Aktien, Anleihen, Gold?Wohin mit 25.000 Euro im Januar?

Kann sich diese Aktienrally in diesem Jahr noch weiter fortsetzen, oder ist es nicht an der Zeit, die Gewinne mitzunehmen? Klar ist: Timing-Strategien sind wenig aussichtsreich. Vielmehr sind Zeit und Geduld die entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Nach drei Jahren mit jeweils prozentual zweistelligen Zugewinnen liegen die Bewertungen an vielen Börsenplätzen über dem langfristigen Durchschnitt. Dennoch prognostizieren die meisten Aktienstrategien auch für das Jahr 2026 weitere Kursgewinne.
Wenn jedoch nahezu alle Marktteilnehmer optimistisch sind, drängt sich eine unbequeme Frage auf: Kann es wirklich einfach so weitergehen - oder ist eine Korrektur längst überfällig? Ein Blick in die Historie des S&P-500-Index hilft, diese Sorge einzuordnen. In den vergangenen 50 Jahren gab es drei außergewöhnlich lange Aufwärtsphasen - zwei davon dauerten mehr als fünf Jahre, eine sogar über acht Jahre.
Zwar folgten diese Phasen jeweils auf schwere Krisen, dennoch wäre es statistisch gesehen keineswegs ungewöhnlich, wenn ein weiteres positives Börsenjahr hinzukäme. Auf der anderen Seite hat sich das Umfeld jedoch verändert: Die geopolitische Stabilität hat abgenommen, die Staatsschulden sind stark gestiegen und eine Rückkehr höherer Inflation ist nicht ausgeschlossen. Eine Fortsetzung der Rally ist damit alles andere als sicher. Sollten Anleger also Gewinne mitnehmen und auf einen "besseren Einstiegszeitpunkt" warten?
Angst vor einer KI-Blase
Damit sind wir beim Thema Market Timing, also der Suche nach dem perfekten Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg. Viele Anleger zögern, weil die Bewertungen hoch erscheinen oder weil Experten, Medien oder das persönliche Umfeld vor einer Blase warnen. Das gilt insbesondere für den Bereich der Künstlichen Intelligenz, wo die amerikanischen Techkonzerne Hunderte von Milliarden Dollar in Rechenzentren und sonstige KI-Infrastruktur investieren.
Währenddessen geschieht etwas nahezu Unbemerktes: Die Inflation nagt kontinuierlich an der Kaufkraft des nicht investierten Vermögens. Wer abwartet, zahlt einen Preis, auch wenn dieser nicht täglich auf dem Kontoauszug sichtbar wird.
Timing funktioniert nicht
Der Versuch, den idealen Einstiegszeitpunkt zu treffen, ist eine der größten Illusionen an der Börse. Kurzfristig ist der Aktienmarkt launisch, schwankt zwischen Euphorie und Panik und reagiert empfindlich auf Nachrichten. Langfristig zeigt sich jedoch ein völlig anderes Bild. Über die Jahre gleichen sich Schwankungen aus und Aktien zählen zu den renditestärksten Anlageformen überhaupt.
Rendite ist der Preis für Risiko - und Zeit ist der Faktor, der dieses Risiko deutlich reduziert. Kurzfristig spiegelt die Börse die Stimmung wider, langfristig jedoch die Wertschöpfung, die sich aus wirtschaftlichem Wachstum, technischem Fortschritt und menschlichem Erfindergeist ergibt.
Ein anschauliches Beispiel hierfür liefert das Dax-Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts. Es zeigt: Je länger Anleger investiert bleiben, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts. So sind bei einer Haltedauer von zehn Jahren Verluste selten und nach 15 Jahren nahezu ausgeschlossen.
Zeit zahlt sich aus
Für Anlagezeiträume von 20 Jahren und mehr erzielte der Dax im Durchschnitt eine Rendite von rund acht Prozent pro Jahr. Und das in einer Zeit, die alles andere als ruhig war: Die Dotcom-Blase, die Finanzkrise, die Eurokrise und die Corona-Pandemie liegen alle innerhalb dieses Zeitraums. Die Quintessenz ist eindeutig: Nicht das perfekte Timing, sondern Geduld entscheidet über den Anlageerfolg
"Time in the market beats timing the market": Die Zeit im Markt ist wichtiger als der perfekte Einstiegszeitpunkt. Wer ständig ein- und aussteigt, verpasst häufig die besten Börsentage, die oft in Phasen großer Unsicherheit auftreten. Hinzu kommt der wohl mächtigste Effekt des langfristigen Investierens: der Zinseszins. Albert Einstein nannte ihn das "achte Weltwunder". Gewinne erwirtschaften neue Gewinne - und dieser Prozess beschleunigt sich mit jedem Jahr.
Ein breit diversifiziertes Portfolio ist daher wichtiger als Market Timing. Rückblickend wäre es ideal gewesen, ausschließlich in die sogenannten "Magnificent 7" investiert zu sein. Doch die Wahrscheinlichkeit, heute erneut genau die Gewinner der kommenden zehn Jahre auszuwählen, ist gering. Langfristig erfolgversprechender ist ein Portfolio, das die Entwicklung der internationalen Aktienmärkte möglichst breit abbildet und Schwankungen aushalten kann.
Letztendlich ist kluges Investieren weniger die Jagd nach dem perfekten Moment als vielmehr die Kunst, typische Fehler zu vermeiden: nicht in Panik zu verkaufen, nicht jeder Mode hinterherzujagen und der eigenen Strategie treu zu bleiben. Wer das schafft, gibt der Zeit die Chance, ihre stärkste Wirkung zu entfalten - und genau darin liegt der Schlüssel zum langfristigen Anlageerfolg.
Die 25.000 Euro-Frage
Für Anleger, die in diesem Umfeld langfristig 25.000 Euro anlegen möchten, macht folgende Aufteilung Sinn:
Aktien sollten mit mindestens 50 Prozent der Hauptbestandteil des Portfolios darstellen. Nicht nur weil Aktien auf lange Sicht höhere Renditen als verzinste Anlagen versprechen, sondern vor allem auch, weil sie in der heutigen Zeit, in der hohe Staatsschulden die Geldwertstabilität in Frage stellen, als Sachwert besser Schutz vor Kaufkraftverlust bieten. Aus gleichem Grund gehört auch Gold mit fünf bis zehn Prozent ins Depot. Der verbleibende Betrag sollte in Anleihen mit Laufzeiten von nicht mehr als fünf bis sieben Jahren investiert werden. So hat man für etwaige Notfälle in der Regel immer ausreichend Liquidität zur Verfügung.
Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.
Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der FIDUKA zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die FIDUKA gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben.