Wirtschaft

"Ein unbestrafter Fehler" Varoufakis: EU trägt Mitschuld an VW-Skandal

Janis Varoufakis analysiert den VW-Skandal - und schießt erneut gegen Brüssel.

(Foto: imago/Italy Photo Press)

Hat Brüssel von der Manipulation der Abgaswerte bei Volkswagen gewusst? Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis ist fest davon überzeugt. Die EU, sagt er, verwalte ein Kartell.

Als leidenschaftlicher EU-Kritiker hat Yanis Varoufakis nun offenbar ein neues Ventil für seine offene Abneigung gegen die Brüsseler Kommission gefunden: den Abgas-Skandal bei Volkswagen. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" unterstellt Griechenlands Ex-Finanzminister der Behörde jetzt, sie habe gewusst, "was bei Volkswagen vor sich ging", ohne dagegen vorzugehen.

Der Skandal zeige, "dass großer Druck in hierarchischen Organisationen dazu führen kann, dass eine relativ kleine Zahl von Menschen am oberen Ende der Hierarchie große Fehler macht", so der 54-Jährige weiter. Dass die Manipulationen ausgerechnet von einer US-Behörde aufgedeckt wurden, überrascht ihn nicht. "Die US-Regierung mag korrupt und ineffizient sein", so Varoufakis, "aber es gibt auch eine großartige Tendenz dieser Regierung, die Macht von Unternehmen zu kontrollieren und Monopole aufzubrechen."

In Brüssel habe die EU hingegen die "Verwaltung eines Kartells" geschaffen. Und "in einem solchen Umfeld passiert es viel leichter, dass ein Fehler, der das Resultat von Druck innerhalb eines Unternehmens wie Volkswagen ist, nicht unbemerkt, aber komplett ungestraft bleibt." Weit weniger streng als mit Brüssel geht der studierte Wirtschaftswissenschaftler übrigens mit dem Autobauer selbst ins Gericht.

Ein eingebetteter Schwindel

Auch griechische Firmen seien in den vergangenen Jahren in Skandale verwickelt gewesen - solche Dimensionen wie im Falle von VW hätten diese aber nicht angenommen, "weil [die Firmen] so winzig sind". Was ihn beunruhige, sei das "Zusammenspiel von Brüssel und dieser Unternehmenskultur" sowie "die Art, wie dieser Schwindel eingebettet war in das Herrschaftssystem."

Varoufakis reist derzeit auf einer Lesetour für sein neues Buch "Time for Change - Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre" quer durch Europa. Darin kritisiert er vor allem den "unmenschlichen" Kapitalismus und die wachsende Ungleichheit in einer Welt, die sich der Ökonomie unterwerfe. Sein neuester Tipp ans Teenie-Töchterchen: "Hüte dich vor Hierarchien und der Konzentration von Macht - in Staaten, Konzernen oder anderswo."

Quelle: ntv.de, jug

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