Wirtschaft

Erste Verluste seit Finanzkrise Wells Fargo geht baden, JP Morgan erfreut

2020-07-14T124202Z_1359631629_RC20TH9WP6S8_RTRMADP_3_WELLS-FARGO-RESULTS.JPG

Wells Fargo will seine Dividende auf zehn Cent je Aktie kürzen.

(Foto: REUTERS)

Um sich für Kreditausfälle zu wappnen, legen die US-amerikanischen Großbanken mehrere Milliarden Dollar beiseite. Bei JP Morgan steht im zweiten Quartal trotzdem ein dickes Plus. Wells Fargo rutscht dagegen erstmals seit der Finanzkrise in die roten Zahlen.

Die US-amerikanische Großbank Wells Fargo ist wegen der Corona-Krise im zweiten Quartal erstmals seit der Finanzkrise in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar an, nach einem Gewinn von 6,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. "Unsere Einschätzung über die Dauer und Schwere des Konjunktureinbruchs hat sich gegenüber dem letzten Quartal deutlich verschlechtert", sagte Vorstandschef Charlie Scharf. Deshalb habe die Bank ihre Rückstellungen für faule Kredite auf 9,5 Milliarden Dollar aufgestockt. Zugleich soll die Dividende für das dritte Quartal auf zehn Cent je Aktie gekürzt werden. Die Aktie reagierte vorbörslich mit Kursverlusten.

Wells Fargo
Wells Fargo 19,11

Auch bei JP Morgan brach der Gewinn wegen der Corona-Pandemie im zweiten Quartal ein. Die größte US-Bank schlug sich allerdings besser als gedacht: Der Überschuss ging zwar im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte zurück, das Plus beträgt aber trotz Krise noch 4,7 Milliarden Dollar. Die in den vergangenen Monaten stark gebeutelte Aktie legte im vorbörslichen Handel um vier Prozent zu.

Hauptgrund für die Einbußen waren auch bei JP Morgan die um gut 9 Milliarden auf 10,5 Milliarden Dollar aufgestockten Rückstellungen für faule Kredite. Wegen der Corona-Pandemie gehen immer mehr Unternehmen Pleite, immer mehr Verbraucher können in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit ihre Rechnungen nicht mehr zahlen.

Wells Fargo ist vorbelastet

JP Morgan Chase
JP Morgan Chase 85,06

"Trotz zuletzt einiger positiver Konjunkturdaten und entschlossener Maßnahmen der Regierung, herrscht nach wie große Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten", sagte Vorstandschef Jamie Dimon. Die Bank sei mit ihrer starken Bilanz aber für Ungemach gewappnet und werde weiterhin Dividenden zahlen - außer die Wirtschaftslage trübe sich erheblich ein.

Ein Lichtblick waren für JP Morgan im zweiten Quartal die Erträge im Kapitalmarktgeschäft und im Investmentbanking. Sie stiegen um 15 Prozent auf fast 34 Milliarden Dollar. Insbesondere der Anleihenhandel brummte, aber auch im Aktienhandel ging es ordentlich nach oben. Dadurch konnte JP Morgan die Belastungen aus den gesunkenen Zinsen wettmachen: Im Kampf gegen die Corona-Krise hat die US-Notenbank Fed den Leitzins auf beinahe Null Prozent gesenkt.

Für Wells Fargo ist das keine Option: Die Bank hält sich im Investmentbanking und im Kapitalmarktgeschäft traditionell zurück. Zudem ist das Geldhaus wegen Auflagen aufgrund von Affären um fingierte Konten und anderer dubioser Geschäftspraktiken ohnehin stark vorbelastet.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa