Wirtschaft

PwC & Co. leihen Mitarbeiter aus Wirtschaftsprüfer helfen beim Bamf aus

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Asylsuchende warten teilweise bereits seit Monaten darauf, ihren Antrag überhaupt stellen zu können.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Bamf braucht dringend mehr Personal zur Bearbeitung der Asylanträge. Da es sich um eine hoheitliche Aufgabe handelt, gestaltet sich die Suche schwierig. Nun bieten die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ihre Hilfe an.

Um dem immer noch wachsenden Berg unbearbeiteter Asylanträge Herr zu werden, will das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ausleihen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, sollen die vier großen Wirtschaftsprüfter PwC, KPMG, Deloitte und EY bei ihren Angestellten für einen zeitweisen Wechsel zu der Behörde werben. Bereits ab Mai könnten interessierte Mitarbeiter für ein halbes Jahr von ihrem bisherigen Job freigestellt und zur Bearbeitung der Asylanträge eingesetzt werden.

Das Bamf stockt derzeit die Zahl seiner festen Mitarbeiter von 3500 auf mehr als 6000 auf. Hinzu sollen bis zu 1000 befristete Stellen kommen. Gesucht werden offenbar vor allem junge Wirtschaftsprüfer mit etwa einem Jahr Berufserfahrung. Sie sollen dem Bericht zufolge möglichst über Verwaltungskenntnisse und interkulturelle Erfahrung verfügen.

Derzeit liegen beim Bamf etwa 400.000 unbearbeitete Asylanträge. Auch wenn die Zahl der neuankommenden Flüchtlinge in Deutschland inzwischen gesunken ist, dürfte dieser Berg zunächst weiter wachsen. Etwa 300.000 Flüchtlinge, die bereits im Land sind, haben ihren Antrag noch nicht gestellt.

Bis zu 67.000 Euro Jahresgehalt

Bisher konnte das Bamf bereits 1800 Beamte aus anderen Behörden sowie von der Telekom und der Post anwerben, um beim Asylverfahren zu helfen. Ähnlich wie die Beamten hätten die Wirtschaftsprüfer für die Behörde den Vorteil, dass sie über juristische Grundkenntnisse verfügten, heißt es in dem Bericht weiter. Zudem hätten sie als Prüfer einen Eid abgelegt, dass sie ihren Pflichten verantwortungsbewusst nachkommen und ihre Arbeit gewissenhaft und unparteiisch erledigen. Deshalb könnten sie damit einfacher als andere Bewerber aus der Privatwirtschaft mit hoheitlichen Aufgaben wie der Bearbeitung von Asylanträgen beauftragt werden.

Wie viele Mitarbeiter zu einem zeitweisen Wechsel zum Bamf bereit sind, ist noch unklar. Die Bereitschaft von Deloitte, das Bamf zu unterstützen, sei hoch, sagte eine Sprecherin dem "Handelsblatt". Es sei aber eine freiwillige Entscheidung. Von der Behörde sollen die ausgeliehenen Prüfer in etwa dasselbe Gehalt wie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber bekommen. Laut "Handelsblatt" zwischen 56.000 und 67.000 Euro im Jahr. Im Personalhaushalt des Bamf stehen für die befristeten Stellen im laufenden Jahr rund 320 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Großzügigkeit dürfte den Unternehmen nicht sehr schwer fallen: Im Moment hätten die Prüfer saisonal bedingt nicht viel zu tun, heißt es im "Handelsblatt". Im Herbst dagegen, wenn die meisten Unternehmensbilanzen zu prüfen seien, könnten die Mitarbeiter vom Bamf wieder zurückkehren.

Quelle: ntv.de, mbo