Wirtschaft

Unterhaching will an die Börse Wem machen Fußball-Aktien Freude?

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Am letzten Spieltag fertigte Unterhaching Osnabrück mit 4:1 ab.

(Foto: imago images / pmk)

Borussia Dortmund, FC Arsenal, Juventus Turin: An der Börse finden sich große Fußballklubs - und bald auch Drittligist Unterhaching. Ob das eine gute Idee ist, muss sich erst zeigen.

Es war der dunkelste Moment in Michael Ballacks Profikarriere. Unterhaching versaute am 20. Mai 2000 im letzten Saisonspiel Bayer Leverkusen die Meisterschaft - und gerade Ballack, damals bester deutscher Spieler, leitete die Niederlage mit einem Eigentor ein. Momente wie diese zeigen, dass Erfolg im Fußball nicht planbar ist, denn Bayer Leverkusen war als Tabellenerster der haushohe Favorit.

Ausgerechnet die ein Jahr später abgestiegenen und mittlerweile drittklassigen Unterhachinger wollen nun an der Börse frisches Kapital einsammeln, um wieder erfolgreich zu sein. Erfolg heißt für den Münchener Vorstadtklub, den Aufstieg in die zweite Liga in zwei bis drei Jahren zu schaffen. Dazu will er beim Gang aufs Parkett der Börse München die angebotenen Aktien zu jeweils 8,10 Euro anbieten und brutto 7,7 Millionen Euro einnehmen. Die Zeichnungsfrist beginnt am Montag, Ende Juli soll dann der Schritt an die Börse erfolgen.

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BVB 9,22

Abseits von Unterhaching sind es vor allem große Traditionsklubs, die an der Börse notiert sind: Juventus Turin, Manchester United, Arsenal London, Ajax Amsterdam oder der deutsche Vize-Meister Borussia Dortmund, der bis dato einzige deutsche Fußballverein an einer Börse. Insgesamt gibt es mehr als 20 börsennotierte Fußballvereine in Europa, die ihre Profiabteilung ausgegliedert und in eine Aktiengesellschaft überführt haben. Die BVB-Aktie ist im Nebenwerteindex SDax notiert und liegt in diesem Jahr bisher mit einem Kursplus von knapp zwölf Prozent immerhin im Mittelfeld der Index-Tabelle.

Kurse schwanken kräftig

Ajax Amsterdam
Ajax Amsterdam 18,00

Als recht kleiner Titel ist der Kurs der BVB-Aktie ziemlich volatil. Ein Blick auf den Europe Football Index zeigt jedoch, dass sich Fußball-Aktien trotz der Schwankungsintensität lohnen können. In diesem Jahr schaffte der Fußball-Index ein Plus von fast 14 Prozent und erreichte damit fast die Kursentwicklung des deutschen Leitindex Dax, der auf rund 18 Prozent kommt. Die Risiken bleiben allerdings schwer zu kalkulieren: Zwar können Vereine durch eine geschickte Transferpolitik Millionen verdienen, aber der Unterschied zu herkömmlichen Aktien ist eindeutig: Der Zufall spielt eine entscheidende Rolle. Wenn sich ein Top-Star verletzt oder wie im Falle von Bayer Leverkusen ein entscheidendes Spiel verloren wird, gehen wichtige Einnahmen und damit Gewinnmöglichkeiten flöten.

Und genau diese beiden Faktoren bestimmen den Erfolg einer Aktie, weshalb neben der sportlichen Entwicklung auch Transfers den Kurs beeinflussen. Der Verkauf der Dortmunder Spitzenspieler Dembelé für mehr als 100 Millionen Euro oder Aubameyang für mehr als 60 Millionen Euro ist ein Beispiel hierfür. Eine andere immense Einnahmequelle sind die regelmäßigen hohen Zahlungen aus der Champions League von insgesamt mehr als 1,3 Milliarden Euro im Jahr an die Teilnehmer. "Entscheidend für den Erfolg einer Fußball-Aktie ist die Teilnahme an der Champions League", sagt Gabriel Michaeli vom Broker Trade.com, der Aktien von Fußballvereinen im Angebot hat. "Die zu verteilenden Einnahmen sind dort nicht nur deutlich höher als in den Heimatligen, sie betragen insgesamt auch mehr als das Dreifache aus dem europäischen Konkurrenzwettbewerb, der Europa League."

Da viele börsennotierte Vereine auch in der Champions League spielen, ist ihnen ein Teil der zu vergebenden Prämien sicher. Allerdings ist diese Abhängigkeit ein Problem, wie Dortmund etwa im vergangenen Jahr gezeigt hat. Nach einer durchwachsenen Saison mit überwiegend fallendem Aktienkurs rettete sich der BVB erst am Saisonende in die Champions League. Die Aktie stürmte daraufhin nach oben und verdoppelte sich fast in den kommenden acht Monaten, als Dortmund in der Hinrunde die Tabelle lange anführte und auch in der Champions League erfolgreich war. Und in diesem Frühjahr ging es für die Aktie steil abwärts, nachdem sich der BVB bei Tottenham Hotspur eine Klatsche abgeholt hatte.

Das zeigt: Fußball-Aktien sind etwas für Fans, die auch in einer Schwächephase zu ihrem Klub halten und deshalb die Aktien selbst bei einer Serie von Misserfolgen nicht verkaufen. Geht es dann doch irgendwann sportlich aufwärts, dürfen sie sich über Kursgewinne freuen.

Bei Unterhaching müssen Anleger derweil hoffen, dass der Vorstadtclub seinen Heimvorteil an der Börse München besser ausspielt als in der letzten Rückrunde. In dieser Zeit blieb das Team über Wochen und Monate ohne Torerfolg und brachte seine Anhänger schier zur Verzweiflung.

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Quelle: n-tv.de