Wirtschaft

Studie zur Klima-Umrüstung "Wasserstoff ist der ganz teure Champagner"

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Auto an der Wasserstoff-Tankstelle: Aus Sicht der Studie wird der Energieträger im Straßenverkehr nicht die entscheidende Rolle spielen.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Es wird ernst: Deutschland soll bis 2050 klimaneutral werden. Doch dafür sind erhebliche Anstrengungen nötig, moniert eine Studie von Umwelt-Denkfabriken. Etwa müsse sich der Zubau an erneuerbarer Energie in den kommenden zehn Jahren verdreifachen. Denn Strom wird dann sogar mehr benötigt als heute.

In 30 Jahren soll Deutschlands Treibhausgas-Ausstoß netto bei null liegen - einer neuen Studie zufolge braucht es dafür deutlich mehr Ökostrom als bisher geplant und einen Komplett-Stopp für Investitionen in fossile Technologien ab 2030. "Die Bundesregierung hat Klimaneutralität 2050 beschlossen, aber sie hat keinen Plan dafür", kritisierte der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen.

Wie Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und die Stiftung Klimaneutralität errechnet haben, müsste der Zubau an Wind- und Solaranlagen schon in den nächsten zehn Jahren in etwa verdreifacht und das deutsche Klimaziel für 2030 auf 65 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 angehoben werden. Zudem müsse das Ziel sein, im Jahr 2030 einen Ökostrom-Anteil von 70 Prozent statt 65 Prozent zu erreichen. Statt wie bisher angepeilt 10 Millionen Elektroautos müssten bis dahin 14 Millionen auf der Straße sein, sagte Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

In einem zweiten Schritt sollten die Emissionen bis 2050 dann um 95 Prozent sinken - was an Treibhausgasen noch übrig bleibt, etwa aus der Zementproduktion oder der Landwirtschaft, müsste über natürliche und technische Lösungen der Atmosphäre entzogen und gespeichert werden.

Kohleausstieg schon bis 2030 notwendig

Der Kohleausstieg, der derzeit für spätestens 2038 geplant ist, müsste bis 2030 abgeschlossen sein, heißt es in der Studie weiter, Öl- und Gasausstieg müssten folgen. Dazu gehöre, dass ab 2030 fossile Technologien - wie klassische Verbrennungsmotoren oder Öl- und Erdgas-Heizungen - zwar noch genutzt, aber nicht mehr neu verkauft und installiert werden dürften.

Auch Wasserstoff als Energieträger spielt eine große Rolle in den Überlegungen - allerdings nicht da, wo Strom direkt eingesetzt werden kann wie beim Heizen oder beim Straßenverkehr. "Der Wasserstoff ist der ganz teure Champagner der Energiewende", sagte Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität.

Strombasierte Kraftstoffe, brauche es vor allem im Flug- und Schiffsverkehr, aber etwa auch in der Stahlproduktion und anderen Industrien. Die Studienautoren gehen davon aus, dass der deutsche Strombedarf bis 2050 um die Hälfte höher liegen wird als heute, obwohl der Energiebedarf insgesamt um die Hälfte sinkt - weil Strom als Energieträger Kohle, Öl und Gas ersetzt und für die Produktion von Wasserstoff sehr viel Strom nötig ist.

Quelle: ntv.de, kst/dpa