Wirtschaft

Dieselgate verrußt die Bilanz Volkswagen verbucht Rekordverlust

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Der Lack ist ab: Volkswagen steckt tief in der Krise.

(Foto: picture alliance / dpa)

Europas größter Autohersteller Volkswagen hat endlich Eckwerte des abgelaufenen Geschäftsjahres veröffentlicht. Erwartungsgemäß sind die Zahlen tiefrot. Dennoch sollen die Aktionäre nicht gänzlich leer ausgehen.

Volkswagen hat im vergangenen Jahr den größten Verlust der Firmengeschichte eingefahren. Der Autobauer meldete für 2015 wegen milliardenschwerer Rückstellungen unter dem Strich ein Minus von 1,6 Milliarden Euro - nach dem deutschen HGB-Bilanzstandard sogar von 5,5 Milliarden Euro.

VW Vorzüge
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Dennoch sollen die Aktionäre nicht gänzlich leer ausgehen: Für stimmrechtslose Vorzugsaktien sollen noch 0,17 Euro ausgeschüttet werden - nach 4,86 Euro im Vorjahr. Allerdings hatte das Unternehmen damals auch noch knapp elf Milliarden Euro verdient. Für die stimmberechtigten VW-Stammaktien sollen entsprechend 0,11 Euro fließen (zuvor: 4,80 Euro). Zuletzt hatte es 1993 einen Jahresfehlbetrag gegeben, als sich VW ebenfalls in einer Krise befand. Mit der Ausschüttung umgeht Volkswagen indes auch das Problem, dass Halter der stimmlosen Vorzugsaktien auf der Hauptversammlung 2017 eine Mitspracherecht bekommen könnten. Dies wäre bei einem Wegfall der Dividende möglich gewesen.

Nach der Aufsichtsratssitzung teilte der Konzern ferner mit, dass die Veröffentlichung des für Ende April angekündigten Zwischenbericht zur Schuldfrage im Abgas-Skandal auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Grund seien "unvertretbare Risiken" für den Konzern. Denn mögliche Strafen könnten sich mit einer Veröffentlichung erhöhen, hieß es.

Ohne Dieselgate solide Zahlen

Insgesamt erlösten die Wolfsburger mit 213,3 Milliarden Euro gut 5,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allerdings belief sich das operative Ergebnis auf minus 4,2 Milliarden Euro. Grund dafür sind "Sondereinflüsse im Wesentlichen aus der Dieselthematik"  - also Rückstellungen - in Höhe von 16,2 Milliarden Euro, wie es weiter hieß. Im Vorjahr hatte sich das operative Ergebnis noch auf 12,7 Milliarden Euro belaufen. Ohne dieses Polster hätte der Konzern auch mit 12,7 Milliarden Euro ein besseres Ergebnis als im Vorjahr ausweisen können.

Und der Abgasskandal verrußt auch bei der VW-Dachgesellschaft Porsche SE die Bilanz. Wegen der roten Zahlen bei Volkswagen habe man 2015 einen Minus von voraussichtlich 273 Millionen Euro gemacht, teilte die Beteiligungsgesellschaft. 2014 waren noch gut drei Milliarden Euro hängen geblieben. Die kompletten Zahlen für 2015 will das Unternehmen Ende kommender Woche vorstellen. Die Porsche SE hält rund 51 Prozent an der Volkswagen AG.

Rahmenverständigung mit US-Behörden

Europas größter Autobauer hatte sich am Donnerstag mit den US-Behörden auf Grundzüge eines milliardenschweren Entschädigungsplans verständigt. Dieser sieht in den USA den Rückkauf von bis zu einer halben Million Dieselfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten und eine signifikante Entschädigung der Autobesitzer vor.

Für das laufende Jahr stellte das Management um Konzernchef Matthias Müller einen Umsatzrückgang um bis zu fünf Prozent und eine operative Rendite zwischen fünf und sechs Prozent in Aussicht.

Keine Angaben gab es zunächst zum umstrittenen Thema Sonderzahlungen für den Vorstand. Bei der Sitzung des Aufsichtsrats hatte insbesondere die vom Land Niedersachsen, Betriebsrat und Gewerkschaften geforderte Senkung der millionenschweren Vorstandsvergütungen für großen Diskussionsbedarf gesorgt, wie es aus Teilnehmerkreisen hieß.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts