Wirtschaft

Brexit und Zollstreit belasten Wirtschaftswachstum kühlt sich deutlich ab

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Die deutsche Industrie hat ein hartes Jahr hinter sich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit dem weltweiten Krisenjahr 2009 ist die deutsche Wirtschaft kontinuierlich gewachsen. Doch im vergangenen Jahr setzen diverse äußere Faktoren Europas größter Volkswirtschaft erheblich zu. Es gibt jedoch auch positive Nachrichten.

Die deutsche Wirtschaft ist 2019 um 0,6 Prozent gewachsen, wie das Statistische Bundesamt in Berlin mitteilte. Das ist deutlich weniger als 2018 und 2017, als das Wirtschaftswachstum noch 1,5 beziehungsweise 2,5 Prozent betrug.

Vor allem internationale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltwirtschaft bremsten 2019 die deutsche Konjunktur aus. Doch trotz der Flaute nahmen Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen zum sechsten Mal in Folge unter dem Strich erneut mehr Geld ein als sie ausgaben. Der Überschuss betrug laut Statistischem Bundesamt 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, nach 1,9 Prozent im Vorjahr. Allein der Bund erzielte im vergangenen Jahr gestützt von niedrigen Zinsen nach vorläufigen Zahlen des Finanzministeriums einen Rekordüberschuss von 13,5 Milliarden Euro.

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Deutschland ist damit weit entfernt von der Defizit-Grenze des Maastricht-Vertrages. Darin erlauben sich die Europäer höchstens ein Haushaltsdefizit von 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2019 war das zehnte Wachstumsjahr in Folge seit 2010. Damals musste sich Europas größte Volkswirtschaft von der tiefen Rezession 2009 infolge der globalen Finanzkrise erholen.

Gestützt wurde die Konjunktur im vergangenen Jahr dem Bundesamt zufolge abermals von der Kauflust der Verbraucher. Die privaten Konsumausgaben legten mit plus 1,6 Prozent spürbar stärker zu als in den beiden Vorjahren. Hinzu kam der anhaltende Bauboom. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge zu.

Externe und hausgemachte Probleme

Besonders die exportorientierte deutsche Industrie hat indes ein hartes Jahr hinter sich. Die Handelsstreitigkeiten und das Drama um den Brexit verunsicherten Kunden und bremsten Investitionen. Deutsche Schlüsselbranchen wie der Auto- und Maschinenbau sowie die Elektro- und Chemieindustrie bekamen das deutlich zu spüren. Die Industrie rutschte deswegen sogar im Jahresverlauf in eine handfeste Rezession. Der Außenhandel fiel unter anderem deswegen als Wachstumstreiber aus. Nach den vorläufigen Berechnungen legten die Importe mit plus 1,9 Prozent stärker zu als die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen mit lediglich 0,9 Prozent.

Zwar einigten sich die beiden größten Volkswirtschaften USA und China jüngst auf ein Teilabkommen, das heute in Washington unterzeichnet wird. "Gleichwohl ist das Abkommen noch immer unzureichend, denn ein Verzicht auf weitere Zölle und ein wenig Kosmetik sind eben noch kein echter, tiefgreifender Handelsvertrag", sagte Martin Braml, Außenwirtschaftsexperte des Münchner Ifo-Instituts.

Hinzu kommen nach Einschätzung von DIW-Chef Marcel Fratzscher hausgemachte Probleme: "Seit Jahren wird in Deutschland zu wenig investiert und an der Substanz gezehrt", argumentierte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Quelle: ntv.de, fzö/dpa