Wirtschaft

Milliardenkosten durch Zölle Wirtschaft warnt vor Brexit-"Desaster"

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"Ist der Brexit das wert?", fragen Demonstranten in Großbritannien.

(Foto: AP)

Horrende Kosten durch zusätzliche Zölle, Schwierigkeiten für Zehntausende Unternehmen, ein Einbruch der Exporte: Der Brexit droht, eine Krise auszulösen, wenn er ohne Abkommen vonstattengeht. Die deutsche Wirtschaft sieht die Politik in der Pflicht.

Ein Brexit ohne Austrittsabkommen könnte die deutsche Industrie in eine Krise stürzen. "Ein harter Brexit wäre ein Desaster, das in Europa Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitnehmern auf beiden Seiten des Ärmelkanals in größte Schwierigkeiten brächte", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, in Berlin.

Der nächste EU-Gipfel in zwei Wochen müsse einen Durchbruch in den Austrittsverhandlungen bringen. "Sonst läuft Europa Gefahr, in einen ungeordneten Brexit zu schlittern", so Lang. "Eine massive Krise wäre die Folge."

Einer Studie zufolge drohen deutschen Unternehmen im Falle eines harten Brexit Kosten in Milliardenhöhe. Sollten die Briten die EU ohne Freihandelsabkommen verlassen, würden auf die hiesigen Firmen Zölle von mehr als drei Milliarden Euro jährlich zukommen, wie aus der Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht.

Besonders die Autoindustrie dürfte leiden: Auf sie würden rund 60 Prozent der deutschen Mehrkosten entfallen, hieß es. Auf lange Sicht dürfte die Wirtschaft jedoch reagieren, also etwa die Preise anheben und Warenströme verlagern. Großbritannien will Ende März 2019 die EU verlassen. Die Austrittsmodalitäten sind derzeit noch unklar.

"Politik zum konstruktiven Handeln antreiben"

Viele Unternehmen müssten sich in diesen Tagen auf einen harten Brexit vorbereiten, sagte Lang. Einige hätten bereits angekündigt, die Produktion in Großbritannien ab April ruhen zu lassen, da sie die Lieferwege nicht sicherstellen können. Andere verlagerten bereits ihre Firmenzentrale von der Insel, passten ihre Rechtsstrukturen an und suchten neue Transportwege.

Deutsche Exporte ins Vereinigte Königreich würden der IW-Studie zufolge mit durchschnittlich 4,3 Prozent belastet. Die EU ihrerseits könnte Zölle von durchschnittlich 2,8 Prozent auf britische Exporte erheben, die Regierung in London sogar von 3,6 Prozent auf Waren aus der Rest-EU. Der Handel zwischen Großbritannien und der EU könnte dadurch um bis zu 50 Prozent einbrechen. Die deutschen Exporte auf die Insel könnten um bis zu 57 Prozent sinken.

"Dieses Horrorszenario sollte die Politik zum konstruktiven Handeln antreiben", sagt IW-Wissenschaftler Markos Jung. Rund fünf Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes würden direkt und indirekt am Handel mit den Briten hängen. Das Königreich sei damit der drittwichtigste Handelspartner für hiesige Unternehmen.

Quelle: ntv.de, mli/rts

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