Wirtschaft

n-tv Reporter auf der Air Show Was die ILA Besuchern bietet

Riesenjets, Raketen und ein umfangreiches Flugprogramm: Pünktlich zum Wochenende startet Deutschlands wichtigste Luft- und Raumfahrtmesse für das breite Publikum. Im Interview erklärt n-tv Reporter Carsten Lueb die wichtigsten Trends der ILA 2018.

n-tv.de: Carsten, du begleitest die Berliner Luftfahrtmesse für n-tv seit Jahren und hast dabei zahllose Gespräche mit Experten geführt. Wie schätzt du die Entwicklung ein - was ist in diesem Jahr neu, was ist auf der ILA 2018 anders?

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Berichtet live von der ILA: n-tv Reporter Carsten Lueb

(Foto: n-tv.de)

Carsten Lueb: Hier auf dem Ausstellungsgelände an der Südbahn des künftigen Hauptstadtflughafens sind in diesem Jahr zunächst einmal mehr Flugzeuge zu sehen und das Programm der Flugshow ist umfangreicher als die letzten beiden Male. Die Veranstalter werben ja mit dem Slogan "Best ILA ever". Aus meiner Sicht ist es zumindest die beste ILA seit einigen Jahren. Vor zehn Jahren war hier schon einmal richtig was los. In den Jahren danach wurde es dann deutlich weniger. Boeing zum Beispiel hatte sich zeitweise komplett zurückgezogen. Die Bundeswehr war sehr viel schwächer vertreten. Man kann fast sagen, die ILA ist wieder da - auch mit allem, was sie anbietet.

Woran liegt das?

Wir reden hier ja über eine Industrie, die gerade extrem erfolgreich ist. Für die Luftfahrt gibt es einfach großen Bedarf. Der Flugverkehr wächst weltweit, die Nachfrage nach neuen Maschinen ist gigantisch - einerseits, weil es künftig noch sehr viel mehr Passagiere geben wird und andererseits, weil mittlerweile auch die 'alten Schleudern' ausgemustert werden müssen. Dazu kommt, dass die Fluggesellschaften sehr viel sensibler für Themen wie Fluglärm, Kerosinverbrauch oder auch CO2-Ausstoß geworden sind. Ähnlich wie in der Autoindustrie diskutiert die Branche über Zero-Emission-Antriebe. Da bin ich aber sehr skeptisch. Schon Ende des kommenden Jahrzehnts sollen elektrisch betriebene oder solargetriebene Flugzeuge auf den Markt kommen, heißt es. Das glaube ich aber erst, wenn ich es sehe.

Von der Pressetribüne aus hast du einen hervorragenden Überblick über das Ausstellungsgelände. Welche Maschinen fallen dir in diesem Jahr besonders auf?

Ehrliche Antwort? Die Antonow An-225 (Anm.: das größte und schwerste Flugzeug der Welt), weil sie direkt bei uns im Blickfeld steht. Die nervt echt ein bisschen. Aber im Ernst: Eines der spannendsten Themen hier ist sicher die F-35 von Lockheed Martin. Zur ILA haben die Amerikaner ja offiziell eine Bewerbung für die Maschine als Tornado-Nachfolger abgegeben - weil sie die natürlich verkaufen wollen. Das ist auch eine spannende politische Frage, die in der breiten Öffentlichkeit vielleicht noch nicht richtig angekommen ist. Aber in den Hinterzimmern und Lounges der ILA wird das natürlich ausführlich diskutiert. Auch Frau von der Leyen wird bei ihrem ILA-Besuch aufgefallen sein, dass die F-35 in Berlin auf dem Rollfeld steht.

Und bei den zivilen Passagierflugzeugen?

Spannend finde ich persönlich, dass der Airbus A380 (Anm.: der größte Passagierjet der Welt) hier auf der ILA zu sehen ist. Der A380 hat ja extreme Probleme - also nicht das Flugzeug an sich, sondern die Fluggesellschaften haben Schwierigkeiten, die Dinger vollzukriegen. Die Golf-Airline Emirates hat ihr 100. A380-Exemplar mit Jubiläumslackierung zur ILA geschickt - die fliegen ja wie doll mit diesen Riesenjets. Die Lufthansa dagegen verschiebt ihren A380 nach München und sucht verzweifelt nach Strecken, auf denen sie den A380 einsetzen könnte, um ihn besser auszulasten.

Wie passt das zusammen?

Das ist ein ganz heißes ILA-Thema: Es sieht so aus, als gehörten den kleineren Langstreckenjets die Zukunft. Der A350, der hier ebenfalls gezeigt wird, ist ja das direkte Gegenstück von Airbus zu Boeing-Fliegern wie der 777 oder der 787 "Dreamliner". Im Prinzip steht dahinter die philosophische Frage: Setze ich auf das Hub-System und bringe möglichst viele Leute nach A, um dann mit großen Maschinen von A nach B zu fliegen - oder nehme ich kleinere Flugzeuge und fliege von A, B und C nach D, E und F? An den Publikumstagen der ILA dürfte sich die Masse der Besucher jedoch mehr für die Maschinen interessieren: Die wollen die Dinger fliegen sehen und das bekommen sie.

Wie sieht denn der typische ILA-Besucher aus?

Viele kennen sich sehr gut aus: Sie kennen die Maschinen, die verschiedenen Typen und die Details. Manche kommen auch zur ILA, um kuriose Oldtimer-Flugzeuge, die selten gezeigt werden, aus der Nähe zu bestaunen. Andere nutzen die Chance, um militärisches Gerät, das sonst nur in den Nachrichten auftaucht, mit eigenen Augen zu sehen. Neben Technikromantikern und echten Flugzeugfans kommen aber auch Familien in Scharen. Viele bringen Snacks, Wasser und Fotoapparat mit, um sich dann stundenlang Flugzeuge anzuschauen. Der Kick ist dabei natürlich, dass die Flieger hier nicht einfach nur starten und landen.

Auf was sollten Besucher besonders achten?

Auf die Wettervorhersage, gutes Schuhwerk, regenfeste Kleidung. Auch Sonnencreme dürfte wichtig werden. Ich hoffe mal, dass es etwas wärmer wird. Dann sollte man natürlich immer wieder einen Blick in das Programm werfen. Das geht ganz nach Geschmack: Will man mal die große Passagiermaschine sehen oder die Kunstflugstaffel der Spanier? In den Flugsimulator oder in die Raumfahrtausstellung? Bei der Flugshow gilt, dass der Ablauf wechseln kann - aber das lässt sich ja der App oder der Webseite entnehmen.

Du kommentierst das Flugprogramm der ILA live für n-tv direkt vom Flugfeld: Was sind für dich in diesem Jahr die Highlights?

Für mich persönlich ist das der A350. Der fliegt während der ILA Manöver, die im normalen Alltagsbetrieb niemals vorkommen. Da gibt es offenbar enorme Sicherheitsreserven und das ist ja auch genau das, was die Hersteller demonstrieren wollen. Was man so auch selten sieht, sind die Loopings und Kurven der Kampfjets. Die schnellste und lauteste Maschine aus dem Flugprogramm ist in diesem Jahr der Eurofighter. Die F-35 fliegt ja auf der ILA nicht.

Mit Carsten Lueb sprach Martin Morcinek

 

Quelle: n-tv.de

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