Wirtschaft

Geständnis im Abgas-Skandal VW-Manager packt in den USA aus

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Das Polizeifoto von VW-Manager Oliver Schmidt. Ihm drohen in den USA mehrere Jahre Haft.

(Foto: REUTERS)

Monatelang plädiert ein VW-Manager in den USA auf unschuldig, dann sorgt eine drohende Haftstrafe von 169 Jahren für einen Sinneswandel. Mit seinem Geständnis hoffen die US-Behörden, die Namen weiterer Verantwortlicher im Abgas-Skandal zu erhalten.

Oliver Schmidts Albtraum begann am 7. Januar. Das FBI fing den Volkswagen-Manager vor der Rückreise nach Deutschland ab, der alljährliche Winterurlaub in Florida endete in Handschellen am Flughafen von Miami. Seitdem ist der langjährige VW-Mitarbeiter in Haft und spürt die volle Härte der US-Justiz.

Bei der strafrechtlichen Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist Schmidt die zentrale Figur - zumindest in den USA, wo außer ihm bislang nur ein Ingenieur gefasst wurde, der rasch einen Kronzeugen-Deal schloss. Nun will auch Schmidt ein Schuldgeständnis abgeben.

Der Deutsche, der laut Anklage bis März 2015 in leitender VW-Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut war, wird beschuldigt, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen zu sein. Durch sein Geständnis sinkt Schmidts potenzielles Strafmaß erheblich. Während sein Kollege, der vor rund einem Jahr als erster VW-Mitarbeiter in der Diesel-Affäre auspackte, von Anfang an auf Milde hoffen durfte, drohte Schmidt bisher die Höchststrafe.

Geständnis wendet 169 Jahre Haft ab

Das Justizministerium hatte den "Fall 20394, die Vereinigten Staaten von Amerika gegen Oliver Schmidt", ursprünglich mit elf Anklagepunkten eröffnet. Bei einem Schuldspruch hätte das im Extremfall 169 Jahre Haft bedeutet. Trotzdem plädierte Schmidt über Monate auf unschuldig. Erst vor knapp zwei Wochen informierten seine Anwälte den zuständigen Richter Sean Cox, dass ihr Mandant geständig sei. Der Großteil der Anklagepunkte wurde daraufhin fallengelassen, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht.

Jedoch bestehen die Vorwürfe der Mittäterschaft bei Betrug und mutwilliger Verletzung des Luftreinhaltegesetzes fort, es droht nach wie vor eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren und eine Geldstrafe von bis zu 500.000 Dollar. Das sagte Richter Cox bei einer Anklageverlesung am Donnerstag.

Zuvor waren die Anwälte von Schmidt nicht nur mit Kautionsanträgen abgeblitzt, sie hatten sogar Probleme, ihren Mandaten in der Untersuchungshaft mit alltäglichen Dingen wie einer Brille oder Medikamenten zu versorgen. Trotz eines Angebots, 1,6 Millionen Dollar als Sicherheit zu hinterlegen, war dem Richter die Fluchtgefahr zu groß, Schmidt bis zum Prozess auf freien Fuß zu setzen.

USA suchen verantwortliche Manager

Zum Prozess wird es nicht mehr kommen - damit verliert Schmidt die Chance, sich vor Gericht zu verteidigen und einen Freispruch zu erstreiten. Welches Strafmaß er letztlich erhält, dürfte maßgeblich davon abhängen, inwieweit er mit den Ermittlern kooperiert. Denn auch wenn der Abgas-Skandal für VW nach mehreren Milliarden-Vergleichen in den USA weitgehend abgeschlossen ist, hat die dortige Justiz die Suche nach den verantwortlichen Führungskräften noch längst nicht aufgegeben. Erst im vergangenen Monat wurde die mittlerweile achte Strafanzeige veröffentlicht - diesmal gegen einen früheren Manager der VW-Tochter Audi. Das Problem der US-Behörden ist jedoch, dass sich die meisten der Beschuldigten in Deutschland aufhalten, wo ihnen zumindest vorerst keine Auslieferung droht.

Auf der Liste der US-Fahnder stehen inzwischen auch deutlich größere Namen als der von Schmidt - etwa der frühere Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer. Wen die US-Justiz sonst noch alles als mögliche Drahtzieher im Visier hat, ist schwer einzuschätzen. Zu den Ermittlungen werden meist keine öffentlichen Angaben gemacht, bis es zur Anklage kommt. Fest steht: Strafrechtlich gesehen ist der Diesel-Krimi längst nicht vorbei.

Quelle: n-tv.de, Hannes Breustedt, dpa

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