Wirtschaft

Inhaftierter bleibt Audi-Chef Weil hält aus "Fairness" an Stadler fest

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Als Niedersächsischer Ministerpräsident vertritt Weil sowohl die Interessen des Volkes, als in seiner Funktion als Aufsichtsrat auch die des VW-Konzerns.

(Foto: dpa)

Wegen seines Agierens in der Dieselkrise steht Audi-Chef Stadler in der Kritik. Doch auch seine Verhaftung bringt ihn nicht ins Wanken. Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied Weil begründet das mit dem "Gebot der Fairness".

Trotz der Ermittlungen gegen Rupert Stadler und dessen Untersuchungshaft erwägt Großaktionär Niedersachsen nicht, den Audi-Chef von seinem Posten zu entbinden. Für Stadler gelte die "Unschuldsvermutung", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil der "Süddeutschen Zeitung". Es seien noch viele Fragen offen. "Da ist es ein Gebot der Fairness, die Aufklärung erst einmal abzuwarten", so Weil weiter.

Die Entscheidung der Aufsichtsräte von Audi und Volkswagen, keinen Interimsnachfolger für den seit Anfang der Woche in Untersuchungshaft einsitzenden Stadler zu ernennen, hatte für Aufsehen gesorgt. Zum einen ist das Unternehmen, das sich jüngst neuen schweren Vorwürfen in der Dieselaffäre ausgesetzt sah, auf unbestimmte Zeit führungslos. Zum anderen stand Stadler wegen seines Agierens in der Affäre seit langem in der Kritik. Zahlreiche Aktionäre und Experten hatten schon vor der Inhaftierung seine Ablösung gefordert. Als Audi im vergangenen Jahr einen Großteil seiner Vorstandsmitglieder austauschte, blieb Stadler jedoch für viele Beobachter überraschend im Amt.

Weil nannte Stadlers Verhaftung "schmerzhaft". Der Aufsichtsrat habe aber "sichergestellt, dass das Unternehmen handlungsfähig bleibt." Stadler war zu Wochenbeginn verhaftet worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Als Grund nannte die Behörde "Verdunkelungsgefahr". Stadler soll versucht haben, Zeugen zu beeinflussen. Die Ermittler werfen ihm im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre und der Manipulation bei der Messung des Schadstoffausstoßes von Diesel-PKW unter anderem Betrug vor.

Gründliche Justizmühlen

Weil bekräftigte zudem sein Vertrauen in die Aufarbeitung des Abgasskandals durch die Justiz. Mit der Zahlung einer Geldbuße von einer Milliarde Euro durch VW an Niedersachsen sei diese Aufarbeitung keineswegs abgeschlossen. "Das war nur der Abschluss eines von vielen Verfahren." Viele Straf- und Zivilverfahren gegen Volkswagen liefen noch. "Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, das räume ich ein", sagte Weil. "Aber die Mühlen mahlen gründlich, davon ist nicht nur der Jurist in mir überzeugt."

Zur Aufarbeitung des Skandals gehört laut Weil auch, dass VW Schadensersatzansprüche gegen die Verantwortlichen wie Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn prüft. "Das ist nicht nur so dahingesagt", betonte Weil, der Niedersachsen auch im VW-Aufsichtsrat vertritt. "Wenn wir das Ergebnis der Ermittlungen kennen, wird es Entscheidungen geben."

Quelle: n-tv.de, mbo