Wirtschaft

Kritik an rassistischem Clip VW will sich bessern, aber kein "Bauernopfer"

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Man habe "keinerlei rassistische Intentionen" erkennen können, erklärte der Konzern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen eines rassistischen Werbespots sieht sich Volkswagen einer Menge Kritik ausgesetzt. Nach einer internen Prüfung räumt der Autobauer zwar eine Reihe von Fehlern bei der Entstehung des Clips ein, will aber kein "Bauernopfer", wie es nun heißt.

Volkswagen überarbeitet nach dem Skandal um ein als rassistisch empfundenes Werbevideo für den Golf 8 seine internen Abläufe und will die Mitarbeiter stärker sensibilisieren. Rechtschefin Hiltrud Werner sagte bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten, die Untersuchung durch die interne Revision habe ergeben, dass rassistische Motive bei der Erstellung des Films keine Rolle gespielt hätten. Mangelnde Sensibilität und Unzulänglichkeiten in den Prozessen hätten jedoch dazu geführt, dass der Clip veröffentlicht werden konnte.

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VW-Vorstandsmitglied Hiltrud Werner will keine personellen Konsequenzen ziehen - niemand habe vorsätzlich und wissentlich gehandelt, sagte sie.

(Foto: dpa)

Personelle Konsequenzen würde VW nur dann ziehen, wenn vorsätzlich und wissentlich gegen Verhaltensregeln verstoßen wurde. "Ein Bauernopfer wird es daher nicht geben", sagte Werner. Auch mit der Werbeagentur, die das Video erstellt hat, will Volkswagen weiter zusammenarbeiten. "Auch im Namen des Vorstands möchte ich in aller Form dafür um Entschuldigung bitten, dass wir durch mangelnde interkulturelle Sensibilität Menschen verletzt haben", erklärte Werner. "Hier wurde gegen Werte verstoßen, für die Volkswagen steht."

Als Konsequenz will Volkswagen unter anderem einen unabhängigen "Ethik Board" aus Experten einrichten, der die Werbebotschaften auf sensible Themen durchleuchten soll. Mit einer eigenen Social-Media-Organisation will VW zudem künftig schneller reagieren können, wenn Werbebotschaften im Internet kritische Reaktionen auslösen. Dies war beim Golf-Video nicht geschehen. Vielmehr hatte VW auf Instagram zunächst abgewiegelt und erklärt, die dargestellten Inhalte stellten einen kreativen Umgang mit dem Format "Instagram Story" dar. "Die Herkunft der dargestellten Personen spielt dabei keine Rolle."

"Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen"

In dem Clip wird ein Mann mit dunkler Hautfarbe vor einem Golf gezeigt, wie er von einer überdimensionierten Hand unsanft durch die Gegend geschubst wird. Die Hand schnipst ihn schließlich in ein Café, über dessen Eingang der Schriftzug "Petit Colón" (kleiner Kolumbus) steht. Das war als Anspielung auf die europäische Kolonialgeschichte verstanden worden. Das betreffende Café, vor dem gefilmt wurde, liege direkt neben dem Teatro Colón (spanisch für Kolumbus-Theater), das bekannteste Theater in Buenos Aires, erläuterte ein VW-Sprecher.

"Niemandem aus dem Team ist aufgefallen, dass das Schnipsen einer Person allein schon unpassend ist - und in dem so dargestellten Kontext rassistisch", sagte Marketingchef Jochen Sengpiehl. "Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen. Nicht auf Agenturseite, nicht bei uns." Die im Abspann des Videos für Sekundenbruchteile auftauchenden Buchstaben N-E-G-E-R, bevor der Schriftzug "Der neue Golf" auftaucht, seien durch ein Grafikprogramm zufällig gewählt worden. "Wir haben untersucht, ob dieses Programm manipuliert werden kann, haben dafür aber keine Anhaltspunkte gefunden", sagte Sengpiehl.

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Der Werbefilm löste scharfe Kritik in den Medien aus und sorgte international für Schlagzeilen. VW sah sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Das durch den Dieselskandal ohnehin angeschlagene Ansehen wurde dadurch weiter beschädigt. VW entschuldigte sich.

Das Instagram-Video schlug auch in der VW-Belegschaft hohe Wellen. Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte, er schäme sich für den Instagram-Spot. Der Clip sei widerlich und durch nichts zu entschuldigen. Die Vertrauensleute in den VW-Werken bezogen sich auch auf dieses Video, als sie dem Management vergangene Woche ein "Marketing- und Kommunikationsdesaster" vorwarfen. Die Kritik hatte mit dazu geführt, dass sich Diess vor dem Aufsichtsrat rechtfertigen musste.

Quelle: ntv.de, lri/rts