Wirtschaft

Die Milliarden-Euro-Frage Wird der BER jemals Gewinne einfliegen?

136752054.jpg

Der Bezwinger des BER-"Monsters" Lütke Daldrup hat wieder nur ein Etappenziel erreicht: "Wir werden weitere Hilfe unserer Eigentümer benötigen.“

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach seinem Start erwarten den Hauptstadtflughafen schon wieder neue Turbulenzen: Auch ohne Corona wäre er auf Jahre hinaus ein Sanierungsfall. Mit dem Virus hört BER-Chef Lütke Daldrup die Kosten-Uhr noch schneller ticken.

Bislang dachten die Verantwortlichen, der BER würde ungefähr von 2024 oder 2025 an seine Kosten einspielen. Davon ist inzwischen keine Rede mehr. Mindestens sechs Milliarden Euro, dreimal so viel wie gedacht, hat der neue Flughafen bisher gekostet. Ob der Flughafen all diese Milliarden jemals einspielen wird, muss sich zeigen. Ein Ende der Kostenspirale ist nicht in Sicht - vor allem wegen der Corona-Pandemie.

Zwar habe die Krise den Hauptstadtflughafen BER "glücklicherweise zu einem Zeitpunkt ereilt, wo wir baulich so gut wie fertig waren", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup kürzlich im Interview. Aber dennoch: "Aus ökonomischer Sicht ist die Situation dramatisch. Wir erleben die größte Luftverkehrskrise seit dem Zweiten Weltkrieg." Im April und Mai habe die Flughafengesellschaft (FBB), die die Flughafen Schönefeld und Tegel betreibt, jeden Tag eine Million Euro verloren. Wann die ersten Gewinne möglich seien, sei eine Frage, die keiner beantworten könne - auch nicht die Fluggesellschaften.

*Datenschutz

Erst die Kostenexplosion auf der Baustelle, dann der Einbruch der Passagierzahlen durch die Corona-Pandemie. Das Virus ist ein heftiger Schlag ins Kontor. Für kommendes Jahr schätzt die Flughafengesellschaft, dass eine Finanzierungslücke von 500 Millionen klaffen wird. Belastbar sind solche Zahlen jedoch nicht. Diese Schätzung basiert auf der Annahme, dass es 2021 halb so viele Passagiere geben wird wie vor Corona. Doch niemand weiß, wie sich die Pandemie wirklich weiter entwickeln und wie sie sich auf den Flugverkehr auswirken wird.

Sicher ist: Schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Auch deshalb, weil es noch Jahre dauern wird, bis der BER seine alten Rechnungen beglichen haben wird. Auf günstige Kreditkonditionen von Banken braucht der neue Hauptstadtflughafen gar nicht erst zu hoffen. Was bleibt ist der Rotstift: Personalabbau und Verschieben beziehungsweise Streichen von Investitionen, mehr als 200 Millionen Euro sollen so eingespart werden. Und: Hoffen auf staatliche Zuschüsse.

Für den Steuerzahler bleibt das Projekt somit eine kostspielige Angelegenheit. Für dieses Jahr hat der Airport bereits Bedarf für eine Finanzspritze der öffentlichen Hand von rund 250 Millionen Euro angemeldet. Unterstützung wird nach den Worten von Lütke Daldrup wohl "bis 2024" nötig sein.

*Datenschutz
Mehr zum Thema

Der Flughafenchef kann daneben nur auf einen Impfstoff hoffen und darauf, dass Berlin im Jahresverlauf 2021 wirklich die Hälfte der Passagierzahl von 2019 erreichen wird. Da waren es knapp 35,6 Millionen. Ausgelegt ist der BER übrigens für 48 Millionen. Es ist die besondere Ironie der Geschichte des neuen Hauptstadtflughafens, dass man gedacht hatte, er würde nach jahrelanger Verspätung für das wachsende Passagieraufkommen zu klein sein.

Quelle: ntv.de