Wirtschaft

Drei Kandidaten in der engeren Wahl Wer darf bei VW ans Steuer?

Innerhalb einer Woche ist bei Europas größtem Autohersteller Volkswagen nichts mehr, wie es war: Statt den Vertrag mit Konzernchef Winterkorn erneut zu verlängern, müssen die Aufseher schnell einen Nachfolger finden.

Es ist einer wichtigsten Chefsessel der weltweiten Autobranche - und nach dem Rücktritt von Martin Winterkorn frei. Bereits in den kommenden Tagen will der Aufsichtsrat über die Neubesetzung des Postens beraten. Und bereits seit Bekanntwerden der Abgas-Affäre werden immer wieder drei Namen genannt. Bereits in den kommenden Tagen will der Hersteller eine Lösung finden.

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Beste Aussicht auf den Vorstandsvorsitz werden dem amtierenden Porsche-Chef Matthias Müller nachgesagt. Sein Plus ist seine vergleichsweise lange Zugehörigkeit zum Konzern. Der 62-Jährige war während des Machtkampfs zwischen Winterkorn und VW-Patriarch Ferdinand Piëch im Frühjahr als Kandidat für eine Übergangszeit gehandelt worden. Angesichts seines Alters dürfte sich an diesem Status daran wenig geändert haben.

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Porsche-Chef Müller

(Foto: picture alliance / dpa)

Müller ist seit bald vier Jahrzehnten im VW-Konzern: Er lernte bei Audi in Ingolstadt Werkzeugmacher und kehrte nach dem Informatikstudium dorthin zurück. "Ich bin ein Konzernzögling", hatte das VW-Vorstandsmitglied zuletzt betont. Als Winterkorn 2007 als Chef von Audi an die VW-Spitze wechselte, ging Müller als Produktstratege mit ihm nach Wolfsburg. Nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche, die schließlich mit der Unterordnung von Porsche als VW-Marke endete, übernahm er 2010 die Porsche-Führung und trieb den Absatz auf neue Rekordhöhen.

Diess? Zu frisch. Stadler? Falscher Beruf.

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Audi-Chef Stadler

(Foto: picture alliance / dpa)

In der engen Auswahl daneben dem Vernehmen nach Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Markenchef Herbert Diess. Letzterer gehört allerdings erst seit Juli zum Konzern. Vorher arbeitete der 56 Jahre alte Münchner für den Konkurrenten BMW. In Wolfsburg übernahm er von Winterkorn die Führung der schwächelnden Hauptmarke VW. Die Personalie Diess wäre indes das deutlichste Signal nach außen, dass es der Zwölf-Marken-Konzern ernst meint mit dem nun postulierten Neuanfang.

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Herbert Diess.

(Foto: picture alliance / dpa)

Allerdings wird Diess wohl nicht von allen mit Applaus an der Konzernspitze begrüßt werden. Gilt der Münchener doch als harter Sanierer, der Sparprogramme kompromisslos gegen Kritik der Belegschaft durchsetzt. Bei BMW war der promovierte Maschinenbau-Ingenieur nach rund zehn Jahren 2007 in den Vorstand als Einkaufschef aufgestiegen, um mit Milliardeneinsparungen die Rendite hochzutreiben. Vorübergehend galt er sogar als Nachfolger für BMW-Chef Norbert Reithofer. Doch dessen Stuhl übernahm Produktionschef Harald Krüger.

Bleibt noch der als Kronprinz gehandelte Audi-Chef Stadler. Der 52-Jährige begann seinen Aufstieg bei VW 1997  - als Büroleiter des damaligen Chefs Piech. Bei der Ingolstädter Tochter übernahm er 2003 erst das Finanzressort und rückte vier Jahre später an die Spitze der Vier-Ringe-Marke. Und auch wenn Stadler zusammen mit Porsche den Löwenanteil zum Konzerngewinn beiträgt, hat er doch einen entscheidenden Makel, den er zudem nicht mehr loswird. Die Tradition in Wolfsburg will es, dass an der Spitze ein Ingenieur steht. Stadler aber ist "nur" Betriebswirt.

Quelle: n-tv.de, mit rts

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