Wirtschaft

Angst, Risiken, RekordeWarum Aktienkurse trotz Krisen weiter steigen

16.01.2026, 17:24 Uhr 87137Von Raimund Brichta
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Wir befinden uns in einer "Katastrophen-Hausse". (Foto: IMAGO/imagebroker)

Viele Anleger zweifeln an der aktuellen Rally. Zu groß erscheinen die Risiken, zu zahlreich die Warnsignale. Doch historische Muster zeigen, warum steigende Kurse in diesem Umfeld kein Ausnahmefall sind.

Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen, hoher Verschuldung und wirtschaftlicher Unsicherheiten setzen die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend fort. Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, folgt einem Muster, das sich in der Börsengeschichte immer wieder beobachten lässt: Steigende Kurse sind nicht zwangsläufig ein Zeichen von Stabilität, sondern häufig das Ergebnis hoher Liquidität.

Seit Jahrzehnten wächst die Geldmenge weltweit deutlich schneller als die Realwirtschaft. Dieses zusätzliche Kapital sucht Anlageformen - und fließt bevorzugt in Aktienmärkte. In solchen Phasen steigen Kurse häufig schneller als Unternehmensgewinne, während sich die Bewertungen ausdehnen.

Langfristiger Blick: Was die Zahlen des Dax zeigen

Ein Blick auf den deutschen Leitindex verdeutlicht die Dimension dieser Entwicklung. Seit seiner Einführung ist der Dax um rund 2400 Prozent gestiegen. Die öffentliche Wahrnehmung fokussiert sich zwar auf runde Punktestände, wie zuletzt die Marke von 25.000 Punkten. Für die langfristige Einordnung ist aber der absolute Stand weniger entscheidend als die prozentuale Entwicklung.

Aus dieser Perspektive erscheinen auch deutlich höhere Indexstände nicht außergewöhnlich. Bis 50.000 Punkte müsste der Dax "nur" weitere 100 Prozent zulegen - nach 2400 Prozent, die er bereits hinter sich hat. Der amerikanische Dow Jones liefert dafür ein Anschauungsbeispiel: Von 25.000 bis zu seinen aktuell fast 50.000 Punkten brauchte er rund acht Jahre. Ein überschaubarer Zeitraum, der zeigt, dass Verdopplungen innerhalb weniger Jahre möglich sind - trotz zwischenzeitlicher Rückschläge wie dem Corona-Crash 2020.

Kurzfristig Rückenwind - mittelfristig wachsende Risiken

Für die nähere Zukunft spricht ein Faktor für steigende, ein anderer für fallende Kurse. Zunächst zum Positiven: Im April 2025 wurde an der US-Börse ein Signal ausgelöst, das einen starken Kursschub bei besonders vielen Aktien misst. Dieser Indikator entfaltet seine Wirkung bis in den kommenden April hinein. Denn in der Vergangenheit standen die Kurse nach seinem Auftreten ein Jahr später ausnahmslos zweistellig im Plus. Das ist keine Garantie, aber ein Muster, das Marktteilnehmer ernst nehmen.

Demgegenüber steht ein mittelfristiges Warnsignal: Fondsmanager halten derzeit außergewöhnlich geringe Barreserven - die niedrigsten seit einem Vierteljahrhundert. Das deutet auf einen hohen Investitionsgrad und eine entsprechend geringe Absicherung hin.

In solchen Phasen sind die Märkte besonders anfällig für Korrekturen. Nicht, weil zwangsläufig etwas Dramatisches passieren muss, sondern weil bereits ein beliebiger Auslöser ausreichen kann, um eine Überhitzung abzubauen. Der Anlass ist dabei oft zweitrangig. Entscheidend ist: In solchen Situationen wird eine Korrektur eher zur Frage des Wann als des Ob.

Kombiniert man beide Faktoren, ergibt sich folgendes Bild: Ein größerer Kursrückgang könnte erst nach dem April einsetzen. Ein solcher Rückschlag wäre in diesem Umfeld kein ungewöhnliches Ereignis, sondern Teil eines normalen Marktzyklus. Selbst Verluste im Bereich von 15 bis 20 Prozent wären angesichts der vorangegangenen Kursgewinne kein grundlegender Trendbruch. Je höher das Ausgangsniveau, desto größer ist auch der Spielraum für Korrekturen, ohne dass langfristige Entwicklungen infrage gestellt werden.

Ausblick auf 2026: Statistik mit leicht positivem Trend

Für das Gesamtjahr 2026 liefert die Statistik kein klares Bild: Die Wahrscheinlichkeit, dass auf drei Dax-Gewinnjahre ein weiteres positives Jahr folgt, liegt bei knapp 60 Prozent. Und die Gewinnwahrscheinlichkeit für "Sechserjahre" wie 2026 beträgt rund 67 Prozent. Daraus lässt sich zwar keine eindeutige Prognose ableiten, wohl aber ein leicht positiver Erwartungswert.

Vor diesem Hintergrund erscheint ein moderates, einstelliges Plus für den Dax auf Jahressicht möglich - ohne Garantie und bei erhöhter Schwankungsanfälligkeit.

Weitere Hintergründe und Einschätzungen zu diesem Thema hören Sie bei "Brichta & Bell - der Wirtschafts-Podcast".

Quelle: ntv.de

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