Wirtschaft

Nachfolgersuche läuft VW-Konzernchef Diess bleibt angezählt

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Die Spekulationen über einen Wechsel an der Volkswagen-Spitze nehmen wieder Fahrt auf. Fällt die Wahl auf VW-Markenchef Brandstätter (rechts neben Diess)?

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Hinter den Mauern der Wolfsburger Konzernzentrale will einfach kein Frieden einkehren. Hat Volkswagen-Chef Diess den Bogen überspannt? Während Aufsichtsratschef Pötsch noch zu schlichten versucht, fällt plötzlich ein neuer Name als möglicher Nachfolger. Er gilt als weniger frostig als Diess.

Nach außen sah es zuletzt eigentlich nach einem erfolgreichen Burgfrieden bei Volkswagen aus. Im Dauergefecht zwischen Herbert Diess und dem Betriebsrat und anderen Führungskräften schien plötzlich wieder Ruhe eingekehrt. Hinter den Wolfsburger Konzernmauern brodelt es jedoch mächtig weiter. Die Alleingänge und Provokationen, mit denen der Konzern-Chef in den vergangenen Wochen intern für viel Unmut gesorgt hat, hallen offenbar lauter nach als angenommen.

Diess steht bereits seit einiger Zeit heftig in der Kritik. Die Arbeitnehmer hatten jüngst erklärt, dass ihnen das Vertrauen zum Konzernchef fehle. Und auch die Topmanagerriege um Diess ist gespalten, wenn es um die Führungsqualitäten des frostigen Konzernlenkers geht. China-Chef Stephan Wöllenstein hat die harte Hand von Diess zu spüren bekommen. Nach drei Jahren im Amt muss er seinen Posten wegen der Elektroauto-Schwäche in China nach langen Spekulationen wohl abgeben. Wöllenstein galt einmal als Vertrauter von Diess. Der Vermittlungsausschuss des Aufsichtsrats versucht derzeit unter Hochdruck, den Frieden im Konzern wiederherzustellen.

Offenbar gestalten sich Schlichtungsverhandlungen jedoch schwierig. So schwierig, dass Diess laut dem Wirtschaftsportal Business Insider weiter um seinen Job fürchten muss. Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik hätten sich von dem Manager, der sich als unbelehrbar erweisen würde, distanziert, heißt es. Eine Person trete dabei immer mehr aus dem Schatten des Konzernlenkers heraus: VW-Markenchef Ralf Brandstätter, der am 1. Juli 2020 die Nachfolge an der Spitze der Kernmarke angetreten hatte, nachdem Diess an die Konzernspitze berufen wurde.

Für einen weiteren Aufstieg auf der Karriereleiter und möglicherweise auch Potenzial, an die Konzernspitze zu gelangen, spricht, dass Brandstätter angeblich in Kürze zum Mitglied des Konzernvorstandes befördert werden wird, wie das Portal aus informierten Kreise erfahren haben will. Mancher Kontrolleur im Aufsichtsrat soll deshalb schon weiter gedacht haben und Brandstätter als ernsthafte Alternative zu Diess handeln.

Folgt VW-Markenchef Brandstätter auf Diess?

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Der Vorstandsvorsitzende der Marke Volkswagen Pkw ist das Kontrastprogramm zu seinem Vorgänger: Er gilt nicht als frostig, sondern emphatisch. Während Diess poltert, punktet Brandstätter mit vornehmer Zurückhaltung. Er sei "leiser und weniger offensiv, aber trotzdem bestimmt und zielorientiert", fasste es im Frühjahr ein Insider in Wolfsburg zusammen. Anfangs wollte Brandstätter keine Fehler machen, inzwischen scheint er sich mit seiner Art freigeschwommen zu haben.

Brandstätter stehe für einen "echten Führungswechsel an der Spitze", wird ein Mitglied des Kontrollgremiums zitiert. "Er bringt die Fähigkeiten mit, die Diess vermissen lässt." Sollte die Wahl tatsächlich auf Brandstätter fallen, dürfte ihm der Zuspruch des Betriebsrats sicher sein. Als gebürtiger Braunschweiger und gelernter Betriebsschlosser hat Brandstätter sein gesamtes Berufsleben bei VW verbracht.

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Im Auftrag der Eigentümerfamilien soll sich Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch derzeit als Schlichter für einen Verbleib von Diess einsetzen - auch aus Angst vor den Folgen für den Aktienkurs. In den kommenden Tagen soll sich zeigen, ob es ihm gelingt, Betriebsrat, Gewerkschaft und das Land Niedersachsen von einem gemeinsamen Weg mit Diess an der Spitze zu überzeugen.

Brandstätter ist unterdessen nicht der einzige Name, der fällt, wenn es um mögliche Nachfolger für Diess geht: Die Eigentümerfamilien selbst favorisieren angeblich Porsche-Chef Oliver Blume. Als weiterer ernst zu nehmender Kandidat gilt Audi-Chef Markus Duesmann. Überraschungssieger könnte am Ende aber auch Thomas Schäfer, der Vorstandschef von VWs tschechischer Volumenmarke, werden, sollte sich Diess nicht halten können. Schäfer war ehemaliger Südafrika-Chef, hat also Auslandserfahrung. Außerdem gilt er im Betriebsrat als gut verdrahtet. Auch die Eigentümerfamilien sollen ihm gewogen sein. Einige Topmanager sollen ihm angeblich zumindest Chancen als Übergangschef einräumen.

Quelle: ntv.de, ddi

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