abschalteinrichtung bei Motoren VW-Dieselskandal soll auch Euro-6 betreffen

Für Volkswagen bahnt sich der nächste Schlag in der Abgasaffäre an. Laut einem Medienbericht soll bei Dieselmotoren der Abgasnorm Euro-6 erneut eine Manipulationssoftware installiert sein. Dabei sollte der neue Motortyp eigentlich seinen Vorgänger aus dem Abgasskandal ersetzen. VW streitet alle Vorwürfe ab.

Der Abgasskandal bei Volkswagen könnte eine neue Stufe erreichen: Der Autobauer soll auch Dieselmotoren mit der Abgasnorm Euro-6 mit einer Abschalteinrichtung ausgestattet haben. Das berichtet der SWR, der sich auf vertrauliche VW-Dokumente beruft.

Wie der Sender berichtet, geht es in den Dokumenten um eine "Zykluserkennung" in den Motoren des Typs EA 288, dem Nachfolgemotor des skandalbehafteten EA 189. Der EA 288 wurde seit 2012 in den VW-Modellen wie Golf, Passat oder Tiguan, aber auch in Fahrzeugen von Audi, Skoda und Seat verbaut.

Diese "Zykluserkennung" war der Auslöser des Dieselskandals. Sie erkennt, wenn sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet und spritzt dann entsprechend Harnstoff (AdBlue) zur Abgasreinigung hinzu, wodurch die Werte manipuliert werden. Im normalen Fahrbetrieb wird dagegen deutlich weniger Harnstoff verwendet.

VW streitet "Zykluserkennung" ab

Der SWR zitiert aus Dokumenten von 2015, die genau beschreiben, wie diese "Zykluserkennung" bei EA288-Motoren funktioniert. "Nutzung und Erkennung des […] NEFZ, um die Umschaltung der Rohemissionsbedatung streckengesteuert auszulösen." NEFZ steht für das Abgas-Testverfahren in der EU.

Auf Nachfrage des SWR bestritt der Autobauer, eine derartige Software installiert zu haben: "Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 288, nach dem heute gültigen Abgasstandard EU6 in EU 28, enthalten keine Zykluserkennung." Demnach gebe es auch keine unzulässige Abschalteinrichtung. Volkswagen untersuche diesen Themenkomplex seit 2015. "Die Ergebnisse aller Untersuchungen und Messungen bestätigen nach unserem aktuellen Wissensstand die Erkenntnis, dass die Nutzung von Fahrkurven beim EA288 Motor keinen Einfluss auf die Einhaltung von Emissionsgrenzwerten haben oder hatten", heißt es.

Die vor vier Jahren in den USA aufgedeckte Abgasaffäre hat den VW-Konzern bereits viele Milliarden Euro gekostet. Bereits im Herbst 2015 kurz nach dem Bekanntwerden des Skandals war der Verdacht aufgekommen, auch das neuere Aggregat EA288 könne eine Manipulationssoftware enthalten. "Nach gründlicher Prüfung" war VW damals zu dem Ergebnis gekommen, dass in beiden EA288-Varianten - mit Euro 6 und der früheren Abgasnorm Euro 5 - "keine Software verbaut ist, die eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Gesetzgebung darstellt".

Quelle: n-tv.de, mba

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