Wendung im Grönland-Streit Wall Street schließt nach Trumps Zoll-Abkehr im Plus

Die frohe Kunde ereilt die Wall Street kurz bevor die Schlussglocke läutet: Trump will doch keine Strafzölle gegen Gegner seiner Grönland-Pläne verhängen. Für die US-Börsen geht es danach deutlich bergauf.
Nach Zeichen der Entspannung im Grönland-Streit zwischen den USA und Europa hat die Wall Street im Plus geschlossen. Die drei wichtigsten Indizes legten alle um 1,2 Prozent zu: Der US-Standardwerteindex Dow Jones auf 49.077 Punkte, der technologielastige Nasdaq auf 23.225 Zähler und der breit gefasste S&P 500 bei 6876 Stellen.
Es war kurz vor Handelsschluss in New York, als Trump auf seinem Sprachrohr Truth Social verkündete, es sei ein Rahmenabkommen zu einer zukünftigen Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis erzielt worden. Seine Drohung, Deutschland und andere europäische Länder wegen des Streits ab dem 1. Februar mit weiteren Zöllen zu überziehen, zog er zurück.
Analysten zeigten sich von der Wendung wenig überrascht. Dies sei ein klassisches Beispiel für eine Strategie der "Eskalation zur Deeskalation" gewesen, sagte Michael Brown, Stratege beim Broker Pepperstone. Für die Märkte seien die Details des Rahmenabkommens zweitrangig, entscheidend sei allein der Verzicht auf Zölle. "Die Frage, wem Grönland gehört, hat meiner Meinung nach keine unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen", sagte Jason Pride, Chef-Anlagestratege bei Glenmede. "Die wirtschaftlichen Folgen hängen vielmehr davon ab, ob wir beginnen, gegeneinander Zölle zu verhängen."
Im Fokus der Anleger stand zudem eine Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof der USA. In dem Verfahren geht es um den Versuch von Trump, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook aus dem Amt zu entfernen. Sowohl konservative als auch liberale Richter zeigten sich skeptisch und äußerten Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen einer solchen Entlassung sowie den Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed. Die Richterin Amy Coney Barrett verwies auf Warnungen von Ökonomen, wonach eine Entlassung Cooks eine Rezession auslösen könnte.
Netflix büßt nach Ausblick ein
Für Gesprächsstoff bei den Einzelwerten sorgte unter anderem Netflix mit einem Minus von 2,2 Prozent. Der jüngste Geschäftsausblick des Streamingdienstes hat die Anleger nicht überzeugt. Zudem bereitet der Übernahmekampf um den Rivalen Warner Bros Discovery einigen Anlegern Sorgen.
Aus den Depots flogen auch die Aktien des Lebensmittelkonzerns Kraft Heinz, die 5,7 Prozent einbüßten. Die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway könnte sich von ihrem Anteil von 27,5 Prozent trennen, wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Aufsichtsbehörden hervorgeht.
Anleger griffen hingegen bei United Airlines zu. Die Fluggesellschaft hat einen optimistischen Ausblick gegeben, was die Aktien um 2,2 Prozent nach oben trieb. Die Rivalen American Airlines und Delta Air folgten United ins Plus und legten um 2,4 und 2,2 Prozent zu. Die Papiere von GameStop gewannen 2,8 Prozent. Konzernchef Ryan Cohen hat seine Beteiligung an dem US-Videospielehändler erhöht.
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