Wirtschaft
Bau neuer Windräder: Über Ausschreibungen ermittelt die Bundesnetzagentur einen Durchschnittspreis zur Vergütung von Strom aus geplanten Windkraftanlagen.
Bau neuer Windräder: Über Ausschreibungen ermittelt die Bundesnetzagentur einen Durchschnittspreis zur Vergütung von Strom aus geplanten Windkraftanlagen.(Foto: picture alliance / Marijan Murat)
Mittwoch, 22. November 2017

Umstrittene "Bürgerenergie": Windstrom wird immer günstiger

Wie steht es um die Energiewende in Deutschland? Bei der jüngsten Ausschreibung zum Bau neuer Windräder im Inland sinkt der ermittelte Durchschnittspreis für Windstrom weiter. Bei den privaten Verbrauchern kommt davon jedoch wenig an.

Strom aus Windkraftanlagen wird immer günstiger - zumindest für den Steuerzahler. Bei der dritten Ausschreibung für Windkraft an Land fiel der Durchschnittspreis auf 3,8 Cent je Kilowattstunde, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. In der vorhergehenden Auktion lag der Durchschnittspreis noch bei 4,29 Cent je Kilowattstunde. Die Ausschreibungen dienen dazu, die Höhe der Einspeisevergütungen zu ermitteln, mit denen der Staat den Ausbau der Windenergie fördert.

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Der Andrang ist nach wie vor groß. Die Ausschreibung war deutlich überzeichnet. Bei einem Ausschreibungsvolumen von 1000 Megawatt wurden 210 Gebote mit einem Volumen von insgesamt 2600 Megawatt abgegeben. Am Ende erteilte die Behörde 61 Projekten den Zuschlag.

Wind-Standorte in NRW und Brandenburg

Die meisten der Windkraftprojekte, die nun den Zuschlag erhielten, sollen den Planungen zufolge in Nordrhein-Westfalen und in Brandenburg entstehen. In NRW sind nach Angaben der Bundesnetzagentur 17 Projekte vorgesehen. In Brandenburg sind es 16. Die übrigen Anlagen verteilen sich auf andere Bundesländer. Die Gewinner der Auktion haben nun viereinhalb Jahre Zeit für den Bau der Anlagen.

Wie bei den Runden zuvor konnten sich Stadtwerke und große Energiekonzerne nicht durchsetzen. "Das Ergebnis bestätigt Erfahrungen aus den vorangegangenen Ausschreibungen: Es wurden fast ausschließlich Gebote von Bürgerenergiegesellschaften bezuschlagt", erklärte Netzagentur-Chef Jochen Homann.

Stadtwerke sehen sich im Nachteil

In der Vergangenheit hatte es Kritik am Siegeszug vermeintlicher Bürgerenergiegesellschaften gegeben. Von Stadtwerken und Energiekonzernen hieß es, die Bürgergesellschaften seien in Wahrheit nur getarnte Strohfirmen professioneller Windparkprojektierer. Auch bei der jüngsten Runde gingen 99 Prozent der Zuschläge an die Bürgergesellschaften. Die Einspeisevergütung für ihren grünen Strom erhalten sie für 20 Jahre.

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Der Bundesverband Windenergie hegt mit Blick auf das Verfahren, die Förderhöhe über Ausschreibungen festzulegen, ernste Bedenken. Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht diesen Ansatz kritisch. "Das Instrument der Ausschreibung fördert den Wettbewerb, die Preise sinken - das ist die gute Nachricht", erklärte BDEW-Chef Stefan Kapferer. "Die schlechte Nachricht ist, dass wir es weiterhin mit einer Marktverzerrung durch das Bürgerenergie-Privileg zu tun haben." Die aktuellen Ergebnisse der dritten Ausschreibungsrunde zeigen demnach erneut, dass "das vom Gesetzgeber zum Schutz von kleinen Akteuren vorgesehene Privileg zum Regelfall wurde und von großen Projektierern in Anspruch genommen wird".

Die Ausschreibungen sind Teil der Neuausrichtung der deutschen Energieversorgung. Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetz sind dazu auch schrittweise sinkende Einspeisevergütungen vorgesehen. Insgesamt soll das System staatlich gestützter Preise für Ökostrom sicherstellen, dass eine nachhaltige und umweltverträgliche Energieerzeugung genügend Anschubfinanzierung erhält, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein.

Fast ein Drittel Ökostrom

Seit der Einführung des EEG ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch, also der insgesamt in Deutschland verbrauchten elektrischen Energie, von rund sechs Prozent im Jahr 2000 auf 31,7 Prozent im Jahr 2016 gestiegen, heißt es beim Bundeswirtschaftsministerium. Bei der Bruttostromerzeugung, also der insgesamt in Deutschland erzeugten elektrischen Energie, erreichten die Erneuerbaren zuletzt einen Anteil von 29,0 Prozent. Bis zum Jahr 2025 sollen der Anteil des Ökostroms im deutschen Energiemarkt auf 40 bis 45 Prozent steigen.

Für private Verbraucher dürfte der Strompreis zunächst weitgehend konstant bleiben. Obwohl die staatlichen Umlagen leicht zurückgehen und viele Konzerne 2017 etwas weniger für die Strombeschaffung im Großhandel zahlen mussten, bleibt der Preis für die Haushaltskunden nahezu unverändert hoch. Der deutsche Strompreis bleibe insgesamt auf einem der Spitzenplätze in Europa, heißt es. Verbraucherschützer kritisieren, dass Versorger Entlastungen nicht an die Endkunden weitergäben.

Knapp 30 Cent je Kilowattstunde

Die Energieunternehmen sehen den Staat in der Verantwortung: Die staatlichen Umlagen lägen weiter bei mehr als der Hälfte des Gesamtpreises, erklärte der Chef des Branchenverbandes BDEW, Stefan Kapferer. Den Stromanbietern bleibe kaum noch Spielraum für die Preisgestaltung.

Aktuell liegt der Preis für Haushaltskunden durchschnittlich bei 29,2 Cent pro Kilowattstunde. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2000. Deutschlands Stromkunden müssen - je nach Tarif - im Schnitt zwischen 1100 und 1400 Euro jährlich für die Versorgung eines vierköpfigen Durchschnittshaushalts (4000 Kilowattstunden) zahlen.

Quelle: n-tv.de

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