Wirtschaft

Deichmann sieht Politik am Zug Viele Firmen zahlen keine Ladenmiete mehr

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Deichmann will für seine geschlossenen Läden zunächst keine Mieten mehr zahlen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Nicht nur kleine, sondern auch große Firmen sind von der Corona-Krise schwer getroffen und suchen finanzielle Hilfe. Schuhhändler Deichmann will für seine 1200 Filialen keine Miete mehr zahlen - und fordert von der Politik Unterstützung für entstehende Mietschäden.

Der Sportartikelhersteller Adidas, die Schuhkette Deichmann und viele andere Firmen zahlen für ihre wegen der Corona-Krise geschlossenen Shops von April an keine Miete mehr. "Wir gehen davon aus, dass viele Mieter von der Möglichkeit von Mietaussetzungen Gebrauch machen werden und müssen", sagte ein Sprecher des Hamburger Shoppingcenter-Investors Deutsche Euroshop. Zumindest in Deutschland müssen die Firmen vorerst keine Konsequenzen fürchten: Ein Notgesetz regelt, dass den Mietern wegen durch die Corona-Krise entstandenen Zahlungsrückständen nicht gekündigt werden darf.

Deichmann sehe sich gezwungen, die Miet- und Nebenkostenzahlung für seine 1200 Filialen in Deutschland vorübergehend ab April für die Dauer der behördlich angeordneten Zwangsschließungen auszusetzen, erklärte Europas größter Schuhhändler. "Es handelt sich hier um eine präventive Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten."

Zwangsschließungen belasten Unternehmen

Auch Adidas bleibt die Mietzahlungen vorerst schuldig. "Es ist richtig, dass Adidas, wie viele andere Unternehmen auch, vorsorglich Mietzahlungen temporär aussetzt, wo unsere Läden geschlossen sind. Wir sind dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch", sagte eine Sprecherin.

Viele Länder haben die Schließung von Einzelhandelsgeschäften angeordnet, um die Ausbreitung des Coronavirus zu dämpfen. Adidas hält seine Läden in Nordamerika und Europa zunächst bis zum 29. März geschlossen. Auch das Modeunternehmen H&M hat angekündigt, die Mietzahlungen für die 460 derzeit geschlossenen Filialen in Deutschland vorläufig auszusetzen. Das Unternehmen habe die Vermieter bereits in der vergangenen Woche über diesen Schritt informiert, sagte eine Unternehmenssprecherin.

In Deutschland sind Mieter von Wohn- und Geschäftsräumen zwar weiterhin verpflichtet, ihre Mieten zu zahlen. Jedoch kann ihnen bei Zahlungsrückständen aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni zunächst nicht gekündigt werden. Mit dem Notfallgesetz will die Politik verhindern, dass Wohnungsmieter ihr Zuhause verlieren und Ladenmieter ihre berufliche Existenz.

Wer mit den Zahlungen in Rückstand gerät, hat bis Ende Juni 2022 Zeit, um die ausstehenden Mieten zu begleichen. Dafür kann der Vermieter in der Regel vier Prozent Verzugszinsen in Rechnung stellen. Mieter und Vermieter hoffen jedoch auf weitere Hilfe des Bundes. Deichmann erwarte von den politisch Verantwortlichen, dass die durch die Zwangsschließungen entstehenden Mietschäden für die beteiligten Vertragsparteien ersetzt werden, erklärte der Konzern.

Quelle: ntv.de, sgu/dpa/rts