Wirtschaft

Killt Peking die Weltkonjunktur? Wie Trumps Handelskrieg China trifft

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Sowohl Xi Jinping (li.) als auch Donald Trump (re.) spüren die Kosten des Handelskriegs.

(Foto: REUTERS)

Im Zollstreit mit Peking gibt sich Donald Trump zunehmend siegesgewiss: In China stottert das Wachstum, Präsident Xi Jinping gerät unter Druck. Einknicken dürfte er trotzdem nicht. Eher riskiert er einen Crash der Weltwirtschaft.

Im Handelskrieg zwischen den USA und China herrscht momentan Waffenstillstand. Drei Monate Zeit haben sich beide Seiten gegeben, um bis Anfang März eine Lösung in dem festgefahrenen Konflikt zu finden. Eine weitere US-Delegation reist deshalb am Montag zu neuen Gesprächen nach Peking. Im Gepäck hat sie eine Gewissheit: Nach mehr als einem halben Jahr Handelskrieg zeigen sich wegen der enormen Zölle nicht nur bei Amerikas Sojabauern, Harley Davidson, Whirlpool, General Motors und Apple deutliche Bremsspuren, sondern auch in Chinas Wirtschaft.

Schon seit 2007 flaut das Wachstum im Reich der Mitte immer weiter ab: Statt bei über zehn liegt es jetzt nur noch unter sieben Prozent (siehe Grafik). Das ist durchaus normal, da sich die Konjunktur in Wellen bewegt und auf ein Jahrzehnt des Booms bis zur Finanzkrise nun zwangsläufig eine Abkühlungsphase folgt. Der natürliche Abschwung wird allerdings durch den Handelskrieg verschärft. Trumps Strategie der Stärke hat offenbar Erfolg.

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Hinter verschlossenen Türen räumen Chinas Kader das inzwischen offenbar ein. Bisher hätte die Parteiführung die Folgen heruntergespielt, nun setze sich in Peking mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass der Zollkrieg das Wachstum bedrohe, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf hochrangige Offizielle im KP-Hauptquartier. Besonders die auf den Export ausgerichtete verarbeitende Industrie würde härter getroffen als erwartet.

Verluste darf es offiziell nicht geben

Wieder was gelernt

Falls Sie wissen möchten, warum China im Handelsstreit mit den USA noch über eine "Nukleare Option" verfügt, hören Sie rein in diese Folge von "Wieder was gelernt", dem Podcast von n-tv.de. Abonnieren Sie unsere Podcasts auch auf iTunes, Spotify und Deezer oder per Feed in der Podcast-App Ihrer Wahl.

Die Flaute zeigt sich auf ganzer Breite: Sowohl bei kleinen Firmen als auch großen Staatsbetrieben gehen die Aufträge zurück. Im Dezember fiel der Einkaufsmanagerindex überraschend auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Chinas Industrie schrumpft damit ganz offiziell. Einige Funktionäre wollen das trotzdem nicht wahrhaben: Laut "WSJ" hat Chinas nationale Statistikbehörde einen monatlichen Index, der das Industriewachstum in der südchinesischen Provinz Guangdong misst, kurzerhand verboten, nachdem er zurückgegangen war. Die Regionalregierung der Provinz, in der ein Großteil der Exportindustrie sitzt, hätte kein Recht, den "illegalen" Index herauszugeben, hieß es zur Begründung. Obwohl er schon seit 2011 erschienen war.

Die Angst, dass der Handelskrieg mit den USA das Wachstum im Reich der Mitte vollends abwürgt, ist allgegenwärtig. Nicht nur in der Exportindustrie geht es abwärts. Auch Chinas Verbraucher halten sich zunehmend zurück. In vielen Autofabriken werden die Schichten zusammengestrichen, weil der Markt einen historischer Einbruch erlebt: Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten dürfte der Autoabsatz in China nicht zweistellig gewachsen sondern geschrumpft sein.

Auch dem offiziellen Wachstumsziel von 6,5 Prozent trauen viele Experten und Investoren längst nicht mehr. Laut "WSJ" befürchten einige chinesische Ökonomen und Regierungsberater, dass der Zuwachs in Wirklichkeit längst unter die ausgegebene Marke gefallen ist. "Wie schlimm es wird und wie stark wir die Wirtschaft ankurbeln müssen, wird weitgehend davon abhängen, wie schnell wir den Handelskonflikt mit den USA beilegen können", zitiert die Zeitung einen der Berater.

Diktatur vs. Demokratie: Wer hält länger durch?

Natürlich versucht Peking längst gegenzusteuern. Am Freitag hat die chinesische Zentralbank den Mindestreservesatz weiter gesenkt, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Schon im vergangenen Jahr hatten die Währungshüter die Vorgabe viermal heruntergeschraubt. Sie schreibt den Banken des Landes vor, wieviel ihres Geldes sie zurückhalten müssen, wenn sie neue Darlehen vergeben.

Zugleich legt Peking immer neue Konjunkturpakete auf: Schienenprojekte für 125 Milliarden Dollar hat die Regierung seit Anfang Dezember offiziell genehmigt. Je mehr Geld sie im Handelskrieg gegen Trump drucken, desto schneller könnte es den Planern im Politbüro allerdings ausgehen. Schon jetzt sitzen Staat und Firmen in China laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf einem Schuldenberg von schwindelerregenden 300 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ein Großteil der Kredite ist Schrott. Wenn die Blase platzt, droht dem Reich der Mitte der Crash.

US-Präsident Donald Trump gibt sich daher im Zollkrieg bereits siegesgewiss. "Ich glaube wirklich, dass sie einen Deal machen wollen. Ihre Wirtschaft läuft nicht gut", sagte er am Wochenende. Frieden zu Washingtons Bedingungen dürfte es aber kaum geben. Denn in dem Konflikt geht es um sehr grundsätzliche Probleme, die sich mit Zöllen nicht lösen lassen. Damit Patentklau, Technologietransfer und Investitionshürden für ausländische Firmen enden, müsste China sein staatsgelenktes Wirtschaftssystem aufgeben.

Chinas Präsident Xi Jinping kann es sich trotz wirtschaftlicher Nöte politisch aber nicht leisten, einzuknicken und schwach zu wirken. In den Verhandlungen geht es also darum, einen gesichtswahrenden Kompromiss zu finden. Niemand kann China zwingen, seine Versprechen zu halten, auch Donald Trump nicht. Zumal Xi Jinping länger im Amt sein dürfte als sein US-Kollege, der im nächsten Jahr abgewählt werden könnte.

Statt an den Grundfesten von Chinas Wirtschaft zu rütteln, dürfte Xi es also auf höhere Verluste im Handelskrieg mit Trump ankommen lassen. Gut möglich, dass er die Weltkonjunktur dabei mit sich reißt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt bereits vor den Folgen und sieht die Welt schlecht vorbereitet auf eine globale Rezession, die aus China kommen könnte. "Chinas Wachstum muss nachlassen, aber zu verhindern, dass es gefährlich nachlässt, ist ein wichtiges Ziel", zitiert die "Financial Times" den stellvertretenden IWF-Direktor David Lipton. Ein Abschwung wäre "auf breiter Front sehr erheblich, nicht nur in Asien".

Quelle: n-tv.de

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