Wirtschaft

Starkes Schlussquartal VW überrascht mit Gewinn und Homeoffice-Order

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In Wolfsburg soll die Belegschaft so weit wie möglich ins Homeoffice wechseln.

(Foto: imago images/regios24)

Volkswagen weitet offenbar seine Corona-Maßnahmen aus. Nur wer unabkömmlich ist, dürfe ins Werk oder ins Büro kommen. Alle anderen Arbeiten sind einem Bericht zufolge von Zuhause zu erledigen. Zugleich melden die Wolfsburger erste Eckzahlen für das Corona-Jahr.

Europas größter Autobauer Volkswagen rechnet für das abgelaufene Jahr nach starken Absatzverlusten in der Corona-Krise mit einem etwa noch halb so hohen Gewinn im laufenden Geschäft. Wie die Wolfsburger mitteilten, wird ein Wert von rund zehn Milliarden Euro für das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen - darunter vor allem weitere Rechtskosten zur Bewältigung der Dieselkrise - angenommen. Das Schlussquartal sei "richtig gut gelaufen", sagte ein Sprecher, ohne Zahlen zu nennen. Dies gelte auf Basis vorläufiger Zahlen, Ende Februar sollen dann die abschließenden Daten folgen.

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Derweil meldete der "Business Insider" unter Berufung auf eine interne Mitteilung, dass Volkswagen seine Homeoffice-Regelung massiv ausweitet. So sei die Anweisung ergangen, dass "Beschäftigte, die mobil arbeiten können" und "deren Anwesenheit (...) nicht zwingend erforderlich ist", bis Ende Februar von Zuhause arbeiten sollen.

Konkrete Angaben zum Nettogewinn 2020 machte VW nicht, die "Dieselgate"-Belastungen waren zuletzt aber spürbar gesunken. 2019 hatte der Konzern im Tagesgeschäft noch ein bereinigtes Betriebsergebnis von gut 19,3 Milliarden Euro verbucht. Die Verkäufe zogen jüngst wieder an. Vor allem die beiden Premiummarken Porsche und Audi hätten zum Gewinn beigetragen. Außerdem habe sich der Sparkurs ausgezahlt. Hier wolle Volkswagen "mit Volldampf" weitermachen, sagte der Sprecher weiter. Die Hauptmarke VW Pkw habe die Gewinnschwelle geschafft.

Absatzsprung bei alternativen Antrieben

Im Frühjahr war die gesamte Branche wegen geschlossener Autohäuser, unterbrochener Lieferketten und des allgemeinen Nachfragerückgangs in große Schwierigkeiten geraten. Es gibt aber auch aktuell Probleme, etwa wegen fehlender Chips für die Kfz-Elektronik und neuer Shutdowns in zahlreichen Ländern.

Volkswagen wies auf die "beispiellosen andauernden Covid-19-Herausforderungen" hin. Doch im vierten Quartal habe sich die Lage insgesamt weiter gebessert. So erholte sich der Absatz zum Jahresende. "Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich", hieß es. Details wurden hierzu noch nicht genannt. 2019 hatte die VW-Gruppe weltweit 252,6 Milliarden Euro erlöst, der Nettogewinn war auf 13,3 Milliarden Euro geklettert.

Insgesamt ließ die Pandemie 2020 die Auslieferungen des Konzerns um 15,2 Prozent abrutschen. Deutliche Zuwächse gab es allerdings bei den alternativen Antrieben: Für reine E-Fahrzeuge wurde mehr als eine Verdreifachung auf knapp 232.000 Stück gemeldet, bei Plug-in-Hybriden eine Steigerung um 175 Prozent auf rund 190.000 Exemplare. Die neuen Flotten-Vorgaben der EU zum CO2-Ausstoß verfehlte die VW-Gruppe knapp. Aufgrund entsprechender Rückstellungen soll das Ergebnis im vierten Quartal dadurch jedoch nicht zusätzlich belastet werden.

Analysten sprechen von starkem Ergebnis

Analysten zeigten sich von dem Ergebnis beeindruckt. "Das ist unglaublich stark", sagte Arndt Ellinghorst von Bernstein Research. Er führt das Ergebnis zum Teil auf die Finanzsparte zurück, die wegen der Erholung der Autokonjunktur vermutlich geringere Rückstellungen verbuchte. Ein Großteil des Gewinns sei auf die Preisgestaltung und Einsparungen zurückzuführen, betonte der Autoanalyst.

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Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg geht davon aus, dass Volkswagen im vierten Quartal einen bereinigten Betriebsgewinn in der Größenordnung von 7,5 Milliarden Euro eingefahren hat. Damit hätte der Konzern die Bestmarke im gleichen Zeitraum des Vorjahres von 4,5 Milliarden Euro trotz hoher Investitionen in die Elektromobilität und Belastungen durch die Corona-Pandemie in den Schatten gestellt.

Tonn führt das robuste Ergebnis im abgelaufenen Jahr auf gute Geschäfte in Europa und Deutschland zurück, vor allem auf die gestiegenen Verkäufe von profitablen SUV. Ein großer Teil des Gewinns dürfte auch aus den Beteiligungen in China geflossen sein, die Volkswagen im Finanzergebnis verbucht. Beeindruckt waren die Experten auch vom Barmittelzufluss (Netto-Cash-flow), der im Automobilgeschäft bei rund sechs Milliarden Euro lag, auch hier ein Großteil in den letzten drei Monaten.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts