Wirtschaft

US-Aufseher Thompson äußert sich VW hat noch einen "weiten Weg" vor sich

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(Foto: picture alliance/dpa)

Noch im vergangenen Jahr kritisiert US-Aufseher Thompson Volkswagen scharf wegen fehlender Konsequenzen aus dem Dieselskandal. Nun äußert er sich wieder, lobt das Unternehmen - und gibt ihm auch einen klaren Rat.

Es ist eine seltene Wortmeldung: Der US-amerikanische Jurist Larry Dean Thompson, der seit 2017 als unabhängiger Aufpasser den Kulturwandel bei Volkswagen überwacht, hat der Mitarbeiterzeitung des Unternehmens "360°" ein Interview gegeben. In dem Gespräch, das n-tv.de vorliegt, äußert er sich überraschend positiv über die Entwicklungen beim Wolfsburger Autobauer.

"Das Unternehmen zieht Manager für ihr Verhalten im Dieselskandal zur Verantwortung und kommuniziert dies seinen Mitarbeitern", so Thompson. Die Mitarbeiter würden verstehen, dass sich Volkswagen dazu verpflichtet habe, seine Führungskräfte zur Verantwortung zu ziehen und diesen Prozess transparent zu gestalten.

Im letzten Jahr hatte Thompson die fehlenden personellen Folgen nach dem Dieselskandal noch deutlich kritisiert. Auch im März dieses Jahres hatte er eine höhere Transparenz des VW-Konzerns gefordert. Er sei mit der Zurückhaltung bei der Übermittlung bestimmter Informationen nicht einverstanden, hieß es damals in seinem Bericht. Heute sagt der US-Aufseher: "Volkswagen hat die Bedeutung einer funktionierenden, verantwortungsbewussten und transparenten Unternehmenskultur verstanden."

Allerdings sei Volkswagen auch eine große und komplexe Firma und habe noch einen "weiten Weg vor sich", so Thompson. Weiteren Verbesserungsbedarf sieht er in Sachen Unterstützung bei seiner Arbeit. "Wir haben eine Menge harter Arbeit vor uns, um sicherzustellen, dass das Unternehmen meine Erwartungen an die Zertifizierung versteht und mir dabei hilft, dem Unternehmen einen entsprechenden Nachweis auszustellen", sagte der Jurist.

"Volkswagen sollte den Dieselskandal niemals vergessen"

Das US-Gericht fordere von ihm die Bestätigung, dass das Integritäts- und Compliance-Programm von Volkswagen reibungslos funktioniere. "Entsprechend dem Wortlaut meines Mandats des Gerichtshofs muss ich bestätigen, dass die Programme 'angemessen konzipiert sind, um Verstöße gegen Betrugs- und Umweltgesetze zu verhindern'", so der US-Amerikaner.

Auf die Frage, wie lange Volkswagen mit dem Dieselskandal noch zu tun habe, gab Thompson eine klare Antwort: "Volkswagen sollte den Dieselskandal und die damit verbundenen finanziellen Schäden sowie den Verlust an Reputation niemals vergessen."

Die US-Justizbehörden hatten Volkswagen Larry Thompson infolge des Dieselskandals als Kontrolleur zur Seite gestellt. Von 2001 bis 2003 war er stellvertretender Generalstaatsanwalt in Washington, die zweithöchste Position im US-Justizministerium.

Quelle: n-tv.de

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