Wirtschaft

Erholung verliert an Schwung Wirtschaftsaufschwung ist kräftig - und kurz

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In der Industrie steigt die Nachfrage nach Waren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die konjunkturelle Belebung übertrifft vielfach die Erwartungen der Experten. Doch die Unsicherheit bleibt und bremst. Vor allem die Dienstleister schwächeln wieder. Und die privaten Banken rechnen damit, dass das Wachstum in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres merklich nachlässt.

Deutschlands Wirtschaft erholt sich aus Sicht der privaten Banken "aktuell überraschend zügig vom Corona-Schock". Allerdings rechnen deren Chefvolkswirte damit, "dass sich das derzeitige Tempo in den nächsten Monaten nicht fortsetzen wird". Bereits jetzt hat die Erholung der Wirtschaft wegen schwächelnder Dienstleister deutlicher als erwartet an Schwung verloren. Der Einkaufsmanagerindex, der die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern zusammenfasst, fiel im September, wie das Institut IHS Markit zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte.

"Die jüngsten Daten zeigen, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im September weiter steigt", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. "Sie verdeutlichen aber auch eine wachsende Abweichung in den Trends zwischen Industrie und Dienstleistern." So hielt sich das Barometer insgesamt zwar den dritten Monat in Folge über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Doch der Einzelindikator für den Dienstleistungsbereich fiel unter diese Schwelle und deutet auf schrumpfende Geschäfte. Markit führt das auf die steigende Zahl von Neuinfektionen mit dem Corona-Virus zurück "und der nach wie vor hohen Unsicherheit in der Wirtschaft, auch in Bezug auf die Arbeitsplatzsicherheit".

"Made in Germany" wieder gefragt

Dagegen kletterte das Industrie-Barometer robust auf 56,6 Punkte und markiert den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. "Das Verarbeitende Gewerbe erholt sich nach wie vor kräftig, was zum Teil auf die sich verbessernde Exportnachfrage zurückzuführen ist", sagte Smith. Zuwächse bei Produktion und Neuaufträgen trügen dazu bei, den Jobabbau in der Industrie zu bremsen.

Die deutsche Wirtschaft war im zweiten Quartal mit 9,7 Prozent so stark geschrumpft wie noch nie, da die Corona-Beschränkungen zur Schließung von Geschäften und Fabriken führte. Für das zu Ende gehende Sommerquartal rechnen Experten mit einem deutlichen Wachstum. Das Ifo-Institut etwa sagt ein Plus von 6,6 Prozent voraus.

Im Gesamtjahr erwarten die privaten Bankennun einen Rückgang des BIP um 5 bis 6 Prozent. Im kommenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung dann um 4 bis 5 Prozent zulegen - und damit noch nicht wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen. Obendrein profitiere die Wachstumsrate noch sehr stark vom Rückenwind aus dem zweiten Halbjahr 2020. Im Verlauf des nächsten Jahres dürfte das Plus daher nur bei 2 bis 2,5 Prozent liegen, hieß es weiter

"Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Pandemie bleibt groß", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Christian Ossig. "Das dämpft den privaten Konsum und die Investitionen der Unternehmen." Zudem werde man mit einigen Spätfolgen der Pandemie zu kämpfen haben wie beispielsweise einer höheren Verschuldung von Unternehmen und Staaten sowie pandemiebedingten Veränderungen beim Konsum und in der Produktion.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ